Jahrgang 
1867
Seite
529
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X. Jahrgang.

1867.

34.

Die

Waffe.

Erzählung von Otto Girndt.

(Fortſetzung.)

J aron Hochberg zuckte leicht zuſammen, als er des Malers 8 anſichtig ward. An Figur und Bewegung erkannte er

Sden Zeitungsleſer aus dem Kaffeehauſe und raunte dem

Grafen ins Ohr:Vorſicht!

Dieſer begriff den Sinn des Raths nicht, näherte ſich geräuſchvoll der Staffelei und ſagte:Bekommt man denn hier nicht einmal einen Stuhl? Mangelhafte Einrichtung!

Alexander! warnte Benno, die Stirn runzelnd.

Kommt, laßt uns gehen, Kinder! drängte der Führer der Gruppe, die ſich durch das Benehmen des Offiziers in ihrem ſtillen Genuß geſtört fand. Die Uebrigen nickten; der Sprecher ging auf Weikert zu, dankte im Namen der Seinigen und bat, am nächſten Tag den Cromwell noch einmal ſtudiren zu dürfen. Das Wortſtudiren betonte er ausdrücklich und gab durch eine Kopfwendung zu verſtehen, die Anweſen⸗ heit des uniformirten Herrn verſcheuche ihn für heute. Ein Händedruck, eine freundliche Verneigung folgte, die kleine Ge⸗ ſellſchaft verließ ſchweigend den Saal.

Adieu, junger Freund! Auf Wiederſehen! tönte es gleichzeitig hinter der Staffelei, und durch eine Seitenthür verabſchiedete der Künſtler die weißlockigen Gönner, um deren⸗ willen er die beiden Cavaliere ſo oberflächlich begrüßt. Jetzt kam er zurück, wechſelte wenige leiſe Worte mit ſeinem Schüler, der auf dem Fußſpitzen, als ginge er durch eine Kirche, den Hauptausgang wählte, ergriff darauf einen Mallappen und ſteh ein wenig Staub vom Rahmen ſeines Bildes, den Grafen ſammt dem Baron ſich ſelbſt überlaſſend.

Hochberg fühlte die Nothwendigkeit, etwas Artiges zu ſagen.Ungemein charakteriſtiſche Köpfe! bemerkte er. Weikert achtete nicht darauf, ſondern fuhr fort, den Rahmen zu ſäubern. Dieſe Nonchalance erſchien dem Grafen eine ab⸗ ſichtliche Beleidigung.

Herr Weikert, hob er an,warum haben Sie nicht, ſtatt Ihre Farben an einen Cromwell zu verſchwenden, lieber den Einzug Karl's II. in London oder die Rache gemalt, die der junge Monarch an den Gebeinen des Elenden nahm, der ſeinen erhabenen Vater aufs Schaffot geſtoßen?

Mit eiſiger Kälte verſetzte Weikert:Weil ich nicht wollte!

Erlauben Sie, ſtieß der Vorige, dadurch noch mehr erbittert, heraus,ich bin der Graf Falkenſtein!

Wachenhuſen's Hausfreund. X. 12.

Ich habe vorhin gehört.

Ich darf auf meine Frage wohl eine andere Auskunft erwarten.

Der Maler ſchlug das Auge unbefangen auf und be⸗ gegnete dem des Grafen mit einer ſolchen Sicherheit, daß der Baron ſein Vorhaben vergaß, raſch die Vermittlerrolle zu ſpielen. Eine unbeſtimmte Empfindung überkam ihn, als nutze hier keine diplomatiſche Intervention, als müſſe jeder Dritte ſich ſtreng neutral halten.

Die weitere Auseinanderſetzung, ſprach Weikert lang⸗ ſam, indem er den Mallappen in einen Winkel warf,würde vom Uebel ſein. Sprechen Sie ſich unverhohlen über den Grund aus, der Sie zu mir führt! Meine Zeit iſt gemeſſen.

Der Offizier ſah ſich über die Schulter nach Benno um, auf deſſen Antlitz peinliche Verlegenheit ausgeprägt lag, ſchüttelte den Kopf und entgegnete dem Künſtler;Grund? Komiſch!

Sie finden es komiſch, nahm Weikert wieder das Wort,daß ich nach dem Grunde forſche? Nun wohl, um Sie raſcher zufrieden zu ſtellen, ich errathe ihn!

Der Graf machte dieſelbe Geberde, wie vorher. errathen Sie?

Zwiſchen Weikert's buſchigen Brauen furchte ſich's.Sind wir Kinder? Irgendwer hat Sie von einem Vorfall unter⸗ richtet, der Ihnen nicht angenehm iſt. Nach Allem, was ich vor dieſer Stunde über Sie gehört, kann er das auch nicht ſein. Indeß bin ich bereit, mich mit Ihrem Zorn abzu⸗ finden.*

Der Mund des Grafen hatte ſich unwillkürlich geöffnet. Er ſtarrte den Maler und dieſer ihn unverwandt an. Nach einer Pauſe von mehreren Secunden brach Falkenſtein plötzlich in ſchallendes Gelächter aus nnd rief:He, Baron, ſind wir in ein Tollhaus gerathen? Der Teufel ſoll mich holen, wenn ich eine Sylbe capire!

Nun konnte Hochberg nicht länger ſchweigen: mit leichter, eleganter Verneigung gegen Weikert ein:

Empfangen Sie mein Ehrenwort, daß ich ſo wenig wie mein Freund begreife, welchen Vorfall Sie im Sinne haben.

Ich glaube gern, erwiderte der Künſtler mit gleicher Höflichkeit,ja ich bin überzeugt, daß Sie, Herr Baron, keine Kenntniß davon beſitzen; allein der Herr Graf

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Was

Er fiel