Sagen aus Stadt und Stift Hildesheim.
horchenden Teufel. Ein frommer Predigermönch nämlich predigte„ganz vor dieſem“ gewaltiglich gegen den Böſen und deckte alle ſeine Tuͤcke und Schliche auf. Als das dem Teufel hinterbracht wurde, wollte er ſich ſelbſt überzeugen, lehnte den Kopf an die Mauer, um zu horchen, und hörte, wie jeder Horcher an der Wand, ſeine eigene Schand' Er mußte aber den frommen Mönch wohl laſſen und fuhr mißmuthig davon. Als Wahrzeichen
ſeiner Spionirerei ſitzt nun der Abdruck ſeines glühenden Horns noch bis
auf den heutigen Tag an dem Steine.—
b. Andere wollen wiſſen, daß die Sache ſo zugegangen ſei: Als man den Dom baute, mühete man ſich lange Zeit vergebens ab, die ſteinernen, aus einem Stuüͤck beſtehenden Säulen, welche das Gewölbe tragen helfen, aufzurichten. Als nun alle Mühe und Arbeit vergebens war, fing der Baumeiſter an zu fluchen, ward gottvergeſſen und ſprach das unbeſonnene Wort:„So wollte ich doch, daß der Teufel käme und uns die Säulen aufrichtete!“ Kaum war das vermeſſene Wort geſprochen, ſo ſtand der Gerufene zum Schrecken aller Bauleute mitten unter ihnen und fragte, was man da baue? Da faßte ſich der Baumeiſter, der ein pfiffiger Mann war, ein Herz und ſagte, er wolle hier ein Haus bauen, ſo groß, daß die ganze Stadt darin zu Tiſche gehen könne, und nun wolle es mit dem Aufrichten der Säulen nicht gehen. Da dachte der Teufel nicht anders, als man wolle hier ein großes Wirthshaus aufrichten, und da er immer gern Hand anlegt, wenn man Spiel⸗ und Wirthshäuſer baut, ſo beſann er ſich nicht lange und richtete im Nu die Säulen auf.
Als er nun aber mit verſchränkten Armen daſtand und verſchnaufte, kam ihm die ganze Bauanlage für ein Wirthshaus doch wunderlich vor und er ſchnob den Baumeiſter an:„Du haſt mich belogen, ihr wollt hier eine Kirche bauen!“—„Ich habe dich nicht belogen,“ antwortete ruhig und ſich bekreuzend der Baumeiſter;„freilich wollen wir hier eine Kirche bauen und
noch dazu die Hauptkirche; und iſt das nicht etwa ein Haus, in welchem die
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ganze Stadt zu„Gottestiſche“ geht?“— Vor dem Worte konnte der leidige Teufel nicht bleiben, fuhr fluchend dreimal um den Bau und ſtieß wüthend mit den Hörnern gegen die Mauer, aber die gefeieten Steine ſpotteten ſeiner
Wuth, und nur jener eine Stein trägt das Wahrzeichen davon.


