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Von Alfred Hartmann. 89
Kleider fuhr und vor das Kurhaus hinunter eilte, das Götterſchauſpiel beſſer genießen zu können, das war Dein Freund. Es war zum Gluͤck noch niemand unten. Da bedünkte mich, ich ſtehe auf dem zackigen Olympos oder dem Oſſa oder dem wolkenragenden Taygetos und ſähe hinüber nach dem Troergeſtade. Waren das nicht die homeriſchen Heldengeſtalten, die dort in ihren glitzernden Rüſtungen prangten?
Leider blieb ich nicht lange allein. Ein Schweizermädchen, mein Gegenüber bei Tiſche, ſtreckte nach kurzer Zeit ihr naſeweiſes Näschen in die Morgenfriſche hinaus. Wie die mit den eisgepanzerten Giganten ſo vertraulich that! Sie kannte ſie alle mit Namen und es war, als ob ſie mit ihnen auf Du und Du ſtände. Aber ganz ließ ich mir meine Illuſton doch nicht rauben. Eiger und Mönch, die dort ſo trotzig ragten, waren ſie nicht das ſtolze Atridenpaar, und die ſtrahlende„Jungfrau,“ neben ihnen die ſchöne Briſeis, die jene eben aus Achilleus Zelte geholt? Standen nicht neben den Atriden der lanzenkundige Diomedes und der finſtere Ajax (Finſteraarhorn und Schreckhorn nannte ſie die Schweizerin)? Aber weit abſeits ragte der herrlichſte von allen, der göttliche Achilleus, der ſich— zürnend über die erlittene Unbill— von den Achäern abgewandt.—
„Das iſt ja der Montblanc, Herr Profeſſor,“ ſpottete die Schweizerin. „Hätten Sie ihn allenfalls für den Napoleon gehalten, ſo wäre Ihr Irr⸗ thum verzeihlich geweſen. Hat ja ſchon mancher Verehrer des großen Kaiſers eine Aehnlichkeit zwiſchen jenen ragenden Schneegipfeln und dem Profile der napoleoniſchen Todtenmaske herausfinden wollen. Aber einen Helden aus dem trojaniſchen Krieg hat bis jetzt noch niemand aus ihm gemacht.“
Die Schweizerproſa vermag ſich freilich zu ſolchen poetiſchen Phanta— ſieen nicht zu erheben. Ihre Berge ſind fuͤr ſte eben Berge, welche der liebe Gott ſo ſchön hinſtellte, damit Engländer und andere Touriſten herkommen möchten, um ihr Geld in der Schweiz zu verzehren. Bei ihrem Anblick denken ſie viel eher an Käſe und Butter als an Titanen und Heroen.
Jetzt kam auch Maſter Jobſon, der bocksbeinige Engländer, von dem ich Dir geſtern ſchrieb, zum Vorſchein und bemühte ſich, das Profil der Alpenkette, ſo wie es ſich vor uns ſilberhell vom blauen Hintergrund des wolkenloſen Firmamentes abhob, mit möglichſter geometriſcher Treue in ſeine Brieftaſche einzutragen. Als ich mich über den Zweck dieſer Arbeit erkundigte, vertraute er mir, daß er dieſe wundervolle Alpenanſicht in


