Jahrgang 
27-52 (1867)
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Sie den Inhalt, worin derſelbe auch beſtehen möge, mit mir

Preiſe laſſen, über den wir uns anfangs verſtändigt hatten.

Vierte

Käufers und ich will einen Verſuch machen, doch noch in den Beſitz deſſelben zu gelangen.

Ich erinnere mich des Namens der Perſon nicht mehr indeſſen könnte es möglich ſein, das Möbel wieder zu erlangen, was ich natürlich nicht mit Gewißheit verſprechen kann.

Geben Sie mir die Adreſſe ſchnell ich will danach überall hingehen, wo es ſein muß und wäre es noch entfernter. 1

Weshalb liegt Ihnen ſo außerordentlich viel an einem ganz gewöhnlichen Schränkchen mit den wenigen Auszügen? Ich unterſuchte es ganz genau, das kann ich Ihnen verſichern; es iſt von ganz gewöhnlichem Eichenholz hat keine ge⸗ heimen Verſtecke, keine verborgenen Federn; Sie müſſen ſich durchaus in einem Irrthume befinden.

Es iſt kein Irrthum. Zogen Sie die Auszüge heraus, als Sie Ihre Unterſuchung anſtellten? Kehrte Sie dieſelben um? Sahen Sie, daß der Boden derſelben dick und ſchwer, daß er doppelt war? Daß darin Documente, Banknoten, OQuittungen, ein Teſtament ſein konnten?

‚Nein, ich kehrte ſie nicht um. Ich bin ein verdachts⸗ loſer, unſchuldiger Mann, der grob betrogen, zu Grunde gerichtet iſt. Amen!

Der Pfandverleiher ſchien ſo erſchüttert, daß die Frau Mitleiden mit ihm hatte.

dHören Sie, was ich Ihnen mittheilen will, ſagte ſie. Wenn wir die Angelegenheit zuſammen ordnen, ſo können wir doch noch reich werden. Kann ich darauf rechnen, daß

theilen werden?

Was enthält er? fragte Benſon leiſe. etwas?

Weshalb biete ich Ihnen Hunderte dafür? fragte die Frau. Aber ich will Ihnen Alles erzählen. Kannten Sie den Farmer Diedrich?

Nein; ich kann nicht ſagen, daß ich ihn kannte. Ich verkaufte ihm einſt einen alten Sattel, gerieth aber darüber mit ihm in Streit und mußte ihm denſelben zu dem halben

Enthält er

Das ſieht ihm ganz ähnlich, wie er in der letzten Zeit war barſch, kalt, eigennützig ſo hat man mir erzählt. Früher war er ganz anders ein ſehr braver Mann.

Damals habe ich ihn nicht gekannt. Was hat ihn ſo verändert?

Seine Tochter. Er hatte nur dieſe Tochter und ſein ganzes Herz hing an ihr. Sie vereitelte ſeinen Plan, ſie zu verheirathen und er vergab es ihr nie.

Kannten Sie dieſe Tochter?

Ob ich ſie kannte? Das ſollte ich meinen; ich bin ihre Tante Diedrich's einzige Schweſter. Ich kam zu ihm, als ſeine Tochter ihn verlaſſen hatte; ſehen Sie nicht, was kommen wird, alter Mann? Sie müſſen ſo dumpf wie das V erbärmliche Zimmer ſein, worin Sie wohnen, wenn Sie nicht errathen, was folgt.

Ich kann es nicht, ſagte Benſon. aber ich kann nicht.

Nicht, wenn ich Ihnen ſage, daß es der Lieblingswunſch ihres Vaters war, ſie mit dem Sohne eines alten Freundes und Nachbars zu verheirathen und eine Zeitlang ſchien ſie ganz damit einverſtanden zu ſein als eines Tages ein junger Herr aus Newyork ankam einnehmend, heiter und ſehr ſchön gekleidet. Er ſah Bettina, war von ihrer Friſche und Schönheit bezaubert; es gelang ihm, ſie zu ſprechen, ihr

