Jahrgang 
3 (1857)
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Von Hermann Kurz. 477

mehr als von der Vernunft ſich hat ſagen laſſen, daß es den Kukuk nach der Geſellſchaft zu fragen braucht, weil dieſe im Grund ihres Herzens nach ihm noch weniger als den Kukuk fragt. Wehmüthig ſteckte ich meine patrio⸗ tiſchen Schwarten unter beide Arme und trug ſte in die Region des Pfeffers, nicht wo er wächst, ſondern wo er ausgewogen wird, denn zur lothweiſen Aufnahme dieſes Gewürzes erkannte der Käufer das Format geeignet. Ach, kein Glücksfund, ſo ſorgſam ich auch bei jedem Schritt auf der Straße ſpähte, hatte mir den Verrath am Vaterland erſpart! Er trug mir übri⸗ gens bei meinen Geſellen nicht wenig Ehre ein, denn ich brachte ein reich⸗ liches Quantum des feinſten Pulvers mit, das wir in langen, dünnen Schlangen verfeuerwerkten. Meine Einnahme reichte über den Herbſt, und als geheimer Beſtandtheil in dem allgemeinen Knallen, Knattern, Praſſeln, Sauſen ging mein„alertes Teutſchland“ nach und nach glücklich in die Luft.

Aber die Hölle war mit dieſem Opfer noch nicht zufrieden. Das Leben hatte ſeinen werktäglichen Gang wieder angenommen, und ich wollte eben in meinem Teufelsbuche da fortleſen, wo ich durch den Beginn der Herbſt⸗ freuden unterbrochen worden war, als abermals der Bürgerruf an mich erging. Einige unſerer Freunde beſaßen noch anſehnliche Pulvervorräthe, vielleicht weil ſie die Pulverhörner ihrer ältern Brüder oder Vettern ge⸗ plündert hatten, und nun war ein brillantes Schlußfeuerwerk beantragt, in welchem das letzte Korn draufgehen ſollte. Kein Mann von Ehre oder auch nur von Lebensart konnte ſich dieſem Ruf entziehen. Abgebrannt, wie ich in dem unſeligen Augenblicke war, und ſtumpfſinnig geworden durch die nun ſchon einmal eingeriſſene Uebertretung aller Grundſätze einer rationellen Oekonomie, warf ich ein paar flüchtige Abſchiedsblicke in mein„Teufels⸗ buch“ und ſchickte es dem„alerten Teutſchland“ nach. Da waren ſie nun in der That„verlaufene Geſchichten“, alle jene wahrhaftigen Hiſtorien von Teufelspakt und Teufelsſpuk, und nichts iſt mir davon im Gedächtniß ge⸗ blieben, als die Erzählung von dem Gericht, bei welchem der Schatten eines Mannes geköpft wurde. Einen Theil des Erlöſes legte ich zurück, um Erſatz für das Wunderbuch aus der Leihbibliothek zu beziehen, die mir denn auch im folgenden Winter höchſt merkwürdige Dinge erzählte, zum Beiſpiel von dem kühnen Epplein von Gailingen, der den Nürnbergern auf ſeinem windſchnellen Roß aus dem Gefängniß über den Stadtgraben entflog, wäh⸗ rend ſein Knecht den kurzweiligen Umweg erwählte, auf dem Beſen die Mauer hinab zu reiten. Den größeren Theil des Geldes aber machte ich