Jahrgang 
1867
Seite
448
Einzelbild herunterladen

68

** Ein italieniſcher Briganten⸗Chef.

Domenico Fuoco, über deſſen verwegene Thaten dieitalieniſchen Zeitungen täglich neue Berichte bringen, liebt es, ſeine Rache an perſönlichen Feinden nur begleitet von den entſchloſſenſten Gliedern ſeiner Bande, auszuführen. Ein Pächter in der Nähe von Neapel hatte das Gerücht ausgeſprengt, Fuoco ſei mit ſeiner Begleitung ge⸗ fangen genommen. Dem Briganten-Chef war dieſe Beleidigung groß genug, daß er das Verderben der ganzen Familie des Pächters, Namens Pirola, beſchloß.

Mitten in der Nacht klopfte er heftig an die Thür des Pacht⸗ hofes. Die Einwohner, nichts Arges ahnend, öſſneten ſogleich. Wer beſchreibt ihre Beſtürzung, als ſite Domenico Fuoco, in Geſellſchaft von ſechs mit Dolchen bewaffneten Briganten erblickten. Die Räuber ſtürzten in das Haus und ſtießen Alles, was ihnen entgegentrat, nieder. Fuoco, für den der Dolch eine zu ehrenhafte Waffe iſt, er⸗ griff ein Beil und erſchlug damit Diejenigen, welche von den Dolch⸗ ſtößen getroffen, noch ein Lebenszeichen von ſich gaben. In wenigen Minuten ſchwammen die ſämmtlichen Bewohner des Pachthofes, zwei Männer, drei Frauen und zwei Knaben im Alter von dreizehn und acht Jahren in ihrem Blute, die beiden Kinder mordete der Briganten⸗ Chef mit eigener Hand.

Wir können uns wol jeder Bemerkung über die Böſewichter und ihrer Auftraggeber enthalten. W. O.

Die Reſidenz der Wanzen.

Wenn ſich die ſüdlichen Länder Europas durch ihren Inſekten⸗ Reichthum auszeichnen, und Italien, Spanien, Aeghpten ꝛc. von den Reiſenden wegen dieſer häuslichen Quälgeiſter beſonders gefürchtet werden, ſo ſteht in dieſer Beziehung dennoch Perſien obenan, und in dieſem Königreiche iſt es namentlich die Stadt Miankh, welche wegen ihrer ungeheuren Wanzen⸗Bevölkerung weithin berüchtigt iſt. Der Reiſende, dem wir dieſe Mittheilung verdanken, war ſchon früher in einer ruſſiſchen Provinz vor dieſem Ort gewarnt worden, indem man ihm zugleich rieth, daſelbſt nicht zu nächtigen, da die Biſſe der dort vor⸗ handenen Wanzen namentlich dem Fremden von ſehr nachtheiligen Folgen ſein ſollten.

Trotz dieſes wohlgemeinten Rathes war der Reiſende dennoch genöthigt, an dem genannten Orte zu raſten.

Derſelbe liegt in einer Ebene und gewährt, umgeben von Pappeln und Fruchtbäumen, einen ſehr freundlichen Anblick, ſo daß der Reiſende, dadurch angelockt, die erhaltene Warnung für übertrieben erachtete.

Er ſollte jedoch ſehr bald erkennen, wie ſehr er ſich im Irrthum befand.

Denn als man ſich dem Thore genähert hatte und er nun er⸗ wartete, daß man durch daſſelbe in die Stadt reiten würde, war er nicht wenig überraſcht, als ſein Führer an demſelben vorüber ritt und, außerhalb der Stadt bleibend, nach ungefähr einer halben Stunde an einem von Bäumen beſchatteten und mit ziemlich großen Schild kröten bevölkerten Garten Halt machte und erklärte, daß ſie in dem⸗ ſelben die Zelte aufſchlagen und nächtigen würden. Durch dieſe ſo ungewöhnliche Maßnahme überraſcht, erkundigte er ſich nach der Ur⸗ ſache derſelben, und vernahm nun zu ſeinem nicht geringen Erſtaunen, daß dies lediglich aus der erforderlichen Vorſicht geſchehen wäre, den Reiſenden vor dem Biß der in der Stadt vorhandenen giftigen Wanzen zu ſchützen. Der Reiſende hatte ſchon früher hinreichende Gelegenheit gefunden, ſich von der Gier dieſer Thiere nach Blut zu überzeugen, da er an manchen Orten ſich nur dadurch einige Ruhe zu verſchaffen vermochte, daß er während der Nacht Licht brennen ließ, wodurch die Thiere in ihre Schlupfwinkel zurückgeſcheucht wurden.

