Jahrgang 
2 (1859)
Einzelbild herunterladen

Ueber den Wolken.

VII.

Den Aufzug hätteſt Du mitanſehen ſollen, Freund Doktor! Voran unſer dienſtfertiger Wirth als Führer und Leiter. Folgte Fräulein Babette mit geſchürztem Kleid, in rundem Strohhut mit blauen Seidenbändern, die luſtig im Winde flatterten; die kleine Staufacherin ſah ganz niedlich aus und hätte als die Nymphe des Berges gelten dürfen, als ſie leichten ſichern Ganges über die Höhen dahinſchritt. Ein würdiger Paſtor der Umgegend diente ihr als Eskorte. Hinter dieſer Vorwache her zog das Hauptkorps, deſſen Mittelpunkt die Gräfin bildete. Sie ritt auf einem beſcheidenen Lang⸗ ohr, von welchem ganzen Reitthier kaum die Ohren über die bauſchige Crinoline der Reiterin hervorragten. Zur Rechten und zur Linken mar⸗ ſchirten ſelbſtverſtändlich die beiden Paladine der Dame, Maſter Jobſon und Dein Freund. Ich war mit einem langen eiſenbeſchlagenen Bergſtock bewaff⸗ net; Jobſon trug uberdies einen ausgeſpannten grünſeidenen Sonnenſchirm, ferner einen Feldſtuhl und ein großes Fernrohr, welche beide letztern Gegenſtände er ſich auf ſehr ſinnreiche Weiſe auf den Rücken geſchnallt hatte. Den Schluß der Karawane bildete einer von Sennentoni's Knechten, dem die doppelte Pflicht oblag, das Reitthier der Gräfin anzutreiben und in einem Querſack etwelchen Proviant auf den Berggipfel hinaufzutragen.

So gings über den ſammetweichen Teppich der grunen Weide an uralten Schirmtannen vorbei, in einem muldenförmigen Thale entlang, das uns in ſanfter Steigung aufwärts führte. Bald war es eine beſonders ſchön aufgeblühte Gentiane, bald ein Büſchel korallenrother Preißelbeeren, die aus dunklem Mooſe hervorleuchteten, bald eine wunderlich geſtaltete Orchis, womit wir beiden Nebenbuhler unſrer Dame angenehm zu ſein ſuchten. Während der Sohn Albions glücklicher im Auffinden ſchöner Blumen und Beeren war, wußte ich dagegen in der Botanik beſſern Beſcheid und war ſelten um den richtigen Namen verlegen; ſo bahnte ich mir die Wege, um von meiner Heloiſe auch in dieſem Fach als Lehrer angenommen zu werden.

Nur zu bald erreichten wir das Ende des Thals. Hier mußte die Gräfin abſteigen, da der Pfad nun durch dichten Wald bergaufwärts führte und zu ſchmal und ſteil wurde, um anders als zu Fuß erklommen zu werden. Du magſt glauben, daß es keine leichte Aufgabe war, unſere Pariſerin da hinaufzubringen, wo man ſich ſtellenweis durch dorniges Geſtrüpp hindurch⸗