Jahrgang 
1 (1855)
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456 Schilderungen aus Spanien.

hindurch wir einen ſchmalen Streifen des grünen Thales erblickten. Von den dunkelgrauen Felſen eingerahmt erſchien die im hellſten Sonnenlichte wie ein glänzender Lichtſtreifen, leuchtend und ſtrahlend, während unten in der Schlucht und hier oben in dem Paſſe ſelbſt die tiefen Schatten wahrhaft maleriſch wechſelten mit dem glühenden Lichte der Morgenſonne, des rings um uns her die höchſten Felsſpitzen vergoldete.

Wir hätten hier ſtundenlang verweilen können, namentlich Maler Horſchelt bedauerte es ſehr, daß ihm die Zeit mangelte, eine Farbenſkizze aufzunehmen, doch wollte ſich Filippo auf unſeren Vorſchlag, hier einen Ruhepunkt zu machen, durchaus nicht einlaſſen, ſondern fuhr bei dieſer Zumuthung höchſt verdrießlich auf ſeinem Maulthier hin und her und meinte, das ſei ein undankbares Unternehmen, hier auf dieſem verrufenen Platze anhalten zu wollen; er ſeines Theils habe nicht die geringſte Luſt dazu. So zogen wir denn noch eine kleine Strecke auf ebenem Wege fort, bevor wir an den Bergabhang kamen, und erlebten auf demverrufenen Platze ein ganz eigenthümliches Abenteuer. Wir ritten in einem ſchmalen und tiefen Hohlwege, und als wir an die Schlucht gelangten, ſahen wir mit einemmale, daß uns andere Reiſende entgegenkamen, und zwar, was das Auffallendſte war, nicht zu Pferd oder Maulthier, ſondern auf großen zweiräd⸗ rigen Karren, deren jeder von mehreren Maulthieren gezogen wurde und ſich langſam und mühſam heraufbewegte, ſo daß die hölzernen Fuhrwerke zwi⸗ ſchen den Steinen bedenklich krachten und Räder und Aren ächzten. Die Karavane beſtand aus vier Wagen, die hinteren mit Ballen und Kiſten beladen, während auf dem erſten ein wohlgekleideter Mann ſaß im langen Ueberrock, den runden Hut auf dem Kopfe, auf dem Schooße eine doppel⸗ läufige Flinte; hinter ihm auf einem Strohſacke befanden ſich zwei Frauen⸗ zimmer und ein paar kleine Kinder. Das alles ſtieg ſo plötzlich vor uns aus der Tiefe auf, daß wir im erſten Augenblick überraſcht anhielten, im zweiten aber um uns her ſchauten, um in dem engen Hohlwege eine Mög⸗ lichkeit des Ausweichens zu entdecken. Die war durchaus nicht vorhanden, und ſchon wollte ich mein Pferd herumwerfen, um wieder zurückzureiten, als Filippo mit einem lauten Ausrufe des Aergers ſein Maulthier gegen die ziemlich ſteile Wand des Hohlweges trieb und es zwang, in ein paar tüchtigen Sätzen hinaufzuſpringen. Horſchelt folgte ihm, indem er ſeinem Pferd einen tüchtigen Hieb mit der Reitpeitſche gab, und ich machte es ebenſo. Doch da ich ſah, daß das Gewehr des Malers bei dem Satze auf⸗