Dieſelben ſind platt, kreisrund geformt, von der Größe eines Pfennigs, ihre Farbe iſt dunkelbraun, mit einem hellen, faſt durch ſichtigen Ring um den Leib, und haben ſechs Beine.

Ihr Biß verurſacht große und ſchmerzhafte Beulen und ſoll, falls das betroffene Individuum in großer Menge von ihnen heim⸗ geſucht worden, ſelbſt den Tod nach ſich ziehen. Daß dieſe Beſorg⸗ niß nicht übertrieben iſt, geht aus den Mitteln hervor, welcher ſich die dortigen Aerzte zur Verhütung von dergleichen unglücklichen Folgen zu bedienen pflegen. Ein ſolcher Patient wird nämlich in ein warmes Bad gebracht und alsdann in die Haut eines friſch geſchlachteten Ochſen eingehüllt, wonach die Anſchwellungen und Schmerzen ſich mindern und Geneſung herbei geführt werden ſoll.

Man wird die obige Mittheilung um ſo weniger übertrieben finden, wenn man erwägt, daß die Wanzen die Größe eines Pfennigs erreichen und in ungeheurer Menge nicht nur in den Häuſern, ſon⸗ dern auch ſelbſt in den von den Leuten getragenen Kleidungsſtücken vorhanden ſind. Als der Reiſende nämlich den Wunſch äußerte, ein Dutzend dieſer Thiere für ſeine Inſektenſammlung zu beſitzen, und ein

418

Trinkgeld für die Beſorgung derſelben bot, öffnete ein in ſeiner Nähe ſtehender Einwohner dieſer Stadt, der ſeinen Wunſch ver⸗ nommen hatte, unbefangen ſeinen Gürtel und nahm nach kurzem Suchen die gewünſchte Zahl Wanzen aus den Falten ſeines Kleides, die er ihm alsdann mit freundlichen Blicken überreichte. B.

Der Ahuherr der jetzt ſo verbreiteten FamilieDampfſchiff

war, was wol Wenigen bekannt ſein dürfte, ein Spanier. In einer Sammlung von Reiſen und Nachweiſungen über die ſpaniſche Marine von Fernandez Navarrete, erſchienen zu Madrid, die uns aus dem beſtäubten Winkel unſerer Bücherſammlung in die Hand fällt, finden wir Kunde von einem Verſuch, der 1548 vom Kapitän Vlasco de Garay auf Befehl des Kaiſers Karl V. angeſtellt wurde. Er be⸗ traf eine Maſchine, welche ein Schiff ohne Segel und Ruder ſchnell fortbewegen ſollte. Im Hafen von Barcelona ward ein Schiff von zweihundert Tonnen dazu gewählt und mit Getreide beladen. Sein Hauptmittel beſtand in einem großen Keſſel voll Waſſer und zwei großen Rädern an den Seiten des Schiffs. Der königliche Schatzmeiſter hatte ſein Gutachten über den Verſuch abzugeben und entſchied ungünſtig darüber,weil der Keſſel leicht ſpringen könne und das Schiff langſam anderthalb Meilen in einer Stunde gegangen ſei. Die Sache ſcheint alſo zu den Acten gelegt wor⸗ den zu ſein, ſelbſt ſpäter wenig Vertrauen gefunden zu haben, da man bekanntlich Napoleon I. ein gleiches Project vorlegte, das von ihm aber zurückgewieſen wurde. Karl V. behandelte übrigens den Dampfkünſtler honorabler, indem er ihm als Belohnung für ſeine Mühe 40,000 Maravedi's zahlen ließ und alle Koſten trug. Und jetzt, dreihundert Jahre ſpäter!Es iſt ſchon Alles einmal dage⸗ weſeu, ſagt der alte Rabbi Ben Akiba. T.

