Heft 
(1859) 4 04
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2. und

ſich vor dem Jahre 201! nicht wieder ereignen wird. Seit Einführung des gregorianiſchen Kalenders war dieß bisher nur der Fall in den Jahren 1639, 1707 und 1791. Die Oſtergrenze geht vom 22. März(früheſtes) bis zum 25. April(ſpäteſtes Datum), ſo daß überhaupt 35 Kalenderformen möglich ſind. In dieſem Jahrhun⸗ dert wird der Faſching nur im Jahre 1886 länger ſein (um einen Tag) als der heurige, weil das Oſterfeſt dann auf den 25. April fällt. Nach einer alten Weiſ⸗ ſagung im aufgeklärten Frankreich iſt das Jahr, in wel⸗ chem das Oſterfeſt auf den 24. April fällt, ein beſonde⸗ res Unglücksjahr, wie eine zirkulirende franzöſiſche Lied⸗ ſtrophe noch heut zu Tage beſagt.

Der Rath des öffentlichen Nutzens zu Konſtan⸗ tinopel hat die Errichtung von Schulen für türkiſche Mädchen beſchloſſen. Man wird ſie leſen, ſchreiben und weibliche Arbeiten lehren.

Inſerte. Seit längerer Zeit erſchienen in den Pa⸗ riſer Blättern Inſerate, welche Auſſehen und Nachden⸗ ken erregten, z. B.:ein Herzog, vier und ſiebenzig Jahre alt und im geregelten Beſitze ſeiner Adelsdiplome, wünſcht den jungen Sohn einer reichen Bürgerfamilie zu adoptiren, oderſehr wohlfeil zedirt man zehn rechtsgiltige Schuldforderungen an hochgeſtellte Perſo⸗ nen, oderman wünſcht ein reiches Mädchen, welches mit der hinfallenden Krankheit behaftet iſt, an einen jungen Arzt in Paris zu verheiraten. Man weiß jetzt, wer und was hinter dieſen Inſeraten ſteht: Ein noch nicht alter Herr, welchen ein Gichtleiden am Ausgehen verhindert, ſucht ſich die Zeit zu vertreiben, indem er durch ſolche Miſtifikationen eine ausgebreitete Korreſpon⸗

adenz mit Perſonen und Familien anknüpft, welche ſich den größten Lächerlichkeiten oder den ſchmutzigſten Lei⸗ denſchaften überlieſern. Die Zuſchriften, die poste re- stante unter verſchiedenen Inizialen maſſenhaft an ihn elangten, ſollen in Wirklichkeit an Verderbtheit, Feig⸗ heit, feiler Habgier und Verrath alle erfundenen Aus⸗ geburten der franzöſiſchen Romanliteratur überbieten. Ein Romanſchreiber hat für dieſe Korreſpondenz, die er alsStudien nach der Natur auszubeuten gedenkt, eine nicht unbedentende Geldſumme angeboten. Unter vielen Zuſchriften ſtehen geachtete Namen, welche die Welt mit Erſtaunen und Entſetzen vernehmen würde. Auf dieſen Umſtand ſpekulirte ein Geſchäftsagent, der für die Korreſpondenz 10.000 Fr. anbot. Die Sicher⸗ heitsbehörde legte ſich jedoch in's Mittel. Sie ließ alle kompromittirenden Briefe wegnehmen und amtlich ver⸗ brennen.

Verfall großer Familien. Eine Herzogin von St. Simon verdient ſich ihren Unterhalt als Aufwär⸗ terin in Belleville bei Paris. Der Erbe des letzten Dogen von Venedig treibt das Geſchäft eines Parfu⸗ meurs in St. Denis und verwahrt das koſtbare Erb⸗ ſtück ſeiner Familie, die goldenen Schlüſſel von Vene⸗ dig, in ſeinem Wohnzimmer unter einer gläſernen Glocke. Eine Großtochter der Herzogin von Sanu Saverino arbeitet in einem Putzgeſchäft in Paris, und die einzige Tochter der ſchönen Aiſſe, um deren Hand ſich der Prinz de Conti beworben, lebt als Nähterin in Chaillot.

Der ruſſiſche Fürſt Dolgoruki begründet in Oberſchleſien eine Ackerbaukolonie, die einem Theil ſeiner Leibeigenen als landwirthſchaftliche Bildungs⸗ ſchule zu dienen beſtimmt iſt. Diejenigen, welche davon Gebrauch machen, erhalten die Freiheit und den Beſitz von Grundeigenthum.

Für Haus und Hof.

