Jahrgang 
2 (1859)
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90 Ueber den Wolken.

England durch einen geſchickten Zimmermann in Brettern ausführen zu laſſen gedenke, um ſie dann, weiß getüncht, an einer geeigneten Stelle ſeines Parkes aufſtellen zu laſſen.

Maſter Jobſon war ſo ſehr in ſeine geometriſche Aufnahme vertieft, daß er nicht einmal das Erſcheinen der Pariſerin man nennt ſie Comteſſe bemerkte. Dieſelbe erbat ſich nun meinen Arm, um einige Gänge auf der Terraſſe zu machen, die dem Kurhaus entlang angelegt iſt. Ihre Unter⸗ haltung war ſehr lebhaft und um ſo weniger ermüdend, als ſie beinähe allein ſprach und mich gar nicht zu Worten kommen ließ. Du wirſt mich einen Gecken ſchelten, wenn ich Dir ſage, daß ich gute Gründe habe, mir zu ſchmeicheln, den Sohn Albions bei der Gräfin ausgeſtochen zu haben. Urtheile ſelbſt, Doktorchen! Als Maſter Jobſon endlich mit ſeiner Zeich⸗ nung fertig war und ſeine Schöne auf der Terraſſe bemerkte, wollte er ihr ſein eben entworfenes Kunſtwerk vorweiſen, aber ſiehe da, ſie würdigte ihn nicht einmal eines Blickes, ſondern wandte ihm den Ruͤcken, um ſich mit mir über Platons Phaedon zu unterhalten. Der Gentleman rannte wüthend davon und war beim Frühſtück nicht ſichtbar. Wer weiß, was noch daraus wird! Wenn der Engländer ſich nicht beſchwichtigt, ſo möchte ich Dich gern hieher wuͤnſchen, altes Haus, um die leider längſt vergeſſenen Terzen und Quarten wieder einigermaßen einzupauken.

Während wir ohne Maſter Jobſon unſern Milchkaffee nebſt obligaten Butter und Honig konſumirten, fegte ein friſcher Wind das Nebelmeer weg, welches eben noch das breite Thal zwiſchen der Jurakette und den Alpen bedeckt hatte, ſo daß bald nur noch einzelne weiße Flocken über die ſonnenbeglänzte Landſchaft dahinzogen und da und dort an einem vorragenden Gipfel hängen blieben. Jetzt erſt ſah ich, wo ich mich eigentlich befinde. Dicht am Fuße des Weißenſteins liegt die alte Stadt Solothurn von lindenbepflanzten Wällen umgeben. Man ſollte meinen, von unſerer Terraſſe aus einen Stein auf ihre Dächer ſchleudern zu können, und doch brauche man nahe an zwei Stunden, um hinunter zu gelangen, ſagen ſie. Nach Oſten dehnt ſich eine weite, mit Dörfern und Städtchen beſäete frucht⸗ bare Ebene. Im Süden erhebt ſich ein Hügelland mit gelben Kornfeldern, gruͤnen Matten und dunkeln Tannwäldern bedeckt, terraſſenartig bis zu anſehnlichen bläulichen Vorbergen, hinter denen meine eisgepanzerten home⸗ riſchen Helden ſtehen. Im Südweſten entdeckt man mit dem Fernrohr die Thürme der ſchweizeriſchen Bundeshauptſtadt Bern. Nach Weſten verfolgt