Jahrgang 
1867
Seite
568
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Herz Breſche ſchoß. Der Herr Papa ſchickte das blonde Kindchen ſchleunigſt zu entfernten Verwandten und hoffte ſie dort gegen die Uebergabe geſichert. Der Lieutenant hatte aber gerade in der Spionage ſeine ſtarke Seite, und als der Herr Papa ſich endlich dieſen geübten, vielverſprechenden Krieger näher beſah, ſo ergab er ſich ſammt der Frau Mama und ihrem blauäugigen Töchterlein.

Aber, liebes Kindchen, wo wollen Sie nur hin, jetzt, in dieſer gefährlichen kriegeriſchen Zeit, und ſo allein? fragte der alte Gerichtsrath die Erzählerin.

In ihren Augen ſchimmerte eine Thräne.O, ſagte ſie,mein Bräutigam iſt bei der Mainarmee. Er ſchrieb mir ſonſt jeden Tag ein paar Zeilen aus dem Felde. Das blieb meine Freude in dieſer angſt- und ſorgenvollen Zeit. Faſt zwei Wochen ſind aber ſeit dem letzten Briefe vergangen. Mich hielt's nicht mehr zu Hauſe, und da meine Aeltern um keinen Preis mit konnten, auch ſonſt Niemand mich begleiten wollte, ſo habe ich's allein gewagt. In Bingen haben wir eine bekannte Familie, die mich gern aufnehmen wird. Von dort will ich nach ihm forſchen.

Ach, ſagte die Gerichtsräthin kopfſchüttelnd,armes Kind, am Ende

Was meinen Sie, fragte das Mädchen.Sie meinen, er ſei am Ende gefallen? O! Aber nein, nein! Ich kann das nicht glauben, nicht faſſen. Dann hätte ich keine Freude mehr.

Das junge Pärchen gab dem Geſpräch eine heitere Wendung, und das natürlich friſche Mädchen, die keineswegs zu den Sentimentalen gehörte, knüpfte ſich bald wieder eine duftige Hoffnungsbrücke bis zum Geliebten.

Der Himmel heiterte ſich auf, und die Kazüte entlud ſich ihrer Gäſte. Die prachtvollen Ufer ſpiegelten ſich im könig⸗ lichen Rhein. Burgen auf Burgen grüßten aus der bergigen Höhe nieder. Der Lörelei fuhr man vorüber ohne die ſonſt gebräuchlichen Salutſchüſſe, welche das träumende Fräulein Echo wecken. Am Nachmittag paſſirte das Schiff den Mäuſe⸗ thurm und Bingerloch. In Bingen fielen die Anker.

Polizei⸗Commiſſäre unterſuchten die Paſſagiere. Dann ſtieg Alles ans Land. Eine lärmende Menſchenmenge, beſonders Soldaten, drängten ſich um die Ankommenden.

Plötzlich wirbelte die Trommel. Die Soldaten eilten zu ihren Gewehren. Sie mußten antreten. Ein Offizier verlas die Liſten der zuletzt Gefallenen.

Alles was konnte, eilte herbei, mit zu hören. Es herrſchte eine Todtenſtille.

Geſtern fiel Lieutenant Röder I.

Ein greller Schrei antwortete der Kunde. Die junge Dame, die ihren Bräutigam ſuchte, bedeckte ihr Geſicht mit

den Händen. Das alte Ehepaar, das neben ihr ſtand, begriff ihren Schmerz.Armes Kind! ſagte der alte Herr.Armes Kin

Horch, was war das? Luſtiges Fanfarengeſchmetter, klingendes Spiel, Hurrah! von jenſeits des Stromes.

Ein Reiterzug ſprengte in kurzem Trapp durch Bingen. Ihre Säbel blitzten im Abendſonnenſchein, an den Helmen winkten grüne Reiſer. In ihrer Mitte hatten ſie Gefangene. Nun ſchwenkten ſie nach Bingerbrück. Voran auf tänzelndem Roſſe, einem ſchöngebauten Falben, ſprengte ein Rittmeiſter. Zwei Orden glänzten auf ſeiner Bruſt. Auf ſeiner Wange glühte eine lange friſche Narbe. Die Reiter waren vor dem Bahnhof angekommen.Halt! commandirte der Offizier.

Aller Blicke richteten ſich auf ihn, wie er elaſtiſch ſich vom Pferde ſchwang und den Säbel in die Scheide ſtieß.

Auf einmal.. ein Schrei des Staunens durch die gaffenden Reihen drängte ſich, bald glühendroth, bald marmorblaß, die Braut des Lieutenants.

Otto!

Marie!

Der Offizier warf einem Soldaten den Zügel zu und ſchloß die Geliebte an die Bruſt.

