Jahrgang 
2 (1859)
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94 Ueber den Wolken.

und der glitzernde Streifen jenſeits derſelben ſoll der Vater Rhein ſein. Ich ſage Dir, Doktorchen, es gewährt eine ganz eigene Luſt, auf einem ſolchen hohen Bergesgipfel zu ſtehen, und es war mir faſt zu Muthe, als wären mir Flügel gewachſen.

Auf dem Rückweg machte ich einen intereſſanten Fund. Es war ein aus einem Notizbuch herausgeriſſenes Blättchen, auf welchem von Frauen⸗ hand mit Bleiſtift ein paar Strophen geſchrieben ſtanden. Ein paar Kor⸗ rekturen beweiſen, daß ſie nicht abgeſchrieben, ſondern das Produkt einer hier auf dem Berge erlebten inſpirirten Stunde der Schreiberin ſind. Das Merkwürdigſte daran war jedoch für mich der Umſtand, daß die Verſe den ganz gleichen poetiſchen Eindruck ausſprachen, der über mich gekommen war, als ich die Alpen von unſerer Kurhausterraſſe aus zum erſtenmal in ihrem vollen Glanze ſah. Urtheile ſelbſt!

Siehſt du die rieſigen Reiſigen ragen Ueber das wogende Wolkenmeer?

Iſt's nicht aus längſt verſchollenen Tagen Ein eisbepanzertes Heldenheer?

Iſt's nicht das drohende Volk der Achäer, Waffengerüſtet vor Priamus Stadt,

Wie es Homeros, der göttliche Seher, Den lauſchenden Griechen geſungen hat?

Siehſt du dort ragen der ſtolzen Atriden Völkerbeherrſchendes Brüderpaar!

Siehſt du den finſtern Telamoniden, Neſtor, den greiſen, im Silberhaar!

Aber abſeits weit weilet verdroſſen

Von allen der Herrlichſte, Thetis Sohn, Grollend, weil ihm geraubt die Genoſſen Die ſchöne Sklavin, den Siegerlohn.

Alſo ſtehen die Ewigbeſchneiten

Drüben am ſonnigen Wolkenmeerrand, Froſterſtarrt bis zum Ende der Zeiten, Wie ſie einſt ſtanden an Ilions Strand!

Nicht wahr, Freund, les grands esprits se rencontrent, um mit der Gräfin zu reden. Ich wäre doch begierig, dieſer poetiſchen Doppelgängerin,

dieſer es nich nen müthe auch poetiſe wohl ſchwin aufgel hätte mit W gegen Ayp drück Knur ſachen zurech Atzn