Jahrgang 
3 (1857)
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472 Aus der Knabenzeit.

Ausſchirrung aus dem Schulkarren und die Herbſtfreuden, die bald Berg und Thal mit Knall und Ziſchen erfüllen ſollten, vorausgenoß. Aufs leiden⸗ ſchaftlichſte wurde die Vorfeier der letzteren begangen. An der Aſche, in welcher die erſten Kartoffeln brieten und dufteten, gingen ſchon Dutzende von„Feuerteufeln“ los, die einfachſte Art von Feuerwerkerei, welche darin beſteht, daß man ein Häufchen Pulver aufflammen läßt. Noch beliebter waren die„feuerſpeienden Berge,“ die man dadurch bewerkſtelligte, daß man in weichem Boden, am zweckmäßigſten in Lehm, mit dem Finger einen arteſiſchen Brunnen bohrte und in ſeiner ganzen Tiefe möglichſt feſt mit genäßtem Pulver füllte. Dieſe kleinen Krater ſpieen erſtaunlich lange und empfahlen ſich hiedurch den jungen Pyrotechnikern, die Urſache genug hatten, ihre Munition auszuſparen. Denn von großartigen Erſcheinungen, als da ſind Raketen, Feuerräder, romaniſche oder(im Zweifelsfall) roman⸗ tiſche Lichter, konnten wir natürlich bloß als von künftigen Weltbegeben⸗ heiten träumen, die in der Entwicklung der Dinge zur beſtimmten Zeit eintreten mußten, ohne unſer geringes Zuthun in Anſpruch zu nehmen; ſelbſt Schwärmer und Fröſche blieben paſſender den eigentlichen Herbſttagen vorbehalten, in welchen die Taſchengelder reichlicher floſſen; und ſo konnten wir denn nur nach dem beſcheidenſten Maßſtabe und im engſten Rahmen wirken. Gleichwohl hatten wir dieſes Spätjahr bereits mehr Pulver ver⸗ pufft, als wir, alle und jeder, zu erfinden Manns geweſen wären. Unge⸗ mein befriedigend war das letzte Feuerwerk ausgefallen, vorzüglich dadurch, daß mein trefflicher Dicker dabei, nicht zu ſeinem Beneſice, aber deſto mehr zur Beluſtigung ſeiner Kameraden, eine kleine Tragikomödie geſpielt hatte. Er war ein Sohn des Mißgeſchickes. Wenn wir ein Weſpenneſt belagerten und die wüthende Beſatzung einen Ausfall machte, ſo konnte man mit Sicherheit darauf rechnen, daß alle unverwundet durchkamen bis auf ihn allein, den wir einſt kaum von ſeinen Verfolgern zu befreien ver⸗ mochten, weil ſte den verwünſchten Einfall gehabt hatten, ihm den Rücken hinabzuſchlüpfen und ſein weiches Fleiſch incognito zu zerſtechen. Diesmal verdankte er ſeinen Unfall dem Ehrgeize, der ihn verleitet hatte, einen Feuerteufel ohne Hülfe des Zunders durch bloßes Funkenſchlagen zu ent⸗ zünden. Es iſt das juſt keine Hexerei, nur muß man darauf bedacht ſein, den Stahl, während man mit dem Stein über ihn hinſtreicht, ſo ſchief als möglich gegen das Pulver zu halten. Er aber nahm in ſeinem Feuereifer eine immer ſenkrechtere Haltung an, und nun war auf einmal der flam⸗