Codex hierfür, der ihnen wie Gottes Wort gilt; ſie haben die Vorſchrift ihres geliebten Dichters: „Da ſin wiißi Bauwele Strümpf mit chünſtlige Zwickle, Leg' ſie a, wenn d'ſchaſch und Schueh und ſilberni Rinkli; Do ne grüene Rock! Vom breit verbendlete Liibli Fallt bis zue de Chnädlenen abe Fältli an Fältli, Sitzt er recht? Thue d' Häftli i, und nimm do das Bruſttuech, Sammet und roſeroth. Jez flichti der chünſtlige Zupfe Us de ſchöne, ſufer g'ſtrehlte, flachſene Hoore. Obe vom wießen Aecken und biegſam in d' Zupf verſchlunge, Fallt mit beiden Ende ne ſchwarze ſidene Bendel Bis zum tiefe Rockſaum abe.— Gfallt der die Chappe, Waſſerblaue Dammaſt und geſtickt mit goldene Blueme? Zieh der Bendel a, wo in de Ricklene durchgoht, Unter de Zöpfe dure, Du Dotſch, und über den Ohre Fürſi mittem Letſch, und abe gegenem Gſſicht zue! Jez e ſide Fürtuech her, und endli der Hauptſtaat! Zwanzig Ehle lang und breit e Mailänder Halstuech. Wie ne luftig Gwülch am Morgenhimmel im Früehlig Schwebt's der uf der Bruſt, ſtigt mittem Athem und ſenkt ſi, Wahlet der über d' Achslen, und fallt in prächtige Zipfle Uebern Rücken abe, ſie ruuſche, wenn den im Wind gohſch!“
Es iſt rührend zu beobachten, wie dieſe einfachen Leute ihren Hebel im Herzen tragen, und was ſpricht beredtſamer für ein kindlich⸗keuſches Gemüth, als dies liebende Dichter⸗ Verſtändniß? Kein Greis unter ihnen, und kein Schulkind,
das nicht alle ſeine ſinnigen Lieder im Kopfe hätte! Sprecht
nur blos ſeinen theuern Namen aus, und wer ihn hört, deſſen Auge leuchtet, deſſen Mund öffnet ſich zu einem begeiſterten Lobe ihres Vaters, wie ſie ihn nennen! Jedes unbedeutende Begegniß ſeines Lebens iſt ihm bekannt, iſt ihm eine heilige Erinnerung, eine koſtbare Reliquie.
Immer iſt mir, wenn ich den ſchönen, halbſtündigen Weg von Schopfheim nach Hauſen gehe, als wandle ich auf ge weihtem Boden. Hier iſt des Dichters engſte Heimath, hier iſt er hundert und hundert male ſelbſt einhergeſchritten, wenn
Fortuna.
Fortuna, Kind der Götterwelt, Du haſt für Größen aller Länder, Die hier im Glanze ausgeſtellt,
Medaillen, Kreuz' und Ordensbänder.
Doch laß mich, Göttin, dir's geſtehn, Mich ſchmerzet deiner Augen Binde. Dein Sehen würd' ich lieber ſehn,
Damit es ſtets das Rechte finde.
Verdienſt und Werth ſoll Ruhm und Preis Mit immergrünem Lorbeer ſchmücken, Für Menſchengeiſt und Bürgerfleiß
Brauchſt du— kein Auge zuzudrücken!
er— wie alljährlich zur Ferienzeit— den Oberkirchenrath ab⸗ geworfen und von Karlsruhe daher geeilt iſt, um einmal wieder ſeine Freunde, ſeine Schopfheimer Kinder, die freund⸗ lichen Spielplätze ſeiner Jugend heimzuſuchen. Seht! Da kommt er— im langen blauen Rock und weißem Halstuch, das weißlockige Haar unter einer Tuchmütze mit breitem Schirm hervorquellend, aus dem friſchen, vollen, leutſeligen Antlitz ein paar Augen voll Klarheit und Milde leuchtend, wie er, ob zwar im eifrigſten Discours mit dem Schopfheimer Stadtrichter, dennoch die Mütze lüftet und die Hand zum Gruß reicht, wenn ihm vorüberlaufend irgend ein artig Kind ſeine Reverenz macht. Auf Schritt und Tritt leuchten mir die Spuren ſeiner Füße entgegen.
Dort links, von der Straße nach Zell ab, liegt, von grünen Gärten umgrenzt, das Dorf Hauſen mit ſeinen rothen Dächern und grünen Fenſterläden, iit den ſäuberlich weißen Wänden, an denen die breitblätterige Weinrebe ſich hinaufrankt, wie eine rothwangige Dirne, die in ihrem Sonntagsſtaate prangt. Inmitten des Dorfes, hart an der kleinen Kirche, vor welcher ein Hebel⸗Denkmal in grauem Sandſtein errichtet ſteht, blickt mir von dem Giebel eines dürftigen Häuschens eine Tafel entgegen mit der Inſchrift:
Hier verlebte ſeine Jugendzeit Johann Peter Hebel, der alemanniſche Volksdichter,
geb. d. 10. Mai 1760— geſt. d. 22. Sept. 1826.
Das Häuschen⸗ bewohnt Niemand; es iſt wohl ſchon gar zu gebrechlich und gar armſelig! Unwillkürlich muß ich des armen Hirtenſtalles in Bethlehem denken, wo unſer Heiland geboren ward. Aber es muthet Einen doch Kar heimlich an
mit den kleinen, blanken Fenſtern, die aus vem dicht ver⸗
ſchlungenen Weinlaube hervorblitzen, mit dem grünbemooſten Spitzdache und dem rebenbegrenzten, zierlichen Söller, der an
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