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Sommer nicht zu verachten. Wir haben unſer Potsdam, wir haben unſere Märkiſche Schweiz, wir haben unſre Pichels⸗
berge, wir haben unſern Bock und unſer edles Bockbier, da ſchönſte naſſe Opfer, das man auf den Altar des Gambrinu niederlegen kann.
Pfingſtfeſt verabredet, nach Nord und Süd,
Hundert verſchiedene Ausflüge werden zum nach Oſt und Weſt, per Wagen und Eiſenbahn, und auch das Dampfboot iſt ſeit einigen Jahren in unſre Dienſte getreten und hat uns mit Gärten und Gegenden, mit Bergen und Seen bekannt gemacht, von denen wir keine Ahnung hatten. Ja, Berlin iſt auch in dieſer Richtung beſſer als fein Ruf. Und wollen wir unſern Geldbeutel ſchonen, ſo bleiben wir hier und ge⸗ nießen für einige Groſchen die ſchönſten Gartenconcerte, die
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wir von der Muſe empfangen, wenigſtens nicht mit ſaurem Schweiße zu bezahlen. Die königlichen Theater werden bald s geſchloſſen; wir ſind bereits auf halbe Diät geſetzt, um uns s langſam auf die königliche dramatiſche Hungercur vorzubereiten. Um dieſe Entbehrung zu ertragen und zu verſchmerzen, ſtürzen wir uns in das„Pariſer Leben“ der Friedrich⸗Wilhelm⸗ ſtadt, oder treiben andere Offenbachanalia, oder beſuchen den Zaubergarten des Orpheum und baden im Meere der Licht⸗ ſtrahlen und träumen von Cora Pearl und anderen mabili⸗ ſirten Grazien.—
Da bin ich richtig wieder in Paris angelangt. und wieder Paris! dran feſtgeſogen!
Paris Mein Kopf hat ſich wie ein Schröpfkopf Ich kann den Gedanken nicht los werden,
uns wahre Kunſtgenüſſe bieten und uns gleichzeitig geſtatten, daß dort in der Stadt der großen Induſtrieausſtellung ein
unſern Upman, oder doch eine andere„Gutgewickelte“, nich aus dem Munde zu laſſen.
geben uns, wenn auch leichte Waare zum Genuß; der Thes
piskarren iſt meiſt an die Luft geſetzt, und wir brauchen, was
Auch die vielen kleinen Theater
t paar Männer an dem Webſtuhl der Zeit ſitzen und Welt⸗ geſchichte fabriciren, und wir nicht wiſſen, wie das Fabrikat ausfällt, und ob es hineinpaßt in die Culturausſtellung unſerer
Feui
Ein Duell in Amerika.
Ein in Florida erſcheinendes Journal berichtet von einem furcht⸗ baren Zweikampf, der in einer Deſtillation, dicht vor einem Thore
von Tallaheſſee ſtattfand.
Am 27. April, Abends gegen 8 Uhr, ſaßen zwei junge Männer
im Alter von vierundzwanzig bis dreißig Jahren in der Deſtillation, tranken dort und unterhielten ſich über allerlei. treten ein und nehmen an demſelben Tiſche Platz.
Auch ſie ſind in lebhaftem Geſpräch.
Sobald Einer der zuletzt Angekommenen ſpricht,
wendet ſich der Eine der Erſteren zu dieſem um, ſchreit auf, ſtürzt
ſich auf Jenen und ſchlägt ihm ins Geſicht. Noch zur rechten Zeit, denn die Revolver ſollen bereits mitſprechen, interveniren die beiden Unbetheiligten.
„Warum ſchlagen Sie mich?“ fragt der Angegriffene ſeinen An⸗ greifer.„Ich entſinne mich nicht, Sie ſchon jemals im Leben geſehen zu haben.“
„Dann haben Sie ein ſehr kurzes Gedächtniß, Major Omen.“
„Sagen Sie mir Ihren Namen, vielleicht erkenne ich Sie als⸗ dann wieder.“
„Bartlett heiße ich.“
„Bartlett! Bartlett!“ wiederholt der Major, anſcheinend ſeine Erinnerungen ſammelnd.
„Ich werde Ihrem Gedächtniß zu Hülfe kommen, ich bin der Südſtaatler, den Sie in der Nacht, in welcher Sie die Pflanzung von Weſt⸗Montmirail verbrannten, erſchießen laſſen wollten.“
„Ah, dann begreife ich Ihren unehrenhaften Angriff wohl. Be⸗ denken Sie aber auch, daß ich damals das Recht hatte, Sie erſchießen zu laſſen, Sie aber nicht das Recht haben, mich zu ſchlagen.“
„Und hatten Sie eben auch das Recht, meine Braut zu ent⸗ ehren?“ fragte Bartlett, die Zähne vor Wuth zuſammenbeißend. „Antworten Sie mir, damit, wenn ich Sie getödtet habe, man wenigſtens weiß, warum es geſchehen iſt.“
„Sie wollen mich alſo tödten?“ fragte der Major, der ver⸗ langten Antwort ausweichend.„Wenn Ihnen dies gelingen ſoll, mit welchen Waffen wollen Sie ſich ſchlagen?“
„Das iſt mir gleichgültig, vorausgeſetzt, daß die Waffe es mir möglich macht, Ihnen das Gehirn zu zerſchmettern oder die Bruſt zu durchbohren.“
„Dann meine Herren, arrangiren Sie gefälligſt das Weitere“, ſagte der Major zu den beiden Unbetbeiligten.
Die Zeugen machten den Vorſchlag, den erſten beſten einſamen Platz im Freien aufzuſuchen, aber das Wetter war ſo furchtbar ſchlecht, daß man dies aufgeben mußte. Der Regen floß in Strömen und es dunkelte bereits.