Bewahrung des Kaffeearo mas. Der zu⸗ ete Kaffee, wenn er lange ſteht, verliert ſein Aroma;

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um dieſen Verluſt zu vermeiden, fügt man auf 50 Pf. Kaffee ſofort nach dem Brennen 1 ½ Pf. Melis oder Kandiszucker hinzu. Dieſer umgibt im Augenblick den Kaffee und ſaugt das Aroma in ſich hinein. Dieſem Kunſtgriff hat mancher Materialiſt ſeinen Ruf von gu⸗ tem Kaffee zu verdanken, und nicht der Vorzüglichkeit der Sorte oder der Bohne. Wenn man ſich ſelbſt ſeinen Kaffee brennt, kann man ihn um ſo ſicherer mit ge⸗ ſtoßenem Zucker beſtreuen und des Erfolges gewiß ſein.

Wann iſt die zum Fällen der Bäume geeignetſte Zeit? Da beim Holze Alles auf Dauer⸗ haftigkeit und Feſtigkeit ankommt, hat man in neuerer Zeit umfaſſende Verſuche angeſtellt, in welcher Zeit die Bäume gefällt werden müſſen, um ein feſtes und dauer⸗ haftes Holz zu geben, und es wurde gefunden, daß der Monat Dezember das in allen Beziehungen beſte Holz liefert. Die Urſache iſt, weil die Saftkanäle der Bäume in demſelben am geſchloſſenſten ſind und dadurch das Holz vor der äußern Einwirkung am geſchützteſten iſt. Während Holz, welches in Monaten, wo die Saftka⸗ näle noch ganz offen ſind oder ſich ſchon mehr zu öffnen anfangen, geſchlagen iſt, leichter(und zwar um ſo mehr, als die Schlagzeit ſich der wärmeren Witterung nä⸗ hert) vom Waſſer und den Einflüſſen der Luft leidet, nimmt das im Dezember geſchlagene Holz nur ſehr ſchwer Waſſer an und iſt der Fäulniß nicht im glei⸗ chen Maße unterworfen. Auch die Heizkraft ſowie die Feſtigkeit iſt im Dezemberholze entſchieden größer als in anderem.

Wer viele Hühner hat, und von denſelben be⸗ trächtlichen Nutzen ziehen will, der laſſe ſie nur recht fleißig Eier legen! Aber wie? Auf eine ſehr ein⸗ fache, leichte, billige und ſichere Art. Man füttert die Hühner mit gekochtem und gut ausgekühltem Hafer, auch der Neſſelſamen befördert das Legen ſehr, wenn derſelbe reif geſammelt, getrocknet und gereinigt wird, und man damit, beſonders in den kalten Wintertagen, die Hühner füttert, dadurch erzweckt man, daß ſie anſtatt jeden dritten Tag, alle Tage ein Ei legen. Noch größeren Nutzen ſchöpft man, wenn man Fruchtkleie, Flachsſamenſpreu und Eichelmehl gleichtheilig vermengt, ſiedendes Waſſer dar⸗ auf gießt, und dann abgekühlt dieſe Maſſe den Hühnern vorlegt; man gewinnt dadurch nicht nur, daß dieſelben täglich legen, ſondern auch, daß die meiſten, und bei⸗ nahe alle Eier zwei Dotter haben. Die Eier können ſehr lange und gut erhalten werden, wenn man ſie in einen Verſchlag zwiſchen Heu und Spreu einpackt, man legt unten eine Lage vermengtes Heu und Spreu, dann eine Reihe Eier, darauf wieder Heu und Spreu, und wieder eine Reihe Eier, bis der Verſchlag voll iſt; ſo hat man ſie oft ein ganzes Jahr hindurch aufbewahrt und friſch erhalten; der Verſchlag muß auf trockenem Orte gehalten und jeden Monat wenigſtens zweimal um⸗ gekehrt werden.

Unterhaltendes.

Der Sand voriges Jahr nicht gerathen. Dieſer Tage kam in Graz eine Sandverkäuferin zu einer Frau, welche ihr ſchon mehrmals Sand abgekauft hatte, und bot ihr ſolchen an, jedoch bedeutend theurer als ſonſt. Die Frau wies deßhalb den Ankauf zurück.Ja, mein Gott, erwiederte die Händlerin,dieſer hohe Preis darf Sie nicht wundern, denn der Sand iſt vo⸗ riges Jahr gar nicht gerathen!

Die große Seeſchlange taucht wieder einmal auf. Ein Schiffskapitän hat folgendes Schreiben an Aſtonbl. gerichtet, deſſen Inhalt geeignet ſein möchte, eine Erklärung der angeblich öfter geſehenen großen Seeſchlange zu geben:Wir befanden uns am 27. Au⸗

guſt im atlantiſchen Ocean unter 45⁰ 30 nördlicher