Heft 
(1859) 5 05
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verſitätsbibliothek und Dambel's Aeſthetik herausgegeben, und war Redakteur der Prager ZeitſchriftKratos. Sein älteſter Sohn iſt der k. k. Miniſterialkonzipiſt Dr. Eduard Hanslik, als geiſtreicher Aeſthetiker und Kritiker, namentlich im Gebiete der Muſik bekannt.

Frau Eliſabetb v. Arnim(gewöhnlich Bet⸗ tina genannt) iſt am 20. v. M. zu Berlin geſtorben. Sie war die Enkelin von Sophie La Roche und Schweſter des Dichters Klemens Brentano. Sie iſt 1785 zu Frankfurt a. M. geboren. Ihre Erziehung Gum Theil in einem Kloſter) und ihre Beziehungen zu dem bekannten Fräulein von Günderode, ein lebhafter Naturſinn und dazu eine tief poetiſche Anlage, trieben ſie zu manchem, dem nüchternen Auge ſehr excentriſch erſcheinenden Gebahren. Am meiſten ſpiegelt ſich dieſe Richtung in demBrieſwechſel Goethes mit einem Kinde ab, der ihre Schwächen und auch ihre edlen Anlagen in reichem Maße zur Schau trägt. Die ſozial⸗ politiſchen Erſcheinungen der letzten Jahre brachten ihren beweglichen Geiſt in eine neue Richtung, und mit dem ihr eigenen Feuereifer und der hingebenden Gemüths⸗ innigkeit machte ſie ſich zum Anwalt der vom Elend heimgeſuchten Klaſſen. Sie ſuchte dieſes ſchöne Ziel nicht blos durch werkthätiges Eingreifen zu erreichen, ſondern beſtrebte ſich auch, die Quellen jenes Uebels durch ſchriftſtelleriſche Thätigkeit aufzudecken und zu bekäm⸗ pfen. Die Zeugen hiefür ſind:Dieß Buch gehört dem Könige undJulius Pamphilius und die Ambroſia. Vermält war ſie mit dem bekannten Dichter Achim v. Arnim.

Gerichtsfälle.

Aus Rozſa Sandors Leben, deſſen Prozeß bekanntlich in wenigen Wochen zur Verhandlung kommt, theilt dieP. O. 3 einige Umſtände mit. Ungefähr im Jahre 1810 geboren waren Rozſas Eltern nicht un⸗ bemittelte Bauersleute auf einer nach Szegedin gehöri⸗ gen Tanya. Seine Mutter ſtand im Ruſe einer from⸗ men, tugendhaften Frau, die vielleicht zu ſeinem Un⸗ glück früh verſtarb. Sein Vater, ein ſehr ſtrenger Mann, hielt den jungen Sandor zum fleißigen Schulbeſuche an und gab ihn deßhalb in die Stadt zu Verwandten, die ſich jedoch wenig um den wilden Studenten kümmerten. Sandor trieb ſich, ſtatt in die Schule zu gehen, oft 2 lis 3 Tage, ſpäter ſogar wochenlang auf Pußten herum, wo er bei Bekannten und Freunden einſprach, manchmal auch in Gemeinſchaft mit bekannten Dieben einen Pferde⸗ oder Schaſdiebſtahl vollführte, worauf dann aus dem Erlös der geraubten Thiere in irgend einer Cſarda tagelang gezecht wurde. Das war die Schule des nachmaligen Räuberhäuptlings. Bald zeich⸗ nete ſich Rozſa Sandor durch außerordentliche Fertig⸗ keit im Reiten, Schwimmen, überhaupt in allen Kör⸗ perübungen, wie durch eine ungewöhnliche Geiſtesſchärfe ſo aus, daß er von ſeinen Genoſſen ſtillſchweigend als Haupt anerkannt wurde. Er organiſirte nun aus ent⸗ laufenen Viehhütern und andern vagabundirenden In⸗ dividuen eine große Diebsbande, die durch mehrere Jahre ihren Lebensunterhalt vom Viehdiebſtable im Gebiete des Alföld ſuchte. Bald erfüllte Rozſa Sandors Name einen großen Theil Ungarns, wie einſt jener Sobri's, mit Schrecken und Entſetzen. Umſonſt hatten die Komi⸗ tats⸗ und Stadtbehörden ihre Perſekutors und Traban⸗ ten gegen die Bande und ihren Anführer zu wiederhol⸗ ten Malen aufgeboten, und wenn auch einzelne Raubge⸗ noſſen ergriffen wurden, Rozſa ſelbſt entging jedesmal. Er war überall und nirgends, und heute wurde ein Raub auf der Hortobagy und morgen in dem Hotter von Thereſiopel vollführt. Nichtsdeſtoweniger gerieth er öfters in die Enge, aus der er ſich dann durch Geiſtes⸗ gegenwart, Verwegenheit und ſeine Lokalkenntniß rettete⸗

Feuilleton.

milie zu ernähren im Stande ſein.

