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Zur Lecture. 477
großes Talent auch jetzt ſiegt und ſein Schifflein keck und muthig zwiſchen den hier drohenden Klippen entlang, ja über ſie luſtig hinaus zu ſteuern weiß. Er eröffnet uns nicht bloß den freien Einblick in dieſe längſt ent⸗ ſchwundene Zeit, ſondern zaubert uns wirklich zu ihr mit ihren wunderlichen Zuſtänden und originellen Menſchen zurück. Die Erzählung bietet uns ganz vortreffliche Schilderungen und Charakterzeichnungen— von dem Herzog
Adolf Friedrich— der Dörchläuchting— und ſeiner Schweſter mit ihren
Umgebungen herab in die Bürgerkreiſe, zu dem prachtvollen alten Schul⸗ mann, dem Hofrath Altmann, dem ehrbaren Kunſt, dem tollen Hofpoeten und den in ihrer Schlichtheit anſprechenden Mädchen. Je weiter man ſich hineinliest, deſto lieber wird Einem das Buch, wenn wir auch zugeſtehen müſſen, daß wir die Gegenwart und das Selbſterlebte für die Stoffe halten möchten, an denen Reuters Erzähler⸗ und Darſtellungstalent ſich am groß⸗ artigſten offenbart. Wir können uns nicht enthalten, hier beiſpielsweiſe auf den erſten Band der„Ollen Kamellen“ hinzuweiſen, in dem die beiden treff⸗ lichen Stücke:„Woans ik tau'ne Fru kam“, und„Ut de Franzoſentid“ ent⸗ halten ſind und der uns nun ſchon in ſeiner 7. Auflage vorliegt. Das ſind Darſtellungen, wie ſie, unſerer Erfahrung nach, in Deutſchland jetzt niemand Reuter nachzuſchreiben vermag.
A. Diezmann, Frauenſchuld. 2 Bde. Jena. Coſtenoble. 1867.
Der lang bekannte und beliebte Erzähler gibt uns auch in dieſem Ro⸗ mane wieder ein Buch, wie es uns unter all den unfertigen und unbedeu⸗ tenden Productionen der neueren Zeit zum rechten Troſt und zur wahren Freude gereichen muß. Der Friſche und dem Reichthum der Erfindung ent⸗ ſpricht die Sicherheit der Compoſition, der Geſchmack und das Geſchick in der Verwendung der Motive, die treffliche Erzählung, die anſchauliche Schil⸗ derung und vor allem eine Charakterzeichnung, welche uns die Menſchen in vollſter Wahrheit, im rechten Leben entgegentreten läßt. Von einem Ein⸗ gehen auf den Stoff, von einem Hervorheben einzelner Züge und Situatio⸗ nen kann an dieſem Platze keine Rede ſein. Aber unſere Leſer haben uns hoffentlich auch bereits vertrauen gelernt, daß wir nur das ihnen empfehlen, das dieſe Empfehlung wirklich verdient.
A. v. Klausberg, Still und bewegt. Jena. F. Mauke. 1866.
Eine hübſch angelegte und mit Wärme ausgeführte Darſtellung aus dem Familienleben, die wir unſerem Publikum gleichfalls als recht lesbar


