Von Hermann Kurz. 471
um ſo mehr zogen ſie mich an. Seit längerer oder kürzerer Zeit„ver⸗ lauffene“ Geſchichten von Teufelsbündniſſen kamen in Menge vor. Luther ſelbſt trat oft in dem Buch erzählend auf; er erzählte von einer Menge ſeiner Zeitgenoſſen, die nach ſeiner Verſicherung mit dem Teufel paktirt hatten und von ihm zuletzt betrogen worden oder dieſes Lohnes noch gewärtig waren, ja er erzählte von ſeinen eigenen Kämpfen mit dem hölliſchen Feinde, von dem er häufig angefochten worden zu ſein berichtete. Auf jedem Blatte des Buches ging der brüllende Löwe um, und beſonders wenn Luther ſprach, glaubte man ihn ſozuſagen vor der Thüre knurren zu hören, und Luther führte dann mit erhöhter Betonung beziehungsvolle Reden, die ſich der ſchwarze Lauſcher zu Ohren und zu Herzen nehmen ſollte. Auch gab er zu deſſen Demüthigung und Vertreibung ein höchſt eigenthümliches Mittel an, das er jedoch ganz probat nannte, ein Mittel von ſo außer⸗ ordentlicher Beſchaffenheit, daß man Bedenken tragen muß, etwas davon verlauten zu laſſen.
Mächtig feſſelte mich unter dieſen„verlaufenen wahrhaftigen Hiſto⸗ rien“ eine Geſchichte von zwei Edelleuten, die einander ſpinnenfeind waren, und deren einer Nachts im Bett erſtochen wurde, während der andere, deſſen Schwert die blutige Farbe des Mordes trug, nach der Ausſage glaubhafter Zeugen die ganze Nacht nicht aus ſeiner Kammer gekommen war. Das Urtheil war bald gefunden. Wer ſonſt konnte die That be⸗ gangen haben, als der Teufel, der die mordgierige Geſinnung des Ueber⸗ lebenden kannte? Hiefür wurde dieſem das Todesurtheil zuerkannt, die Strafe aber dahin gemildert, daß die Erde ſeines Schattens hinter ihm weggeſtochen und er ſelbſt zum bürgerlichen Tode, das heißt zur Landesver⸗ weiſung verurtheilt wurde.
So weit hatte ich mit ſchauernder Verwunderung geleſen, als mein Schulkamerad, der„Dicke,“ bei mir eintrat, mich mit der Mahnung unter⸗ brechend, daß es jetzt Zeit zum Feuerwerke ſei. Hierüber gerieth ich in be⸗ beträchtliche Verlegenheit, und unwillkürlich mußte ich den Namen des Verſuchers murmeln, von welchem unſere Alten lehrten, daß er mit ſeinen liſtigen Anläufen den Sterblichen nachſtelle. Der Streich aber, eden ich dieſem ſchuld gab, war folgender.
Der Kartoffelherbſt hatte begonnen und die Weinleſe mit den Ferien ſtand vor der Thüre. Dies war eine beſonders feſtliche Zeit für die edle Jugend, welche in jeder freien oder erſtohlenen Stunde die bevorſtehende


