Ueber den Wolken.
V.
Freund Doktor! Geſtern ſpät brachte Seppli, der Weißenſteinbote, der unſern Verkehr mit der Welt zu unſern Füßen vermittelt, Deinen Brief und den von mir gewünſchten Horaz. Du ſcheinſt daran zu zweifeln, ob Deine Sendung mich noch hier oben über den Wolken antreffen werde. Ich muß Dir geſtehen,— die Verhältniſſe haben ſich nun ſo geſtaltet, daß ich trotz dem Wetter, das ſich aufgehellt hat, meinen Aufenthalt auf dem Weißenſtein nun doch noch um ein paar Tage verlängern werde.
Ich will offen mit Dir ſein,— ich will auf die Gefahr hin, die Schleuſe Deines Spottes zu öffnen, es gerade heraus ſagen: ſie iſt förmlich verſchoſſen.„Wer?“ höre ich Dich fragen.„Die Gräfin!“—„Und in wen?“ In wen ſonſt als in Deinen Freund und Patienten, doctor philosophiae und professor extraordinarius an unſerer alma Carolina. Es iſt gar nicht mehr daran zu zweifeln.— Hat ſie mich ja in Gegenwart Maſter Jobſons mit einem vielſagenden Blick erſucht, ihr Unterricht in der deutſchen Sprache zu geben. Der Engländer iſt eiferſüchtig, wie ein Mohr, aber glüͤcklicher⸗ weiſe nicht ſo blutdürſtig, ſonſt müßte ich riskiren eines kühlen Abends von ihm überfallen und in einen der Abgründe geworfen zu werden, die rings um uns gähnen. Maſter Jobſon gedenkt durch ein großartiges Feuerwerk, welches er zu Ehren der Gräfin nächſtens auf dieſen Berghöhen abbrennen will, das verlorene Terrain wieder zu gewinnen. Nur zu! Seine Raketen und Feuerräder werden den geheimen Zug eines liebenden Herzens nicht in andere Bahnen zu leiten vermögen.
Ich ſehe im Geiſte, wie Du die Hände über dem Kopf zuſammen⸗ ſchlägſt, Doktorchen, aus lauter Erſtaunen, mich auf ſolchen Wegen zu ertappen. Freilich habe ich ſeit unſerer Studentenzeit, wo ich einige verun⸗ glückte Verſuche wagte, unſrem damaligen„Kneipbeſen“ die Kur zu machen, mit keinen andern Frauenzimmern mehr Umgang gepflogen, als mit den Helenen, Iphigenien und Antigonen meiner herrlichen Griechen und höch⸗ ſtens hie und da mit den etwas leichtfertigen Glyceren und Lydien des Schäkers Ovidius und meines Freundes Horaz. Ich kann Dich aber ver⸗ ſichern, daß es auch heutzutag noch Aſpaſien gibt, deren Freund zu ſein ein Platon ſich nicht ſchämen dürfte. Sapienti sat!—
Ich hätte nie geglaubt, daß ein vernünftiges und gebildetes Weſen den langen lieben Tag ſo zu verdämmern oder— mit unſern Studenten zu
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