Jahrgang 
27-52 (1867)
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Novellen

rauh und unbeholfen, wie ihre Sprache ſind! mur⸗ melte der Capitän, indem er ſich verdrießlich den Bart ſtrich;drei Monate hauſe ich nun ſchon in dieſer Einöde und was thue ich? Ich rauche Tabak, ich trinke Bier, ich eſſe Sauerkraut und ſtarre die Baͤume an! Mort bleu, iſt das ein Leben für einen Mann, der an luſtige Geſellſchaft gewöhnt iſt, der in Paris gelebt hat und der in der Abſicht nach Deutſch⸗ land kam, ſich zu amüſiren!..

Der Capitän war aufgeſtanden und ging in ſichtbar übler Laune mit verſchränkten Armen einige Male im Zimmer auf und ab. Dann trat er wieder an's Fenſter, und indem er jetzt ſeine Blicke über den vor⸗ erwähnten Garten ſchweifen ließ, zuckte er plötzlich zu⸗ ſammen und ein paar Blitze ſchoſſen aus ſeinen ſchwarzen Augen, hinter denen ſich geheime Abſichten zu verbergen ſchienen.

Ah, rief er halb im Tone des Spottes, halb mit einer nur mühſam zurückgehaltenen Leidenſchaft⸗ lichkeitah, jetzt kommt doch wenigſtens eine Ab⸗ wechſelung in dieſes ländliche Stillleben, wie es die Maler nennen würden!.. Wahrhaftig, es iſt Made⸗ moiſelle Suſanne, welche ſich dort am Rande der Hecke zeigt! Die ſpröde und kalte Suſanne... EH bien, Mademoiſelle, ich will doch verſuchen, ob ich heute mehr Glück wie ſonſt bei Ihnen habe! Während Capitän Lacombe dieſe Worte murmelte, hatte er gleichzeitig begonnen, ein kleines Liedchen zu trällern und eilte jetzt, indem er ſich unternehmend die Spitzen ſeines Bartes drehte, mit raſchen Schritten dem Garten zu, in deſſen Innerem er wenige Augen⸗ blicke nachher verſchwand.

Suſanne ſtand zu dem Eigenthümer des kleinen Bauerngutes, in welches wir den Leſer eingeführt haben, in nahen verwandtſchaftlichen Verhältniſſen. Frau Martha, einige Jahre älter wie ſie, war ihre Stiefſchweſter und Peter Amtmann, deren Gatte, nahm hiernach die Stellung eines Schwagers ein. Dieſes äußere Band wurde indeſſen durch keinen inneren Zuſammenhang befeſtigt, denn der Hofeigen⸗ thümer und ſeine Frau erhoben ſich in ihrer Bildung nur wenig über die Höoͤhe ihres Standes; ſie hielten lediglich ihre praktiſchen Intereſſen im Auge und bei den jetzigen bedrängten Zeiten, wo der Feind das Land beſetzt hatte, ging ihr Streben ſchließlich dahin durch ein kluges Verhalten das Drückende ihrer Lage möglichſt zu mildern. Aus dieſem Grunde hatten ſie denn auch die Aufmerkſamkeiten, welche Capitän Lacombe der ſchönen Suſanne zuwendete, nicht allein ſchweigend mit angeſehen, ſondern in ihrem Egoismus waren ſie ſogar ſo weit gegangen, dem jungen Mäd⸗

Zeitung.

ſtrengen Abweiſungen, womit daſſelbe dem Capitän begegnete, zu machen, indem ſie behaupteten, daß dieſer deshalb ſchließlich ſeinen Zorn und ſeine üble Laune über ſie ausſchütten werde.

Suſanne erklärte aber feſt und entſchloſſen, daß ſie unter keinen Umſtänden irgend eine Zudringlich⸗ keit von dem Franzoſen zu dulden willens ſei, und drohend fügte ſie hinzu, daß ſich nöthigenfalls auch Jemand in der Nähe befindeu würde, um ihr, ſo⸗ bald dies erforderlich ſcheine, denjenigen Schutz zu gewähren, welchen ſie bei ihren nächſten Verwandten leider nicht finde.

Wer dieſerJemand ſei, darüber ſchwieg ſie freilich hartnäckig, und nur, als ihre Schweſter zornig auffuhr und mißtrauiſch fragte, ob dieſe Aeußerung vielleicht mit ihrem häufigen geheimnißvollen Ver⸗ ſchwinden noch ſpät am Hauſe im Zuſammenhange ſtehe, erröthete ſie tief und antwortete halb verlegen, halb trotzig, man werde es noch ſo weit bringen, daß ſie den Hof ganz verlaſſe und bei fremden Leuten ihr Brod ſuche.

Und bei wem denn? fragte Frau Martha ge⸗ reizt.

Nun, bei meinem Pathen in Hamburg, ant⸗ wortete Suſanne entſchloſſen.

Bei dem alten Schwätzer, dem Meiſter Stich, willſt

in den Wirthshäuſern antreffen läßt, als in ſeiner Werkſtatt!

Nun, deſto thätiger nimmt ſich ſeine Frau des Geſchäfts an, antwortete unſere Bekannte,und kurz und gut, wenn Ihr mich nichteruhig meines Weges gehen laßt, ſo werdet Ihr ſehen 5

Du droöohſt? rief die Schweſter.Höre, Mäd⸗ chen, hüte Dich, daß ich nicht hinter Deine Geheim⸗ niſſe komme und Dir dieſe Maske abreiße.

mir nicht und dahinter ſteckt Etwas, was Du Urſache haſt, vor unſeren Augen zu verbergen.

daß ſich in ihrer Stimme eine gewiſſe Unſicherheit kund gab.Uebrigens, fuhr ſie fort,ſcheint mir Eure Theilnahme für mich nur ſo weit zu reichen, als Euer Vortheil dabei in's Spiel kommt.

Du haſt immerr den Kopf höher getragen, als Dir zukam, antwortzete der Schwager erbittert.Du dünkſt Dich in allern Stücken klüger, wie wir ſind, und darum paßt Dou auch zu einer Bäuerin nicht. Auch gegen den Kleus Dirks beträgſt Du Dich ſtets

antwortete en obgleich nicht zu verkennen war,

chen im Stillen liebloſe Vorwürfe über die kalten und

ſo vornehm und weſiſt ihn immer ſo hoffärtig zurück, u

* .

Daß ſich Gott erbarme! rief die Pächterin.

Du Schutz ſuchen, der ſich mehr auf der Straße und

Ich ſage Dir nochmals, Deine nächtlichen Ausfluͤge gefallen

Die Wege, welche ich gehe, kann Jeder wiſſen,