Von Karl Pfaff. 471 ücke ihren Schießplatz. Die Eßlinger Schuͤtzen aber ſtanden mit denen anderer und Reichsſtädte in fleißigem Verkehr, bald hielten ſie ſelbſt ein Schuͤtzenfeſt, hor⸗ bald wurden ſie auf ſolche Feſte an andern Orten eingeladen. ücke, Im Jahr 1516 machten„Bürgermeiſter, Rath und Schießgeſellen der
Armbruſt⸗, Stahlbogen⸗ und Büchſenſchützen“ bekannt, daß ſie Willens ſeien,„eine Kurzweil und ein Schießen“ mit 52 Preiſen(von 1 bis zu ſpie 101 Gulden) zu halten. Die Schußweite war fuͤr die Armbruſtſchützen 315, für die Buͤchſenſchützen 700 Eßlinger Werkſchuhe, der Einſatz für jeden Schuß ein böhmiſcher Groſchen; mehr als vierzigmal durfte niemand kbr ſchießen, und zwar nur„aufrecht, mit freiem, ſchwebendem Arm und in 2 abgetrennten Wammsärmeln, ſo daß der Kolben die Achſel nicht berührte.“ Jeder bekam„ſtarkes, ſicheres Geleite“ mit Ausnahme von Geächteten, Feinden des Kaiſers, des ſchwäbiſchen Bundes und Wüͤrttembergs. Es
kamen, wie ein Augenzeuge erzählt, gegen 1500 Schuͤtzen, Fürſten und Herren, Edle und Unedle, Ritter und Knechte, Bürger und Landleute von
14 nah und fern. Wenn Einer in die Mitte traf, ging man mit Trommeln und
emn Pfeifen hinaus, ein Rathsherr hatte ein„Rundel“ mit einem langen Stab, 4* dieſer maß, dann wurde es aufgeſchrieben. Die Pritſcher und Spielleute
tin waren alle in den Stadtfarben, braun und grün, gekleidet. Es war ein ſo
4 ſchöner Sommer, deßgleichen man nicht leicht ſah, es gab gar guten ſüßen
fältig Wein und alle Dinge waren wohlfeil. Der Rath hatte einen Glückshafen gen
mit 17 Gewinnen(von 1 bis 60 Gulden) aufgeſtellt, auch ſpielte man mit Wuͤrfeln und mit zwei Kegelſpielen, bei deren einem die Kegel auf einem Balken ſtanden und, wer ſie treffen wollte, an die Wand werfen mußte. Daß bei dieſem Feſte eine ausgelaſſene Luſtigkeit herrſchte, beweist ſchon der Umſtand, daß der Biſchof von Konſtanz die Stadt deßwegen in den Kirchen⸗ acher) bann thun wollte. Auf die Bitten des Raths unterließ er dies zwar, befahl
. jedoch dem Pfarrer in Eßlingen, die Perſonen, welche„in Sachen des ſchre genannten Schießens geſündigt hätten,“ zur Strafe zu ziehen.
ſechten Auch Fechtuͤbungen wurden angeſtellt, und die damals über einen be⸗ urſte, trächtlichen Theil Deutſchlands verbreiteten Geſellſchaften der Marrbrüder ſann und Federfechter, welche letztern davon ihren Namen hatten, daß ſie mit Eine gefiederten Spießen fochten, zählten auch in Eßlingen viele Mitglieder. Bis⸗ on im weilen kamen fremde Meiſter hieher und hielten Fechtſchulen. In einem 9 g. Schreiben des Raths vom 26. Junius 1486 heißt es:„Meiſter Anton von hatte Straßburg iſt in unſere Stadt gekommen, um hier eine Fechtſchule zu halten. und


