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Wie du vor'm Kirchenpfoͤrtlein bebeſt, Wann draus der Altar, offen, blickt; Und dann dich freudiger erhebeſt, Als haͤtt' ein Segen dich begluͤckt.
Die Wunder, die uns Gott beſchieden, Sie ruh'n noch in der Jungfrau Hanb; Sie giebt dem Friedeloſen Frieden; Dem Kalten reinen Seelenbrand. Sie giebt dem Helden ihr Geleite, Das ihm des Kampfes Wunden kuͤhlt; Der Blinde ſteht an ihrer Seite, und glaubt, er ſaͤhe, weil er fuͤhlt!
Sie zieht, als lichtgebor'ne Saͤule, Dem Heer', ein Meteor, voran: Und bricht ſich durch der Krieger Zeile, Nur mit dem Blick verwundend, Bahn: Ob aufgegeben faſt die Trifften, Ob eingebuͤßt der Banner Hort: Sie ſchwingt den Guͤrtel in den Luͤften, Und ihre Stimm' iſt Gottes Wort!
Und wie ſie Loͤw' und Tiger meiſtert, Durch ihres Fingers ernſt Gebot:
So ſteht der Gierde Wuth entgeiſtert, Und Suͤnderwangen werden roth.
Der iſt verdammt zur boͤſen Frohne, Den ſie nicht fuͤhrt zum Tugendſchoos:
Ihr Liebesblick iſt eine Krone,
Ihr Strafblick iſt Verdammungs⸗Loos.
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Die Jungfrau ſteht am Lebensdome Als ungetruͤbtes Ideal;
Und wie die Sonn' im Gluthenſtrome: Fuͤr alle glaͤnzt ihr reiner Strahl;
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