Zwei Tage ſpäter ſtiegen die beiden Studenten in Stutt⸗ gart aus der Bahn. Eine dichte Volksmaſſe wartete ſchwatzend und durcheinander rufend auf die neueſte Depeſche vom Kriegs⸗ ſchauplatz.

Plötzlich, welche athemloſe Stille?

Das neueſte Telegramm lautete:Das öſterreichiſche Heer vernichtet. Der Kaiſer ſucht bei Frankreich Hülfe. Die Preußen rücken vor Wien.

Der Tag von Königgrätz hatte entſchieden.

Johannes Bonnet..

Der Maulwurf.

Unſere Illuſtration zeigt den Bau dieſer eigenthümlichen Thiere, die, auf einer ſehr tiefen Organiſationsſtufe ſtehend, ſich gänzlich von der Oberfläche der Erde zurückgezogen haben.

Die Familie der Maulwürfe iſt über die ganze Erde verbreitet und die in unſeren Gegenden vorkommende Species auch allbekannt, dem Landmann verhaßt durch die Verwüſtungen, dem Städter intereſſant durch ſeinen Körperbau, ſein weiches Seidenfell und ſein Einſiedlerleben unter der Erde.

Unſer Mull- oder Maulwurf iſt höchſtens fünf bis ſechs Zoll lang und zwei Zoll hoch. Er iſt ein auſdringlicher, ſchwer vertilgbarer Gaſt, überall zeigt er ſeine Anweſenheit, denn überall muß er immer neue Hügel aufwerfen, um leben zu können, ſeine außerordentliche Gefräßigkeit zwingt ihn, ſein Jagdrevier fortwährend zu vergrößern. Ohne Unterlaß gräbt er wagerechte Gänge in geringer Tiefe unter der Erdober⸗ fläche und wirft, um die aufgeſcharrte Erde zu beſeitigen, ſeine Hügel auf. Seine Wohnung befindet ſich gewöhnlich an einer Stelle, die von außen ſehr ſchwer zugänglich iſt, unter Baum⸗ wurzeln oder Mauern, immer weit entfernt von ſeinem Jagd⸗ gebiet, mit letzterem nur durch eine lange, gerade Laufröhre verbunden. Die eigentliche Behauſung zeichnet ſich an der Oberfläche meiſt durch einen gewölbten Erdhaufen von auf⸗ fallender Größe aus. Das Innere der Maulwurfswohnung beſteht aus einer runden, im Durchſchnitt drei Zoll weiten Kammer und aus zwei kreisförmigen Gängen. Aus der Kammer gehen gewöhnlich drei Röhren nach oben in die kleinere Kreisröhre, aus dieſer führen mehrere Verbin⸗

dungswege nach der unteren, größeren Kreisröhre, und von dieſer aus laufen wieder Röhren ſtrahlenförmig nach allen Richtungen, doch braucht der Maulwurf ſtets die Vorſicht, dieſe nach außen führenden Wege niemals geradeaus fortzuſetzen. Die Wände der Kammer und der zu der Wohnung führenden Röhren ſind dicht und glatt gedrückt, die Kammer ſelbſt mit Blättern und weichen Gräſern gepolſtert. Unter dem Polſter befindet ſich noch ein Sicherheitsweg nach unten. Naht daher dem Maulwurf Gefahr, ſo ſchiebt er das Polſter bei Seite und fällt in dieſe Röhre, wird er von unten oder von der Seite bedroht, ſo ſichern ihm die übrigen zahlreichen Ver⸗ bindungswege die Flucht. Seine Wohnung bietet ihm für ſeinen Schlaf und ſeine Ruhe vollſtändig hinreichende Sicher⸗ heit, er hält ſich, daher ſtets in derſelben auf, wenn er ſich nicht auf der Jagd befindet. Sie liegt ſelten tiefer als anderthalb bis zwei Fuß unter der Oberfläche. Die Lauf⸗ röhre iſt ſo weit, daß er ſchnell und ſicher ſich darin bewegen kann, auch ihre Wände ſind dicht, feſt und glatt, ſie ſind ſo bequem, daß ſie nicht ſelten von anderen Bewohnern der Unter⸗ welt, von Spitzmäuſen und Kröten benutzt werden, die aber oft ihren Vorwitz, das Hausrecht des Maulwurfs zu verletzen, mit dem Tode büßen müſſen. Man hat ſolche Laufröhren gefunden, die 1500 Fuß lang waren. Die Gänge in dem Jagdgebiet ſind bei weitem nicht ſo ſauber und bequem angelegt, da ſie nur zum Aufſuchen der Nahrung gegraben werden; die Erde wird hier und da nach oben ausgeworfen, und die Hügel be⸗ zeichnen daher genau die Richtung der Laufröhre. Da man