Jahrgang 
1 (1855)
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Schilderungen aus Spanien.

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meiner genauen Bekannten, Don Alonſo de Santa Cruz, der ſich um ein Billiges das Vergnügen machen wird, Sie mitzunehmen.

Wir gingen auf die Straße und ſahen in einiger Entfernung einen zweirädrigen Karren, hoch beladen und mit vier Maulthieren beſpannt, eines vor das andere. Das war die vortreffliche Fahrgelegenheit. Daneben ſtand ein alter Kerl, unraſirt, ziemlich ſchmierig angezogen, mit einer ſehr geflickten Capa, die er maleriſch über die Schulter geworfen hatte, und einem ſpitzen Hut voller Löcher, den er keck auf dem rechten Ohre trug Don Alonſo de Santa Cruz. Hätte man nicht recht gehabt, ſich unter ſol⸗ chem Namen einen Granden erſter Klaſſe vorzuſtellen, der zufällig in einer mit ſechs Pferden beſpannten Equipage vorbeikäme und ſich ein Vergnügen daraus machte, ein paar fremde und ermüdete Cavalieros aufzuladen? Wir traten alſo zu Don Alonſo, um ſeine billigen Fahrbedingungen zu verneh⸗ men. Er ſah uns ziemlich hochmüthig an und meinte, zwei Duros ſei nicht zu viel, zwei Duros, über fünf Gulden für einen Weg von nicht ganz vier Stunden auf einem ſchwerbeladenen, ſtoßenden Karren. Ich fragte ihn lächelnd, er meine wohl zwei Duros für jeden.Natürlicher Weiſe, war die Antwort, die ſehr würdevoll gegeben wurde. Jetzt brachen wir aber in ein ſo gewaltiges Lachen aus, daß der Kellner davon angeſteckt wurde, und in welches ſogar Don Alonſo ſelbſt, nachdem er uns einen Augenblick recht ſauer angeſchaut, herzlich mit einſtimmte. Um mit ihm in's Reine zu kommen, boten wir ihm einen halben Duros für uns und unſer Gepäck, was er denn auch nach einigem Widerſtreben einging. Unſere Nachtſäcke, Mäntel und Waffen luden wir auf die Galera, zogen es aber vor, noch eine Strecke zu Fuß zu gehen, da die Chauſſee breit und eben, das Wetter warm und an⸗ genehm war.

So zogen wir denn abermals dahin, diesmal als harmloſe Fußreiſende, und wenn uns auch Don Alonſo zum Oeftern einlud, den Karren zu be⸗ ſteigen, ſo hatten wir doch keine Luſt dazu, da wir ſahen, wie er in den Geleiſen hin und her geſtoßen wurde. Die breite Chauſſee führte faſt eben durch ein ſchönes, wohlangebautes Land voll gut bearbeiteter Felder und Oli⸗ venpflanzungen, zwiſchen welchen hie und da ſpitzige Kirchthürme hervor⸗ ſchauten. Daß wir dem Süden näher gerückt waren, bemerkten wir auch an einzelnen Aloés, die hin und wider an den Rändern des Weges emporwuchſen. Zum Schutz der großen Straße von Madrid nach Sevilla gegen Räuber ſind jedesmal in einem Zwiſchenraum von zwei bis drei Leguas, gewöhnlich