Jahrgang 
27-52 (1867)
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Novellen⸗

geglaubt werden, obwohl es in Berlin Leute genug gab, welche einige Zweifel gegen die Wahrheit dieſer Angaben laut werden ließen und Herrn Cerf für einen, aus hier nicht zu erörternden Gründen, von ſehr hoher Seite unterſtützten Mann hielten.

Ob dieſe Zweifel ſo ganz unberechtigt geweſen ſeien, mag eine nähere Beleuchtung dieſes Mannes, welcher auch auf Beckmann's Schickſal einen entſcheidenden Einfluß übte, darthun.

Leſen und Schreiben konnte der Herr Theater⸗Director und Commiſſionsrath für's Erſte nicht! Dieſes erzählte uns Beckmann nicht blos im Scherze, ſondern auch andere, ſehr ernſte Leute, welche mit Jenem in Berührung ſtanden, beſtätigen dieſe traurige und doch wieder in ihren Conſequenzen ergötzliche Wahrheit!

Beckmann war eines Tages gerade bei Herrn Director Cerf, als dieſer einen Brief von großer Wichtigkeit erhielt, deſſen Inhalt, eine vertrauliche Mittheilung enthaltend, aller Welt Geheimniß bleiben ſollte. Cerf erſuchte Beckmann unter dem von ihm bei ſolchen Anläſſen ſtets gebrauchten Vorwande, daß er ſeine Brille vergeſſen habe, ihm den Brief vorzuleſen. Beckmann willfahrte dieſem Anſuchen, als er aber zu der Stelle kam, die eben aller Welt Geheimniß bleiben ſollte, ſtürzte Cerf auf ihn los und hielt ihm beide Ohren zu.So, rief er dann,nun leſen Sie weiter, denn das, was jetzt kommt, darf nur ich ſelbſt hören!

Im königlichen Hoftheater wurde dieAntigone von Sophokles gegeben und errang einen ungeheuren Erfolg. Beckmann, welcher der Vorſtellung beigewohnt hatte, ſagte ſcherzend:Nun, der Sophokles kann ſich gratuliren! Als Cerf dieſes hörte, wandte er ſich ſogleich mit den Worten an ſeinen Secretär:Suchen Sie einmal nach im Woh⸗ nungsanzeiger, wo der Herr Sophokles wohnt und ſchreiben Sie ihm, er ſoll mir machen für mein Theater ein Stück, wie dieAntigone, ich werd' es ihm gut bezahlen!

Ein andermal erkundigte er ſich bei ſeinem Capellmeiſter nach der Stimme einer neu engagirten Sängerin.Die Stimme iſt gut, ſagte der Muſiker,aber ein mezzo sopran, es fehlt ihr die nöthige Höhe.Dummes Zeug, antwortete der Director,das wird ſich ſchon mit der Zeit geben, wenn ſie nur erſt einige Male geſungen haben wird.

Cerf reiſte auch öfter nach Wien, um ſich hier die Novitäten der verſchiedenen Bühnen anzuſehen; bei einer ſolchen Gelegenheit lernte er den damaligen Hofſchauſpieler Marr kennen, von dem er gehört hatte, daß er, mit ſeinen hieſigen Verhältniſſen unzufrieden, das Burgtheater verlaſſen wolle.Ich will Sie glücklich machen, ſprach Cerf zu ihm,

will Sie engagiren!Hm! darüber ließe ſich ſprechen, erwiderte Marr.Wir wollen ſogleich ſprechen, drängte Cerf,kommen Sie, ſeien Sie mein Gaſt im»Erzherzog Carle. Marr lehnte die Einladung aus dem Grunde ab, weil er bereits dinirt hatte, erklärte ſich aber bereit, ihn in das Hötel zu begleiten und ihm dort Geſellſchaft zu leiſten. Als ſie im Speiſeſalon Platz genommen hatten, drang Cerf auf's Neue in ſeinen Gaſt, indem er ihm die Speiſekarte zuſchob und ihn bat, er möge doch gleich für ſie Beide das Beſte beſtellen, was zu haben wäre. Marr dankte wieder ablehnend.Nun, ſo beſtellen Sie für mich allein! ſprach Cerf, bereits mißmuthig werdend. Marr entgegnete, daß er auch dies nicht thun könne, da er den Geſchmack des Herrn Commiſſionsrathes nicht kenne. Inzwiſchen war der Kellner hinzugetreten und bat um Befehle. bald, aus welchem Grunde er die Beſtellung hätte machen

Zeitung.