1⁵ Man erzählt, daß er einſt in einem Stalle, als er ſein Pferd gewohnterweiſe pflegte, von 12 Trabanten über⸗ raſcht wurde, welche die Tanya, ſein Verſteck, umſtellten und das Dach in Brand ſteckten. Rozſa war mit einem Kameraden im Stalle, als der Rauch zu ihnen drang. Raſch beſtiegen beide ihre Pferde, öffneten das Thor, vor dem die Panduren ihrer harrten, und voraus ſprengte Roſza's Spießgeſelle, den die Wächter für den Häupt⸗ ling hielten und ihm nachſetzten. Gebückt und geſchützt durch den Hals des ſchnellen Roſſes, ſprengte nun Rozſa Sandor mit gezücktem Piſtol aus dem Hofe, und ent⸗ kam den Panduren, die den andern Räuber, ihn für Rozſa haltend, weithin verfolgten. Ein anderes Mal entdeckt man Rozſas Schlupfwinkel in einem Rohr⸗ felde, und umzingelt dasſelbe; nur in die Theiß ſteht ihm der Weg offen. Bereits brennt das Rohr, und der dicke Rauch droht ihn zu erſticken, da ſtürzt ſich der Räuber vor den Augen ſeiner Verfolger in die Fluthen des Fluſſes und erreicht unverſehrt das jenſeitige Ufer.

Bei dem Kreisgericht zu Leitmeritz in Böhmen fand am 19. v. M. eine Schlußverhandlung gegen eine Häuslerstochter Statt, welche ihr uneheliches Kind un⸗ gefähr acht bis neun Stunden nach der Geburt dadurch getödtet hatte, daß es ihm, um es zu erſticken, einen Baumwollenlappen in den Hals ſteckte. Die Staatsan⸗ waltſchaft plaidirte für gemeinen Mord, weil das Kind erſt einige Stunden nach der Geburt, alſo nichtbei der Geburt getödtet worden ſei. Der Vertheidiger Hr. Dr. Weber ſuchte dagegen die That als Kindesmord hinzu⸗ ſtellen, weil das Geſetz nicht ſagewährend der Geburt, alſo der Ausdruckbei der Geburt immerhin noch eine Zeit nach der Geburt in ſich ſchließe. Der Gerichts⸗ hof erkannte auf Kindesmord und verurtheilte die An⸗ geklagte zu ſechsjähriger ſchwerer Kerkerſtrafe.

Am 18. v. M. fand bei dem Kreisgerichte Tabor (Böhmen) die Schlußverhandlung gegen einen Meuchel⸗ mörder Statt. Der Angeklagte Mathias Joſef K., 27 Jahre alt, der Sohn armer Eltern, in der Erziehung ganz vernachläſſigt, wurde mit Anfang des Monats Februar 1858 zu Radinow in eine Mühle als Knecht in den Dienſt aufgenommen, wo gleichzeitig die Magd Maria Janauſchek im Dienſte ſtand. K. verliebte ſich in ſie, doch wollte dieſelbe dieſe Neigung nicht erwiedern, weil ſie bereits einen Liebhaber hatte. Da die Ehefrau des dortigen Mühlenbeſitzers wahrſcheinlich verhindern wollte, daß das Mädchen ihrem Geliebten untreu werde, ſo entſpann ſich eines Tages zwiſchen der Müllerin und ihrem Dienſtmädchen ein Zwiegeſpräch, wobei die Erſtere der Andern den wohlgemeinten Rath ertheilte, von ihrem Geliebten nicht abzulaſſen, derſelbe ſei als brav bekannt und Profeſſioniſt, der Knecht K. aber ganz arm und kein Handwerker, jener werde eher als dieſer eine Fa⸗ Dieſem Zwiegeſpräch hatte K. unbemerkt zugehört, und von dieſem Augenblicke an wuchs mit jedem Tage die Eiferſucht gegen den ihm unbekannten Geliebten des Mädchens, und das quälende Gefühl der Mißgunſt brachte ihn wahrſcheinlich auf den Gedanken das Mädchen umzubringen. Am 28. Auguſt v. J. wurde dieſer Mordplan ausgeführt. K. lockte das unglückliche Opfer zu einem Teiche, unter dem Vor⸗ wande, daß dort auf einem Steine oder Stocke Geld liege, welches aber der Böſewicht ſelbſt hingelegt hatte. Das argloſe Mädchen folgte der Aufforderung und in dem Augenblicke, wo es das Geld, welches in Kupfer⸗ münzen beſtand, nehmen wollte, ſtieß ſie K. mit aller Gewalt in den Teich nahe bei einer Mühlſchleuße, und als die Arme wieder oberhalb des Waſſerſpiegels zum Vorſchein kam, drückte ſie der Elende wieder in das Waſſer und hielt ſie ſo lange unter demſelben feſt bis ſie ihren Geiſt aufgab. Der Gerichtshof ſprach Math. Joſ. K. des Verbrechens des Meuchelmordes ſchuldig und verurtheilte ihn zum Tode.