Jahrgang 
3 (1857)
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ſeln,

Von Hermann Kurz. 473

mende Kobold ſo ungeſchickt, ihm durch den Aermel hinaufzufahren und ſeinen Arm etwas mehr als billig zu wärmen. Dergleichen Unglücksfälle wurden nicht hoch angeſchlagen, ſie erweckten höchſtens den Wunſch der Wiederholung, ja der Betroffene ſelbſt, als Märtyrer für das allgemeine Beſte und in der Hoffnung, die Ehre eines ſolchen Opfers auch Anderen zu theil werden zu ſehen, trieb nur um ſo erpichter Mannſchaft und Beiträge behufs der nächſten Kunſtübung zuſammen.

Aber da eben ſaß der Teufel für mich. Dieſe Beiträge wurden un⸗ nachſichtig von jedem Theilnehmer eingefordert; man hatte die Freiheit, ſie in Münze oder Kraut zu entrichten, nur vorausgeſetzt, daß die eine nicht etwa einen„Vögelisgroſchen“ enthielt und das andere nicht zu grobkörnig war; hierauf wurde ſtreng gehalten, doch ſtrenger noch darauf, daß keiner mit leeren Händen kam. Ich aber hatte das letztemal meinen letzten Kreuzer beigeſteuert, und die neue Contributionspflicht, die ich ob den Spukgeſtalten des Mittelalters vergeſſen hatte, kam mir als ein noch größeres Schreckens⸗ geſpenſt über den Hals. Theilnehmer am letzten Feuerwerke, konnte ich mich dem heutigen unmöglich entziehen. Meine ganze geſellſchaftliche Stel⸗ lung war bedroht. Mit anſcheinendem Gleichmuth hieß ich den Treiber Jehu vorausgehen, indem ich ihm ſagte, ich habe nur noch ein kleines Penſum zu abſolviren und werde zu rechter Zeit auf dem Platze ſein. Als ich ihn draußen hatte, athmete ich auf, doch nur für einen Augenblick.

Rath mußte geſchafft werden, und das in der kürzeſten Friſt. Wunder geſchehen nicht alle Tage, das wußte ich bereits, aber ich hatte auch bereits eine Art Providenz kennen gelernt, mit welcher ſich die Lücke des erman⸗ gelnden Wunders nothdürftig ausfüllen ließ; und das war eben der Fleck,

in welchem ſich der Bewußte, nicht erſt ſeit heute, feſtgeſetzt hatte.

Ich war nämlich ſchon vor längerer Zeit in den Beſitz einer kleinen Bibliothek gekommen, die ich meiſt von der guten Tante aus der Verlaſſen⸗ ſchaft ihres Eheherrn geſchenkt erhalten, vielleicht auch ſonſt da und dort, wo ich ein beſtaubtes Buch in der Ecke liegen ſah, zuſammengebettelt hatte. Den Grundſtock dieſes Bücherſchatzes bildeten einige Folianten des ſeligen Pfarrherrn, ehrfurchtgebietende Kirchenſäulen aus verſchiedenen abgelau⸗ fenen Epochen der Dogmatik. Die Meinung der Geberin war allerdings nicht geweſen, daß ich nach Gutdünken mit ihnen ſchalten und walten könne, ſondern ſte waren zu meinem künftigen Studio beſtimmt, deſſen ich jetzt ſchon bei ihrem Anblick eingedenk ſein ſollte, und auch ich ſelbſt hatte die