ſollen, denn Cerf, des Leſens unkundig, glaubte der Verlegenheit ſich dadurch entziehen zu können, daß er nur mit dem Zeigefinger auf eine Stelle der Speiſekarte wies und zum Kellner ſprach:Bringen Sie mir von dem da! Der Kellner entfernte ſich und brachte ein Compot zum Anfange des Diners! Cerf verſchluckte ſeinen Aerger, koſtete nur von den eingemachten Früchten und rief dann, ohne auf die Karte zu ſehen:Suppe!Welche Gattung belieben? entgegnete der Kellner und wies auf die betreffende Rubrik der Karte. Cerf, in der Meinung, nun den rechten Weg gefunden zu haben, wies auf die erſte Zeile:Von dieſer! Gut; er erhielt auch wirklich eine soupe à la reine, die er mit ſichtlichem Appetite verzehrte.Nun von dem! befahl er dem Kellner, auf die zweite Zeile derſelben Rubrik weiſend. Der Kellner ging und brachte eine braune Suppe mit Reis. Cerf ſtellte ſich, als wäre auch jetzt nur ſein eigener Wunſch erfüllt, löffelte die Suppe aus und rief dann, auf die dritte Zeile deutend:Aber nun von dem! Ohne ſeine Verwunde⸗ rung merken zu laſſen, gehorchte der Kellner und brachte eine soupe-santé.

Verdutzt blickte der Gaſt die dritte Portion Suppe und dann den Kellner an, welcher ein gewiſſes Lächeln kaum mehr bergen konnte.Ich mag das endlich nicht mehr! ſprach Cerf.Tragen Sie's zurück, ich werd's bezahlen; aber ich will jetzt von dem! und dabei deutete ſein Finger wieder um eine Zeile tiefer. Als ihm aber hierauf der Kellner eine Brodſuppe mit Ei brachte, ward's ihm doch zu viel. Ohne ſie zu berühren, rief er zornig:Ich will zahlen! warf das begehrte Geld auf den Tiſch, ſtand auf und ſagte, raſch davongehend, zu Marr:Niederträchtig! In dem Hötel haben ſie heute gar nichts als Suppe! Er war ſo verſtimmt, daß von Engagementsverhandlungen nicht weiter die Rede war. Marr erfuhr aber ſpäter, daß Cerf während der Tage, die er in Wien zubrachte, ſich zum Mittageſſen immer einen Gaſt geladen habe, nur um Jemanden zu haben, der ihn der Verlegenheit entzöge, ſelbſt die Speiſen beſtellen zu müſſen.:

Ein anderes Mal hatte Cerf im Wiener Hofopern⸗

theater Auber'sStumme von Portici gehört, welche Oper ihm ſehr gefiel. Er wollte ſie daher für ſein Theater ankaufen laſſen. Während der Rückreiſe nach Berlin vergaß er aber den Titel doch was verſchlug dies? Er commandirte ſeinen Secretär:Schreiben Sie gleich an unſern Agenten, er ſoll mir ſchicken die Oper, wo vorkommt in der Ouverture: »Tididei tididei tididei ꝛc.« und dabei ſang er mit jüdiſchem Accente den Einzugsmarſch, welcher bekanntlich ſchon in der Ouverture der bekannten Oper erklingt.

Holtei gaſtirte eines Abends auf dem Königſtädter⸗ Theater als Riccaut in Leſſing'sMinna von Barnhelm. Das Haus war bei dieſer Vorſtellung ziemlich leer. Als nun Holtei von der Bühne ab⸗ und in die Couliſſe trat, empfing ihn der ſehr verſtimmte Director Cerf mit den Worten:Sie ſprechen ſehr gut franzöſiſch, aber mitihren dramatiſchen Stücken von Leſſing und ſolchen Leuten bleiben Sie mir vom Leibe!

Im Anfange ſeiner Directionsführung trat zwar Cerf ſchüchtern auf, und zeigte den Willen, ſeinem Unternehmen durch das freundſchaftlichſte Entgegenkommen Diejenigen zu ſichern, von welchen er ſich Nutzen verſprach. Daß unter dieſen Beckmann in erſter Reihe ſtand, verſteht ſich von ſelbſt, und der bereits ſo beliebt gewordene Komiker wurde zu einem Contracte bewogen, welcher ihn auf viele Jahre an

Nun erkannte Marr das Königſtädter Theater feſſelte, obwohl ihm auch einige

Monate des Jahres zu Urlaubsreiſen geſtattet waren.

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