Jahrgang 
1867
Seite
704
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Ich ſetzte mich ſtill ergeben nieder und rauchte meine Pfeife, bis eine andere der alten Hexen mit dem Ausrufe:Ae, harae te hanga te roa o te kai Meiner Treu, das dauert aber ſehr lange! dieſe appetitliche Operation wiederholte.

Es lag mir natürlich durchaus nichts daran, dies auch noch von der dritten alten Neuſeeländerin thun zu ſehen, und von der Wahr⸗ heit des Sprichworts:Viele Köche verderben den Brei überzeugt, kehrte ich wieder auf meinen Baumſtamm zurück und ſetzte mich ſo, daß ich der improviſirten Küche den Rücken kehrte, denn ich gedachte eines zweiten bewährten Sprichworts, welches ſagt:Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Als die Mahlzeit fertig war, ich meine Portion im Finſtern und ſo raſch ich konnte. Trotz dem, e ich von der Zubereitung geſehen, ſchmeckte ſie mir, wohl hauptſächlich wegen meines gewalkigen Hungers ganz vortrefflich und bekam mirauch ſehr gut.

Ich erkundigte mich, worin das Gemüſe beſtanden, welches man mir mit dem Fleiſch zugleich verabreichte und erfuhr von dem Häupt⸗ ling, den ich deshalb befragte, daß es aus verfaultem Mais bereitet worden.

Aus verfaultem Mais! wiederholte ich erſtaunt und empfand ſofort ein gelindes Bauchgrimmen.

Ja wohl; wie ſollen wir es anders machen? fuhr der Häupt⸗ ling fort.Wir haben keine Mühlen, um den Mais zu mahlen, und legen ihn daher in Waſſer, bis er anfängt zu faulen und zu riechen. Wir ſind daran gewöhnt und finden ihn dann delicat. Wir treiben es noch lange nicht ſo ſchlimm als ihr Weißen thut. Da neulich war ich drüben bei unſerm Friedensrichter und dieſer behielt mich zu Tiſche. Nachdem wir geſpeiſt kam noch etwas, was er Käſe nannte, auf den Tiſch. Es roch ganz fürchterlich und bewegten ſich ſogar kleine Thierchen darin umher, ſo daß mir ſchon vom bloßen Anſehen ganz ſchlecht zu Muthe ward, während doch der Friedens richter und die andern Weißen mit großer Begier davon aßen.

Ein Amerikaner M. Beckwah eröffnet nächſtens auf der Pariſer Ausſtellung einCafé⸗Reſtaurant, welches für das ſpeiſende Publikum ohne Zweifel von großer Anziehungskraft ſein dürfte.

M. Beckwah, deſſen Vermögen ſehr bedeutend iſt, hat ſeit lange die Paſſion, trotz der erforderlichen, unendlichen Mühen, über zwanzig Affen abzurichten, von denen er ſieben bis acht der vollendetſten nach Paris gebracht hat, um in der beabſichtigten Reſtauration Kellnerdienſte durch ſie verrichten zu laſſen.

Wir hatten Gelegenheit, einer Probe beizuwohnen und uns von dem wahrhaft komiſchen Eindrucke derſelben zu überzeugen.

Sobald ein Gaſt ins Local tritt, gruppiren ſich ſofort die Affen⸗ Kellner in glänzendem Coſtüme um ihn, nehmen ihm den Hut ab und überreichen, nachdem er Platz genommen, die Speiſekarte, die Serviette unter dem Arme, der Befehle harrend.

Nachdem die gewählten Speiſen mit einem Bleiſtifte, welcher an der Karte ſich befindet, unterſtrichen worden, verſchwindet der Kellner mit derſelben in die Küche, woher er bald mit dem erſten Gerichte in vorſichtigem Schritte zurückkehrt und den Teller mit höchſt komiſcher Ernſthaftigkeit vor dem Gaſte niederſetzt.

Dem ſchönen Geſchlechte gegenüber bewahren dieſe Burſchen die größte Aufmerkſamkeit, machen tauſend Grimaſſen, um liebenswürdig zu erſcheinen und vergeſſen vor allem nie, eine Fußbank hinzuſtellen.

Sobald ein Gaſt das übliche Klopfen hören läßt, ſtoßen unſere Gargons einen leichten Schrei aus und fliegen ſeinen Befehlen ent⸗ gegen, ebenſo hat man nach beendigtem Mahle nichts weiter nöthig, alsbill zu rufen, um die Rechnung ſchnell vor ſich gelegt zu er⸗ halten.

Die größte Schwierigkeit in der Dreſſur machte M. Beckwah das Deſſert; es iſt unberechenbar, was ſeine Kellner an Naſchwerk ihm verſchlungen, bis es ihm gelang, ihnen Reſpect einzuflößen, und bis zu dieſem Augenblicke bedarf es noch immer des ſcharfen Auges ihres Zuchtmeiſters, um ſie in Schranken zu halten.

Das M. Beckway'ſcheReſtaurant wird jedenfalls, ſchon ſeiner ſeltenen Erſcheinung wegen, einen großen Erfolg haben, und deſto mehr, da dieſe Affen⸗Kellner die Unterhaltung der Gäſte nicht be⸗ lauſchen können und, was nicht unweſentlich, in der liebenswürdigen Unkenntniß der Trinkgelder erzogen ſind..

Ein armer Dichter.

