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Von Paul Heyſe. 15
ein Jäger, eine Autorität in der Pferdekunde und der erſte Schachſpieler auf zwanzig Stunden im Umkreis.“*„Da werden Ihrer künftigen Frau die Abende recht unterhaltlich vergehen.“
„Wenn es überhaupt ſoweit kommt. Aber wie geſagt, ich habe meine Zeit und die beſte Gelegenheit ſchändlich verloren. Nachmittags machten wir einen Spaziergang durch die Stadt nach dem alten Schloß, wo der vorige König ſeine Feſte gab. Unter dem jetzigen Herrn iſt es ganz verödet, und der Platz, wo ſonſt die Orangenbäume ſtanden, in einen Obſtgarten verwandelt worden. Es war ein lachender Anblick unter den Bäumen auf dem grünen Raſen die großen Haufen der herrlichſten Aepfel und Birnen ſorgfältig ſortirt bei einander zu ſehen, und ein Duft lag über der Wieſe verbreitet, wie ich nichts Erquicklicheres kenne. Da gingen wir denn vorbei, die Schweſtern in leichten Hütchen voran, alle gleich gekleidet, wir drei hinter ihnen. Und wie ich ſie mir ſo anſehe, fällt mir ein, wie ähnlich meine Lage der jenes Prinzen ſei, der ſeines Vaters Heerden hütete und plötzlich zwiſchen drei Göttinnen den Preis der Schönheit vergeben ſollte.”“
„Und Sie eigneten ſich dieſen Apfel zu, damit er Ihnen in ähnlicher Weiſe ſymboliſch aus der Verlegenheit helfen möchte?“
„Alleerdings. Ich ſteckte ihn unbemerkt ein. Und als wir uns tiefer in den alten Park verirrt hatten und auf den ſchmaleren Wegen bald die eine, bald die andere der Schweſtern allein an meiner Seite ging, fühlte ich manchmal ſchon heimlich nach meinem Apfel, wenn ich mich gerade zu über⸗ zeugen glaubte, dieſe und keine ſonſt ſei die Rechte. Dann brauchte nur eine von den andern ſich umzudrehen, oder ein Wort, ein Lachen an mein Ohr zu ſchlagen, und der Apfel blieb wieder in ſeinem Verſteck. Und ſo habe ich ihn denn richtig von dannen getragen, ohne ihn los zu werden. Iſt es nicht zum Verzweifeln, Eugenie? Als ich verliebt war, fehlte mir der Muth, und nun ich Muth habe, fehlt die Liebe.“
„Sie müſſen nicht gleich verzagen, armer Freund,“ ſagte ſte treuherzig⸗ „Für den Anfang haben Sie ſich ſchon ganz brav gehalten, und ſo wenig Rom an Einem Tage gebaut worden, ſo wenig werden Sie Ihr eigen Haus in ſo kurzer Zeit aufrichten. Iſt Ihnen denn der Name einer jeden gleich lieb? Ich halte viel auf Namen und begreife jenen Dauphin, der keine Urraca zur Frau nehmen wollte.“—„Da iſt auch keine Huͤlfe zu holen,“ entgegnete er mit bekümmerter Miene.„Anna, Clara, Maria— alle drei wären mir recht. Nein, meine beſte Freundin, ich hoffe jetzt nur auf Sie.“


