Jahrgang 
2 (1859)
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Ueber den Wolken.

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genen Sennhutten zu machen. Endlich nimmt uns auch das Touriſtenvolk in Anſpruch, das Tag für Tag zu Fuß und zu Wagen hergepilgert kommt, um einen ſchönen Sonnenaufgang, ein brillantes Abendroth oder ein Alpen⸗ glühen zu erhaſchen. Da läßt ſich Ethnographie beſſer als aus Büchern ſtudieren, und nach einiger Uebung hat man es gleich los, den Schweizer, den Deutſchen, den Franzoſen, Italiener, Engländer, Schweden oder Ruſſen herauszufinden. Leider habe ich die Dichterin jener bewußten Strophen noch nicht unter ihnen entdecken können.

Einen ganz eigenthümlichen Contraſt zu dieſen Zugvögeln bildet der Sennentoni mit ſeiner Familie, der eigentliche Autochthone des Weißen⸗ ſteins. Während die Touriſten auf ihrer haſtigen Jagd nach neuen pikanten Eindrücken gleich den ziehenden Nebeln daherkommen, um gleich wieder ſpurlos zu verſchwinden, während wir ſelber nur wochenweiſe unſre Wohnſtätte hier aufſchlagen und ſogar unſer trefflicher Gaſtgeber erſt ſeit wenigen Jahren und nur während den Sommermonaten auf dem Weißen⸗ ſtein reſidirt, ſind Sennentoni's hier geboren und groß geworden. Sie kennen den Berg nicht nur in ſeinem lieblichen Sommerſtaat, ſondern auch wenn die Winterſtuͤrme darüber wegbrauſen und der Schnee klaftertief in ſeinen Runzeln und Falten liegt. Unſereinen ſieht der Sennentoni ficht anders an als die Schneegänſe, die jährlich zweimal tief unter ihm weg⸗ fliegen, einmal nach Süden und einmal nach Norden. Was wiſſen die davon, wo die guten Weidegräſer wachſen! Sennentoni ſchaut auch nach der Ausſicht, und zwar recht oft des Tages; es geſchieht aber nicht aus äſthetiſchem Intereſſe, ſondern aus ganz andern Gründen. Stehen die Schneeberge in ihrer ſchönſten Pracht und vollen Klarheit da, ſo ſchüttelt er den Kopf, denn es droht Regen; glitzern in den Frühſtunden die kleinen Seen am Fuße des Pilatus und Rigi, dann iſt ſchlimmes Unwetter im Anzuge; wird's dagegen Abends über dem See von Neuchatel recht klar, ſo iſt ein ſchöner Tag zu erhoffen.

Neulich traf ich ihn, als er mit Behagen über ſeine Schweineheerde Muſterung hielt, die ſich munter im Graſe herumwälzte. Da ſtand der alte verwitterte Burſche und unterhielt ſich mit der grunzenden Schaar bald in ſchmeichelnden, bald in ſcheltenden Lauten. Mir wurde bei dieſem Anblick wieder ganz homeriſch zu Muthe.Herzlich ſei mir gegrüßt, Eumäos, treff⸗ licher Sauhirt! rief ich ihm zu. Da kam ich aber ſchlecht an. Er ſei kein Schweinhirt, ſondern ein Senne. Ich wollte mich mit Homer entſchuldigen,

aber nach. Heeri

des:

Senn

Kra auch

kein