Jahrgang 
3 (1855)
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Von Hermann Emmerich.

var verdächtig vor, und ich beſchloß genaue Beobachtungen anzuſtellen. Zuerſt urch fiel mir auf, daß die Sterbenden die Augen geſchloſſen hielten, da ſich doch eine ſonſt bei eintretendem Tode das Gegentheil zeigt. Ferner entging mir nicht, heit daß ſie nach langen Pauſen Athem holten und dann gleich wieder athemlos da lagen. Es befremdete mich, daß ich nie den Mann einer ſo ſchwer 2 Kranken ſah. Auf meine Nachfrage hieß es, daß gerade der Mann an dem em traurigen Schickſal des Weibes ſchuld ſei, weil er ſie ſo ſtark auf den Kopf 3 und auf den ganzen Leib geſchlagen habe. Aber ich fand nie eine Spur von Verletzung. Da verſuchte ich, ob ich auch wohl den Athem ſo lange ein⸗ er⸗ halten könne, und ich konnte es. Nun hatte ich Probe genug, daß die Weiber uke ſich nur verſtellten, gab ihnen eine Prieſe Spaniol in die Naſe, ſie mußten nieſen und waren geheilt. Ich ließ es an Reden nicht fehlen, aus welchen ſie merkten, ich hätte ihre Künſte erkannt, und wurde in Zukunft nicht mehr durch ſolche ſchnell erfolgte Todeskrankheiten beunruhigt. Durch jenes Be⸗ tragen wollen die Weiber ihre Männer zwingen, ihnen zu folgen, und ſich überzeugen, ob es den Männern leid wäre, wenn die Frau ſtürbe!

Viel Herzeleid verurſachen ihm die Zauberer, welche auch als Aerzte auftreten und alle Krankheiten durch Saugen heilen wollen. Dem Pater ſelbſt wollen ſie Kopfſchmerzen vertreiben. Sie verfolgen einander aus Brodneid, grade ſo wie ihre mediciniſchen Kollegen in Europa. Als Pauke ſeine Pfarrkinder vor ihnen warnt, votten dieſe Zauberer ſich zu⸗ ſammen und dringen mit Gewalt in die Häuſer, um zu nehmen, was ihnen anſteht. Da hält er eine donnernde Predigt, läßt die Zauberer, Männer wie alte Weiber, in ſeinen Hof kommen, und bringt ſie in Gegenwart der Gemeinde dahin, ihre Betrügereien und Täuſchungen laut und offen ein⸗ zugeſtehen.

e Unabläſſig hatte der Deutſche unter den Wilden ſich bemüht, aus dieſen letzteren gute Muſiker zu bilden. Es war ihm in ſo hohem Grade gelungen, das ſein Ordensprovinzial ihn nebſt ſeiner Kapelle nach Buenos Ayres beſchied. Mit zwanzig Muſikern ging er dorthin; der hohe Adel war be⸗ gierig, mokobiſche Tonkünſtler zu hören, die aus einer hundert ſpaniſche Meilen entfernten Einöde kamen. Nach einer Reiſe von dreizehn Tagen i langte Pauke an. Alle Welt war erſtaunt über die Anhänglichkeit ſeiner Indianer. Ging er aus, ſo waren ſte alle hinter ihm her, machte er in em, irgend einem Hauſe Beſuch, ſo warteten ſie an der Thür; nie mochten ſie 1 ohne ihn in den Straßen umhergehen. Am St. Ignatiusfeſte war die große