Der Beſitzer der Trinkſtube, der der ganzen Scene als ſtummer Zeuge beigewohnt hatte, erbot ſich, den Gegnern und ihren beiden Gefährten ein großes, leeres Zimmer in der erſten Etage des Hauſes zu überlaſſen. Da es ſich hier um einen Kampf auf Leben und Tod handelte, ſo wurde das Anerbieten des Wirths allſeitig ange⸗ nommen. Die beiden Gegner wurden einer nach dem andern in ein dunkles Zimmer geführt. Jeder von ihnen war mit ſeinem Revolver und Bowie⸗Meſſer bewaffnet. Mit dem letzteren ſollten ſie den Kampf zwanzig Minuten lang, nachdem der letzte Schuß gefallen, fortſetzen. Die Feindſeligkeiten ſollten beginnen, ſobald der Wirth des Hauſes durch drei Schläge an die Thür das Signal dazu gäbe, doch ſollten die beiden Gegner fünf Minuten Zeit haben, ſich in dem dunklen Zimmer zu orientiren.
Zwei andere Männer
lleton.
Die fünf Minuten waren verſtrichen. Der Wirth ſchlug an die Thür, das tiefſte Schweigen herrſchte ſowol im Zimmer als draußen.
Eine Viertelſtunde verging— endlich fielen kurz hinter ein⸗ ander zwei Schüſſe— wieder einen Augenblick völlige Ruhe, dann hörte man ſtampfende Tritte, ein Beweis, daß die beiden Gegner handgemein waren. Auch dieſes Geräuſch war von ſehr kurzer Dauer, dann folgte wieder lautloſe Stille. Den beiden Zeugen und dem Wirth ſtand der kalte Angſtſchweiß auf der Stirn. Plötzlich ertönte ein neuer Knall, ein Fall— einer der Kämpfenden mußte getroffen ſein. Noch ein kurzes Aneinanderſchlagen der Bowie⸗Meſſer war hörbar, dann war alles zu Ende. Kein Wort, kein Schrei war aus dem Zimmer gefallen. Die Zeugen lauſchten athemlos. Eine weitere Viertelſtunde verging, von dem Kampfplatz kam kein Lebens⸗ zeichen.
„Wenn wir binnen fünf Minuten nichts hören, gehen wir hin⸗ ein“, ſagte der Wirth leiſe.
Auch dieſe Zeit verſtrich, der Wirth zündete ein Licht an und die drei Männer drangen in das Zimmer.
In der Mitte deſſelben lagen die beiden Gegner übereinander. Der Major befand ſich unten, ſeine Bruſt war von ſechs Meſſerſtichen durchbohrt.
Bartlett hatte das Bewußtſein verloren, lebte aber noch. Eine Kugel hatte ihn in den linken Schenkel, eine andere in den Leib ge⸗ troffen, außerdem trug er zwei tiefe Meſſerſtiche davon. Er hatte nur einmal geſchoſſen. Sein Revolver war ihm entfallen und lag drei Schritte ſeitwärts.
Man holte ſchleunigſt einen Arzt und dieſer erklärte, die Ver⸗ letzungen Bartlett's ſeien nicht tödtlich. Er wurde verbunden und war bereits am andern Morgen im Stande, die Einzelnheiten des Kampſes und die Motive zu demſelben anzugeben.
Er hatte ſich, ſobald die Thür hinter ihnen geſchloſſen worden war, auf den Fußboden gelegt, um den Standpunkt ſeines Gegners zu erforſchen. Das Signal zum Beginn des Zweikampfes ertönte, ehe er zu einem Reſultat kam. Während er vorſichtig, ohne das ge⸗ ringſte Geräuſch zu machen, mit den Händen herumtaſtete, berührte er plötzlich den Fuß des Majors. Er erhob ſich ſchnell, der Major trat eben ſo raſch zurück und feuerte nach unten; beim Scheine dieſes erſten Schuſſes ſah er Bartlett dicht vor ſich ſtehen und gab zum zweiten Male Feuer. Dieſer, wenngleich zwei Mal getroffen, änderte ſeine Taktik nicht. Er hatte ſich wieder platt auf die Erde gelegt. Der Major hielt ihn für todt, taſtete nach ihm herum, ſtolperte über Vartlett, fiel und erhielt nun einen Schuß mitten durch die Bruſt. Der Kampf mit dem Meſſer dauerte ſo lange, bis Bartlett Gewißheit hatte, daß ſein Gegner wirklich todt war. Dann wollte er verſuchen aufzuſtehen, fiel aber in Ohnmacht.
Sein Haß gegen den Major rührte aus den letzten Kriegsjahren her. Bartlett war Chirurg in der Südarmee und beſuchte eines Tages ſeine Braut auf der Pflanzung Weſt⸗Montmirail. In der Nacht wurde die Pflanzung von einer Abtheilung der Nordarmee überfallen, welche der Major commandirte. Bartlett, der einen vergeblichen Fluchtverſuch gemacht hatte, wurde gefangen und ſollte erſchoſſen werden. Der Major ließ ſich durch die Bitten des jungen Mädchens erweichen, bereute dies jedoch bald wieder und hätte Bartlett dennoch erſchießen laſſen, hätte ſich dieſer nicht inzwiſchen aus dem Staube
gemacht. Wie unwürdig der Major ſich gegen die Braut deſſelben betrug, iſt bereits angedeutet. Das Mädchen ſtarb vierzehn Tage ſpäter.
Als die Rebellion des Südens niedergeworfen war, ſetzte es ſich