Z. Wenn einmal ein alter Berliner übertheure Zeit klagt, dann lächeln die jüngeren und meinen, daß die alte Zeit nicht beſſer geweſen wie die jetzige und daß es eben nur Gewohnheit der alten Herren ſei, die ihrige auf Koſten der Gegenwart zu loben. Es war aber, wasdes Leibes Nothdurft und Nahrung wenigſtens be⸗ trifft, doch wirklich beſſer wie heutzutage, und weiter alsüber Menſchengedenken zurück nochbeſſerer. Als im Jahre 1452 der Kanzler des Herzogs Wilhelm von Sachſen ſich zwei Tage lang in Saalfeld aufhielt, koſtete ſeine Bewirthung der Stadt hört! hört! 3 Groſchen, 7 Pfennige und zwei Zinshühner. Zu jenen Zeiten galt ein Kalb 7 Groſchen, ein halbes Rind nicht volle 2 Tha⸗ ler, ein Schock Eier 14 Pfennige, ein Pfund Hecht 1 Groſchen, das Faß Bier 2 Thaler 12 Groſchen, ein Fuder Heu 15 Groſchen. Wenn die beiden letzten Preiſe noch gegenwärtig gälten, wir würden täglich ein Seidel Gerſtenwein mehr trinken und bei dem Heupreiſe uns jedenfalls wenigſtens ein Paar Ponnies halten. Wieviel Leuten hätte man die Suppe verſalzen können mit einem Scheffel Salz, der nicht mehr wie 10 Groſchen galt! Der genannte Herzog trug Hemden, zu welchen die Elle Leinwand 1 Groſchen koſtete, wie man überhaupt nicht nöthig hatte, für ſeine Garderobe tief ins Portemonnaie zu greifen. Seine Durchlaucht zahlte für ein Paar Schuhe 5 Groſchen, und haben ſicher im Winter nicht gefroren, da 12 Groſchenfür einen Pelz und eine rauhe Mütze die Civilliſte wohl vertragen konnte. Süßigkeit ſcheint damals in hohem Preiſe geſtanden zu haben, des⸗ wegen aber auch nicht beliebt geweſen zu ſein, da wir in der Rechnung für ein fürſtliches Mahl nur ein halb Pfund Zucker verbraucht fanden, der freilich pro Pfund 1 Thaler 8 Groſchen koſtete. Was würden unſere Hotelkellner für Geſichter ſchneiden, wenn ihnen ein ſächſiſcher Herzog an Trinkgeld 2 Groſchen verabreichte, wie der genannte Herzog Wilhelm that. Bei dem Aufenthalt in Saalfeld verabreichte Se. Durchlaucht dem Bürgermeiſter eine Gratification von zehn Groſchen, und dem Stadtkämmrer deren zwei. Ein Mädchen für Alles, damals ſchlichtwegMagd geheißen, erhielt an Jahreslohn 1 Thaler 16 Groſchen. Das waren ſelige Tage, wenigſtens für die, die zu zahlen hatten, und die es gezahlt er⸗ hielten, waren auch zufrieden. T.

Kleine Poſt der Redaction.

Herrn D. in B. Mühle per Mewe in Westpr. Die Beilage rührt nicht von uns her, wir können die Beſorgung nicht übernehmen..

Herrn R. G. in Sagan. Sie hätten uns verſchonen ſollen; wir haben wenigſtens den Muth nicht, Andere damit auch noch zu beläſtigen.

Herrn B. in Bettemburg. Wenden Sie ſich nur an die Herren Gebr. Heintze, dann werden Sie ſchon befriedigt werden und ſparen uns zugleich das Porto.

Frau Plora L. in L. Freundlichen Gruß, wird beſtens beſorgt. Wir ſchreiben Ihnen ſobald als möglich.

Der Hausfreund erſcheint in Bänden von je 16 Heften à 6 großen Bogen mit ſchönen Original⸗Illuſtrationen, mit einem

mit humoriſtiſchen Bildern illuſtrirten Umſchlag elegant geheftet.

Preis pro Heft 5 Sgr.

Verlag der Hausfreund-Expedition(Lemke und Comp.) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.

Haupt⸗Expedition und Druck bei F. A. Vrockhaus in Leipzig.

*