Sagen aus Stadt und Stift Hildesheim.
Mitgetheilt von
Karl Seifart.
1. Der Hühnerkönig.
Vor uralten Zeiten iſt einmal eine ganz wunderbare Geſchichte in der Stadt paſſirt und noch heute weiß niemand, was er eigentlich dazu ſagen ſoll.
Da wohnte auf dem alten Markte, auf einem baufälligen Hinterhauſe ſeit Menſchengedenken ein Mann, von dem man nicht wußte: wer biſt du und was machſt du? Er ging ſelten aus und hatte ſelbſt für die nächſten Nachbarn kein anderes Wort, als„guten Tag und guten Weg.“ Wollte ihn einmal jemand fragen, wer eigentlich ſeine„Hühner und Gänſe“(Ver⸗ wandte) wären, wo ihm die Bademutter das erſte Bad gegeben, und womit er den Tag hinbrächte, ſo wurde er grob und brummte in den Bart, das gehe keinen etwas an, jeder ſolle vor ſeiner Thüre kehren.
Damit kam er auch durch, denn die Polizei fragte auch nicht, woher und wohin?— Warum? Weil es damals noch gar keine gab. Wer ruhig ſeine Straße ging und keinem etwas in den Weg legte, mochte von Burte⸗ hude oder aus dem„Putjahrlande“ gekommen ſein, das war den Herren aus dem Rathhauſe einerlei. Auch hatten ſie damals dort mehr zu thun, als ſich um ſolch einen alten„Stackettenflicker“ zu bekümmern, denn ſchwere Kriegsläufte hatten Stadt und Rath in Schuld und Ungeduld gebracht, und wenn man glaubte, es ſei endlich Frieden, ſo wimmelte es wieder auf dem Galgenberge und auf dem Krählah von fremdem Fuß⸗ und Pferdevolk, welches die Stadt mit Sengen und Brennen bedrohte, ſo daß der Noth kein Ende abzuſehen war. Endlich legte ſich der Feind gar dicht vor die Wälle und
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