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ſächſiſche
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Die Gemahlinnen Kaiſer Joſeph's Il.
Hiſtoriſche Skizze von Prof. J. H. Schwicker.
(Schluß.)
Eine Zeit lebte Joſeph ganz zurückgezogen; man bemerkte ſeinen Kummer, als er am 15. Januar 1764 zum erſten Male wieder öffentlich in der Kirche erſchien. Joſeph hatte keine Neigung, ſich wieder zu vermählen. Als nach ſeiner Krönung zum römiſchen König(3. April 1764) Maria Thereſia in ihn drang, eine zweite Frau zu nehmen, gab er eine ausweichende Antwort. Der Kummer um ſeine erſte Gemahlin war noch zu lebendig in ihm und man war zu raſch in ihn gedrungen. Nach eineigeit fügte er ſich den Wünſchen ſeiner Aeltern und erklärte ſich für die Prinzeſſin von Parma, die Schweſter ſeiner verſtorbenen Frau. Allein dieſe war ſchon für den Prinzen von Aſturien beſtimmt, auch hatte die Kaiſerin keine Neigung für eine erneuerte Verbindung mit Parma. In Paris ſprach man dem öſterreichiſchen Botſchafter von der dohker des Herzogs von Orleans, welche jung und ſchön war, und ein Mitgift von 20 Millionen Livres zu erwarten hatte. Wäria Thereſia nahm aber die uneheliche Geburt der väterlichen Großmutter und die üble Aufführung der ver⸗ ſtorbenen Mutter als ein Hinderniß für eine Verbindung mit ihrem Hauſe. Sie verwarf auch die ſchöne, liebenswürdige Prinzeſſin Eliſabeth von Braunſchweig⸗Wolfenbüttel, welche ſpäter den Prinzen von Preußen heirathete. Es konnte die Wahl noch die jüngſte Infantin von Portugal, oder zwei deutſche Prinzeſſinnen, die jüngſte Tochter des Kupfürſten von Sachſen und die Schweſter des Kurfürſten von Baiern treffen. Gegen die erſtere erklärten ſich Frankreich und Spanien, und die beiden Letzteren waren nicht zum gefälligſten beſchrieben worden. Am meiſten war Maria Thereſia geneigt für die Prinzeſſin, die Schweſter des Herzogs Albert, des ſpäteren Gemahls ihrer Lieblingstochter Maria Chriſtine.
Joſeph gab dem Drängen ſeiner Mutter nach und ging im October 1764 mit ſeinem Bruder Leopold nach Prag und Teplitz, wohin die ſächſiſche Prinzeſſin Kunigunde mit ihrer Schwägerin, der verwitweten Kurfürſtin, gekommen, um ihren Bruder zu beſuchen. Joſeph kam ſchon nach einigen Tagen zurück und aus der Zurückhaltung der Kaiſerin muthmaßten die Hofleute, daß die Brautſchau nicht die gewünſchte Wirkung gehabt haben müſſe. In der That verhehlte Joſeph ſeiner Mutter nicht, daß er für jene Dame keine Neigung gewinnen könne, aber er erklärte ſeine blinde Unterwürfigkeit unter ihren Willen.
Als dann Maria Thereſia und Franz l. nochmals in ihn drangen, entſchied er ſich für die bairiſche Prinzeſſin Joſepha. Der römiſche König reiſte zu dieſem Endzwecke nach Straubing. Den alten Hofherren war ſolche Brautſchau unerhört, indem nach alter Sitte einem Prinzen von ſolcher Geburt nur das Porträt ſeiner beſtimmten Braut zugeſchickt wurde; aber Maria Thereſia geſtattete ihrem Sohne aus Schonung für ſein Gemüth und ſein Glück dieſe Fahrt.
Die Prinzeſſin machte nicht den geringſten Eindruck auf Joſeph, aber er entſchied ſich für ſie auf die Vorſtellung ſeiner Aeltern, beſonders ſeines Vaters, wiewol mit ſchwerem Herzen. Da die Kaiſerin nach ihrer gewohnten Lebhaftigkeit auf die Heirath drang, wurden die Anwerbungs⸗ briefe gleich nach München geſchickt und ſchon im künftigen Faſching ſollte die Hochzeit gefeiert werden.
Am 16. Januar 1765 kam demnach Graf Minuzzi mit der Nachricht, daß die Verlobung in München vollzogen wurde; nach der Etiquette am bairiſchen Hofe brachte er auch die Trauringe mit. Tags darauf wurde die Verlobung in Wien
gefeiert.
Braut dort zu empfangen; Joſeph fuhr ihr bis Linz entgegen; die Kaiſerin erwartete ſie in dem Landhauſe des Fürſten Khevenhüller zu Weidlingau. Nachmittags um 2 Uhr den 22. Januar kamen der Kaiſer und der römiſche König mit der Braut an, und gegen Abend war der feierliche Empfang in
Am 20. Januar reiſte Kaiſer Franz nach Mölk, um die
Schönbrunn, wo die Hochzeit ſtattfinden ſollte. Am 23. Januar, Abends 7 Uhr, wurde die Copulation in der Salette der Galerie von dem Nuntius vollzogen. Hierauf folgten eine Reihe von Hoffeſten und ſonſtigen Feſtlichkeiten, die bis in den Juni hinein dauerten und eine Aera ununterbrochener Fröhlichkeit zu eröffnen ſchienen.