Der Abbe Peregrin, ein Sonderling und Schöngeiſt, übte ſein Talent in allen Dichtungsarten, Reden, Schauſpielen, Liedern, Cantaten, Hochzeitsgedichten, Grabſchriften, war aber trotz ſeines ſo vielſeitig ausgebildeten Talents ſehr arm, und er hatte ſich in dieſer Dürftig⸗ keit an die zurückſtoßendſte Unreinlichkeit gewöhnt. Eines Tages er⸗

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ſchien er in einem Caft, wo man ſich luſtig über ihn machte. Boiffh, ein Schriftſteller von Ruf, war unter den Spottenden. Er ſtand gerade im Begriff, ſich mit der Tochter einer Waſchfrau zu verhei⸗ rathen. Er machte dem Abbe Vorwüvfe über ſeine ſchmuzige Perrüke und ſeinen zerriſſenen Mantel. Die ganze Geſellſchaft lachte, Boiffy, wurde immer beißender und ſagte endlich:

Wenn ich Ihnen auch Alles verzeihe, Ihre zerriſſenen Bein⸗ kleider, Ihren durchlöcherten Mantel und Ihre alte Perrüke verzeihe, warum aber tragen Sie nicht wenigſtens weiße Wäſche?

Weil ich, entgegnete der Abbe,kein Wäſchermädchen gehei⸗ rathet habe.

Die Scene üänderie ſich, die Lacher ſchlugen ſich auf e Seite.

** Ein Engländer Sir John W... welcher im Hoͤtel⸗du⸗Louvre

logirt, ſieht auf den elhſäiſchen Feldern einen leeren Fiaker vorüber⸗

fahren; er ruft ihn an und erhält einbeſetzt zur Antwort.

Sir John begnügt ſich hiermit nicht, wiederholt vielmehr ſeinen Ruf und, als der Kutſcher beſtändig ſeinbeſetzt wiederholt, hält er ſich unbedingt für gefoppt. Sofort ſtürzt er ſich auf den Kutſcher,

überflutet ihn mit einem Hagel von Fauſtſchlägen und zertrümmert

die Wagenlaternen; einige Polizeiſoldaten ſpringen herbei, um dieſe Scene zu enden, als der Zufall mehrere andere Engländer herbei⸗ führt, welche ſich ohne Bedenken ſofort zur Seite ihres Landsmannes poſtiren und ein nachdrückliches Boxen mit den Soldaten beginnen.

Die wie überall ſchauluſtige Menge umringte im Augenblicke den Kampſplatz, welchen die Soldaten jedoch, trotz der reſpectablen Gegen⸗ wehr der Engländer, endlich behaupteten und die unwillkommenen Borxer zur Präfectur abführten.

Sie ſind im Zuchtpolizeigefängniß wegen Widerſetzlichkeit und Mißhandlung öffentlicher Beamten inhaftirt.

Ein Impromptü Ramler's.

In einer Geſellſchaft wurde Ramler um ein Impromptü ge⸗ beten.

In dem nämlichen Augenblicke bot ihm ein Lakai einen Teller dar, worauf ein Glas mit Waſſer und eins mit Wein ſtand, und fragte, was ihm gefällig ſei.

Ramler antwortete ſogleich:

Immer Waſſer: muß man ſterben, Immer Wein: muß man verderben.

Ei, beſſer Wein und verdorben, Als Waſſer und geſtorben.

Wenn der Stoff eines Buches den Leſern nicht nur feſſelt, ſondern auch belehrt und zu ernſtem Nachdenken veranlaßt, ſo war das Werk des Leſens werth und der Autor genießt für ſeine Arbeit den höchſten Lohn.

Dieſer Satz gilt vorzüglich für ein zweibändiges Werk: Nach funfzehn Jahren. Ein Strauß Geſchichten von Auguſt Ewald. Jena, Coſtenoble, 1867.

Ewald's Buch iſt daher von beſonderm Intereſſe.

Zehn Freunde haben ſich einſt am Ende der gemeinſamen Studien⸗ zeit zu Jena gelobt, nach funfzehn Jahren ſich dort zur Mittheilung ihrer Lebensſchickſale wieder zuſammen zu finden. Sechs ſind ge⸗ kommen, von denen Einige im Stande ſind, die Geſchichte der Aus⸗ gebliebenen zu verkünden.

Dieſe zehn Geſchichten ſind alſo Lebensbilder ſie bieten viel: Unterhaltung auch Belehrung, heiteren Scherz und tiefen Ernſt und manchem Leſer vielleicht auch ein Bild der eigenen Jugend. Einen beſonderen Reiz gewinnt die Lectüre dadurch, daß uns in jeder neuen Geſchichte auch eine neue, dem Weſen ihres Erzählers entſprechende Denk⸗ und Ausdrucksweiſe entgegentritt.

Wir wünſchen, daß die ſeltene Befriedigung, welche wir den

Erzählungen Ewald's verdanken, durch unſere warme Empfehlung auch

vielen Leſern des Hausfreund bereitet werden möge.

Wolff's poetiſcher Hausſchatz des deutſchen Volkes. Ein Buch für Schule und Haus. Erneuert von Carl Oltrogge. Vierundzwanzigſte Auflage. Leipzig, Otto Wigand, 1867.

Es iſt dies Buch ein Hausſchatz im wahren Sinne des Wortes, das längſt die verdiente Anerkennung gefunden hat. Bei der uns vor⸗ liegenden neuen Auflage hat der durch ſeine Schulbücher in den weiteſten Kreiſen bekannte Oltrogge eine ſorgfältige Sichtung vorgenommen, aber die bisherige Form beibehalten. Es ſind viele werthloſe und unbedeutende Sachen weggelaſſen und dafür den beſſeren Dichtungen ein weiterer Raum gegeben.

Wir empfehlen das Buch aufrichtig jeder Familie.

Unſern geehrten Leſern zur Nachricht, daß die nächſte Nummer acht Tage ſpäter ausgegeben wird.

Verlag der Hausfreund⸗Expedition(E. Graetz) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21.

Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.

Haupt⸗Expedition und Druck bei F. A. Brockhaus in Leipzig.

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