Jahrgang 
4 (1855)
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464 Schleswig⸗Holſtein'ſche Bauern.

konnten, und ſehr charakteriſtiſch klang es, wenn ich zu verſchiedenen Malen den(wahrſcheinlich ſprichwörtlich gewordenen) Ausdruck hörte:So'nen erbärmlichen Kopenhagener kann Eins'ne ganze Stunde auf den Kopf ſtellen und ſchütteln, es fällt ihm kein verdammter Schilling aus der Taſche. Eine ſolche Anſicht mag Tadel verdienen, weil ſie, ſo allgemein hingeſtellt, eine Ueberſchätzung des Feindes involvirt. Man wird ſie aber entſchuldigen, wenn man weiß, daß ſelbſt Dänen eingeſtehen, man habe hierher nur den Snavs, d. h. den Auskehricht der Kopenhagener Candidaten als Beamte geſchickt, und wenn man erfährt, daß dieſer Snavs ſein Amt durchgehends alsLevebrod, d. h. als bloße Verſorgung betrachtet. Dasklingt wie Uebertrei⸗ bung. Man hüte ſich aber, es dafür anzuſehen. Jeder Schleswiger wird ſofort erklären, daß es himmelſchreiende Wahrheit und nichts als die Wahrheit iſt.

Schließlich iſt es, wie ſchon in einem frühern Artikel erwähnt wurde, als ein übler Charakterzug des Anglers hervorgehoben worden, daß er nie⸗ mals gerade auf das Ziel losſteuere, ſondern krumme Wege liebe. Auch darin mag etwas Wahres liegen. Nicht ſo leicht wird einem Bauer dieſes Ländchens nachgeſagt werden können, er ſei irgendwo mit der Thür in's Haus gefallen. Er liebt es, als Grenzbewohner, der auf der Hut ſein muß, und dem ſeine hohen Knicks die Ausſicht auf das vor ihm liegende Terrain verſperren, zu recognosciren. Er iſt vorſtchtig, weil er Urſache dazu hat. Gern horcht er erſt aus, was der Andere meint, ehe er mit ſeiner Anſicht herausrückt. Wer wollte es ihm verdenken, namentlich jetzt, wo das Land von Spionen wimmelt, wo ſelbſt Paſtoren und Amtleute ſich in den klein⸗ lichſten Dingen zu Spähern und Verräthern hergeben?

Möglich, daß dieſer Hang ſchon früher vorhanden war und daß er ſich auch in Angelegenheiten äußerte, wo keine Gefahr drohte. Es wurden mir Beiſpiele erzählt, wo ein Angler zu einem Gutsherrn kam, um ihm ein Stück Land abzukaufen oder nach dem Haferpreiſe zu fragen, oder ſonſt ein beliebiges Anliegen vorzubringen, und erſt eine volle Viertelſtunde von allen erdenklichen andern Gegenſtänden, vom Wetter, vom Stande der Ernte, von den Getreidepreiſen zu ſeines Großvaters Zeiten, von Milchkühen und ihren Kälbern u. ſ. w. redete, bis er endlich die Gelegenheit erſah, durch noch ein halbes Dutzend Hinterthüren, von denen immer eine dem Zwecke ſeines Be⸗ ſuchs näher lag als die andere, auf ſeines Herzens Begehren zu kommen. Es iſt das eine Unart, kein eigentlicher Fehler. Den Grad, wo er wirklich zum Fehler wird, hat dieſer Hang erſt durch die jetzige Wirthſchaft der Dänen erreicht, welche auch nach andern Beziehungen hin alle Sittlichkeit untergräbt.

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