Indeß Feſt auf Feſt folgte, trauerte das junge Paar, das die Veranlaſſung aller Feierlichkeit war. Die jungen Gatten paßten nicht zu einander. Die Prinzeſſin Joſepha war, als ſie den römiſchen König heirathete, 25 Jahre alt, alſo zwei Jahre älter als Joſeph; ſie hatte eine ſchlechte Haltung und war weder anmuthig noch ſchön. Die Hofleute hatten an dem Geſichte Maria Thereſiens geleſen, als ſie die junge Frau in Weidlingau empfig, daß ſie von der äußeren Erſcheinung ihrer Schwiegertochter ſehr enttäuſcht war. Joſepha erwarb ſich jedoch bei allem Mangel perſönlicher Reize durch ihre Tugend und Gottesfurcht, durch ihre Liebe und Zärtlich⸗ keit für den römiſchen König bald die Hochachtung und Verehrung des ganzen Hofes. Gegen Jedermann bezeigte ſie ſich verbindlich und zuvorkommend; durch ihre Freundlichkeit und Leutſeligkeit machte ſie ſich beim Volke beliebt, ſo daß ſich Alles fröhlichen Hoffnungen hingab.
Auch Maria Thereſia lebte in alter Fröhlichkeit wieder auf, obwol es unverkennbar war, daß Joſeph keine große Zärtlichkeit für ſeine Frau habe. Joſepha war ihrem Ge⸗ mahl mit aller Liebe und Aufopferung zugethan; ſie mußte jedoch bald fühlen, daß ſie keine Stelle in ſeinem Herzen ein⸗ nehme, und dies machte die ohnehin ſchüchterne, anſpruchsloſe Frau noch unglücklicher. Ihre größte Stütze war der Kaiſer Franz; ſie war deshalb untröſtlich, als derſelbe bei Gelegen⸗ heit der Vermählung ſeines Sohnes Leopold im Jahre 1765 zu Innsbruck ſtarb. Seitdem führte die arme Frau ein trübes, trauriges Leben.
Joſeph liebte die Geſellſchaften nicht; er ſpeiſte Abends gar nichts oder wenig auf ſeinem Zimmer, indeß die junge Kaiſerin mit ihren Damen allein blieb. Auch ſonſt unterhielt Joſeph wenig öffentlichen Umgang. Er ritt am liebſten herum, ſah Regimenter exereiren, ging überhaupt mehr mit Militärs um, als dies früher beim öſterreichiſchen Hofe der Fall war.
Alsdann begab ſich der Kaiſer auf Reiſen, beſuchte Böhmen
und Dresden, während ſeine Gemahlin in Baden die Cur gebrauchte. Zwar Maria Thereſia that Alles, um der un⸗ glücklichen Frau das Leben etwas zu erheitern. Sie ließ ihr alle Ehre wie einer regierenden Frau erweiſen, beſüchte ſie ſelbſt ſehr häufig, und von den Erzherzoginnen mußte täglich eine nach Baden fahren und den Nachmittag dort zubringen.
Das Elend und Leid dieſer unglücklichen Ehe konnte die Oberſthofmeiſterin, Gräfin Linden, nicht mehr anſehen und bat um ſo mehr, als die junge Kaiſerin ihren Rath nicht immer annahm, um ihren Abſchied.
Wenn Joſeph mit der Kaiſerin öffentlich erſchien, erwies er ihr alle Hochachtung und alle Ehren. Von dem inneren Jammer in der Familie kam deswegen wenig in die Außen⸗ welt. Zum Glück für beide Ehegatten dauerte dieſes unſelige Verhältniß nicht lange.
Am 21. Mai wurde die Kaiſerin Joſepha bettlägerig; man hielt es anfangs für die Folge einer Indigeſtion, allein
ſchon am anderen Tage brachen die Blattern aus und zwar
Maria Thereſia und der Kaiſer verließen die kranke Frau nicht. Die Kaiſerin⸗Mutter wachte bei ihrer Schwiegertochter bis früh 3 Uhr; beim Abſchiede umarmte ſie dieſelbe. Bald darauf bekam ſie ſelbſt Kopfweh und Alteration, ſo daß man ihr zur Ader laſſen mußte; trotz⸗ dem brachen auch bei ihr die Blattern aus. Da von dieſer ſchrecklichen Krankheit auch die Erzherzogin Maria Chriſtine ergriffen worden war, ſo lagen auf einmal drei Glieder der kaiſerlichen Familie an dieſer gefürchteten Seuche darineder, 67*
in der gefährlichſten Art.
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