Ich verſuche es,

*

Lolge. 507 Herz zu gewinnen und ſie zu beſtimmen, ſich heimlich mit ihr zu verheirathen, worauf er ſie verließ die alte Geſchichte. Ihr Vater warf ſie vor Zorn aus ſeinem Hauſe und verbot, je ihren Namen in ſeiner Gegenwart zu erwähnen. Sie ſchrieb einmal, aber er ſchickte den Brief uneröffnet zurück. Sie ſchrieb nie wieder. Das alte Haus wurde finſter und trübe. Diedrich ging in das Schlafzimmer, welches das ihrige geweſen war, an dem Tage, wo er von der Heirath Kenntniß erhielt, und ergriff den kleinen eichenen Schrank, in dem ſie viele Sachen gehabt hatte. Er leerte die Auszüge auf der Hausflur und befahl mir, die Unterröcke und Strümpfe, die blauſeidene Jacke und die roſeurothen Sammet⸗Pantoffeln und alle Dinge zu entfernen und ſie in's Feuer zu werfen. Das Schränkchen war ein altes Möbel und hatte ſeit Jahr⸗ hunderten unſerer Familie gehört. Er hatte es einſt zur Aufbewahrung ſeiner geheimen Papiere benutzt; ſeine Schuldſcheine und Kaufbriefe waren alle in dem einen Auszuge; 1nen dieſer Auszüge hatte einen falſchen Boden; dort wiſchen dem dicken Holze hatte er ſeine liebſten Schriftſachen ver⸗

hrt die Briefe ſeiner verſtorbenen Frau, Bettin s Schreibebuch und ebenſo die kleinen Briefe, die ſie ihin aus der Schule geſchickt hatte. Gut, als alle Sachen Bettina's aus dem Schränkchen genommen waren, öffnete er das geheime Fach, rufte mich und ſagte: Gretchen, ich habe mein ganzes Leben lang für Bettina geſpart und das hier er zeigte mir eine Anweiſung auf 10,000 Dollar war für ihre Mitgift beſtimmt. Ich kann ihr dieſelbe nun nicht geben; aber wenn nach meinem Tode dieſer Schurke von Mann ſie verläßt ich fühle und weiß, er wird es thun ſo wirſt Du wiſſen, das, was für ſie und ihre Familie genug ſein wird, zu finden, da ich dieſe Anweiſung in dieſen Verſteck lege. Trage aber dafür Sorge, daß ihr Mann nicht einen Cent davon berührt. Aber vor meinem Tode ſoll Niemand ſie anrühren. Damit zog er das geheime Verſteck am Boden heraus, legte die Anweiſung hinein und verſchloß es mit einem Schlag. Er ſagte mir, die Anweiſung ſei zahlbar an den Träger ausgeſtellt und er habe der Bank die Weiſung gegeben, das Geld an die Perſon auszuzahlen, welche die Anweiſung überbringe. Nun iſt er plötzlich geſtorben und Bettina kurz nach ihm. Er gab mir eine ſilberne Nadel und zeigte mir, wie der Verſteck zu öffnen iſt. Von der Stunde an, wo er die Anweiſung dort verborgen hat, wurde der Auszug von Niemand berührt und dort liegt der Check auf 10,000 Dollar. Die Leute wunderten ſich, als er ſtarb, wohin ſein Geld gekommen ſein möge; ich allein wußte es.

Und ich verkaufte es für ſechs Dollar! ſchrie Benſon, an eine elende, alte Frau. Ein zu Grunde gerichteter Mann! Ich habe 10,000 Dollar verloren. Der junge Mann war mir zu ſehr überlegen. Ich haßte ihn vom erſten Augenblick an aber die Rache wird ihn für ſeine Bosheit verfolgen.

Aber weshalb wurde die Verſteigerung ſo übereilt? fuhr Gretchen fort.Als ich Diedrich vor ſechs Wochen verließ, ſah er ganz geſund aus; als ich die Nachricht von ſeinem Tode erhielt, konnte ich nicht fort, und in der Zwiſchenzeit wurde er beerdigt und ſeine Möbel verſteigert, und ich fürchte, das Geld iſt verloren. Gehen Sie, geben Sie für das Schränkchen jeden Preis, den man verlangt und wir wollen das Geld theilen.

Zu gleichen Theilen! rief Benſon aus;wo iſt die ſilberne Nadel? Geben ſie mir dieſelbe es iſt noch nicht zu ſpät, den Verſuch dieſe Nacht zu machen.