106 Ueber den Wolken.
beſten Ehen ſeien jene, wo ſich die Gatten gegenſeitig ergänzen,— Ariſto⸗ teles und das oberrheiniſche Kochbuch—.—
Entſchuldige, Doktorchen, die verzweifelten Seiltänzerſprünge meines Humors. Glaube auch ja nicht, daß in den vorliegenden Zeilen etwa eine einleitende Vorbereitung auf eine nächſtens nachfolgende Verlobungskarte ſtecke. Wollte ich auch bei Fräulein Babette anklopfen, ſo würde ich ſonder Zweifel einen Korb erhalten, was ich ihr nach dem, was vorgefallen— nicht einmal übel nehmen dürfte. Eigentlich ſollte ich mich in meinen Weltſchmerz hullen; aber dieſe herrliche Luft hier oben läßt den Aerger und die Melancholie nicht auffommen. Man bringt es höchſtens zu einer gelin⸗ den Selbſtironie.
Doch zu etwas Intereſſanterem. Es bereiten ſich in unſerer keinen Wolkenrepublik hier oben wunderliche Verwicklungen vor.
Du mußt nämlich wiſſen, daß geſtern Abend, als die ganze Kur⸗ geſellſchaft auf der Terraſſe verſammelt war, wo Einige mit dem Femrohr die vor uns ausgebreitete Ausſicht in ihren Einzelnheiten explorirten,— die Andern ſich damit unterhielten, mit den Augen den Eiſenbahnzügen zu folgen, welche, ſchwarzen Inſekten ähnlich, über die grüne Ebene zu urſern Füßen krochen,— meine Wenigkeit unter dem friſchen Eindruck der erſt vor wenigen Stunden erlebten Enthüllungen ins Blaue hinausſtarrte, und Maſter Jobſon ſich ſeines nunmehr von mir nicht mehr beſtrittenen Plitzes an der Seite der Comteſſe erfreute, die bekannte kleegrüne Weißenſtein⸗ droſchke langſam den Grat, auf welchem unſer Kurhaus ſteht, hinangerollt kam. So oft es auch geſchieht, ſo iſt das Erſcheinen der kleegrünen Droſchke für die Kurgäſte jedesmal ein Ereigniß, denn ſie bringt entweder neue Genoſſen oder doch mindeſtens fremde Zugvögel.
Die Zufahrt fuͤr Wagen befindet ſich zwiſchen dem Kurhaus und dem Gebäude, in welchem Sennentoni und ſeine vierzig gehörnten Koſtgänge⸗ rinnen haushalten. Verſteht ſich, daß ſobald die Droſchke angefahren kommt, alles dorthin eilt, um die neuen Ankömmlinge Muſterung paſſiren zu laſſen. Diesmal war es ein einzelner ſtattlicher Herr, der ſich's mit vor⸗ nehmer Nonchalance in der Droſchke bequem machte, Führer und Kutſcher hatten bald ausgeplaudert, daß es ein ſteinreicher Ruſſe ſei.— Kaum hatte die Gräfin den Fremden recht ins Auge gefaßt, als ſie laut aufſchrie und den Arm Maſter Jobſons fahren ließ. Der Ankömmling ſchaute verwundert auf. Aus der Droſchke ſpringen und die ſchöne Dame mit unbefangenſter
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