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Dierte
feurigen Tokayers die Zuſage gemacht, er wolle alſo verſuchen, „Tokayereſſenz“ zu erzeugen. Nach Rom zurückgekehrt, habe er ſich auch alsbald an die Skizze gemacht, aber da ſich die Ausſichten inzwiſchen getrübt, ſo ſei die Arbeit als Entwurf liegen geblieben und erſt neuerdings auf wiederholtes Andringen vollendet worden.
Dann lenkte er meine Aufmerkſamkeit auf eine reizende Statuette der h. Eliſabeth, welche ſchon beim Eintritt in das Zimmer meine Blicke auf ſich gezogen hatte; es bedurfte keines übertriebenen Scharfſinnes, um dieſe anmuthige Geſtalt als Orationsgabe mit Liſzt's Oratorium„Eliſabeth“ in Verbindung zu bringen. Dann erzählte er von dieſem Werk und dem Oratorium„Petrus“, das bei der nahe bevorſtehenden großartigen Centenarfeier S. S. Petri et Pauli zur Aufführung kommen ſolle.
Ich drückte dem freundlichen Wirthe meine Freude über ſeine Geſundheit und Rüſtigkeit aus und prophezeite ihm eine noch lange fruchtbringende Thätigkeit.
„O ja, ich bin ganz zufrieden mit meinem Befinden,“ entgegnete er,„nur die Beine wollen nicht ganz mehr die alten Dienſte leiſten.“ Dabei verſetzte er aber in einem Anfluge von burſchikoſer Heiterkeit dem rechten Oberſchenkel
einen ſo nachdrücklichen Schlag, daß ich die Klage unmöglich
ſonderlich ernſt nehmen konnte.
Eine andere meiner Bemerkungen betraf die unver⸗ gleichliche Lage ſeiner Wohnung, welche ſelbſt einen mittel⸗ mäßigen Poeten zu einem großen Epiker oder Elegiker machen müßte.
„Ich wohne ſtill und angenehm,“ war die Antwort, „ſowohl hier als auch auf dem Monte Mario, wo mir einige Zimmer mit köſtlicher Ausſicht auf die Stadt, die Tiber und die Berge zu Gebote ſtehen.“
Sodann geleitete mich der leutſelige Maeſtro raſch durch zwei kleinere Gemächer, deren eines ſein ſchmuckloſes Schlafzimmer, zu einem Holzverſchlag mit einem kleinen Fenſter, durch welches ſich das Coloſſeum in ſeinen rieſigen Dimenſionen und der Triumphbogen Conſtantins nahe gerückt zeigten, überragt vom ſtillgewordenen Mons Cölius.
„Hier ließe ſich,“ bemerkte Liſzt,„ein herrlicher Balcon
anbringen— aber der arme Franziskanermönch hat kein
Geld dazu.“
Wieder in das Arbeitszimmer zurückgekehrt, hielt ich die Zeit für gekommen, meinen Beſuch zu beenden und nahm mit warmgefühlten Dankesworten Abſchied.— r.
Pariſer Heidinnen.
Die Revue de Deux Mondes veröffentlicht eine Er⸗ zählung von Octave Feuillet, dem neuen Buchhändler in Fontainebleau. Das Folgende iſt einem Capitel der Erzählung in der letzten Nummer jener gehaltvollen Zeitſchrift entnommen, wo Feulllet ſchreibt:
„Die künſtliche Atmoſphäre der hohen Pariſer Civiliſation entreißt den Frauen das Gefühl und den Geſchmack der Pflicht und läßt ihnen nur das Gefühl und den Geſchmack des Vergnügens. Gleich der Göttin eines Theaters verlieren ſie in dieſer glänzenden und falſchen Atmoſphäre den wahren Begriff des Lebens im Allgemeinen und den des chriſtlichen Lebens insbeſondere, und man kann behaupten, daß Alle, die ſich nicht aus dieſem wilden Wirbel zurückziehen und das Leben einer Büßerin beginnen(und es giebt deren), Heidinnen ſind. Sie ſind Heidinnen, weil ſie an den Freuden der
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weil ſie nicht einmal im Jahr eine Idee oder einen Eindruck
der ſittlichen Ordnung haben, wofern er ihnen nicht durch
ihre Stellung als Mutter aufgezwungen wird, die Manche
von ihnen verabſcheuen. Sie ſind Heidinnen wie die ſchönen,
aber weltlich geſinnten Katholikinnen im ſechzehnten Jahr⸗ hundert, die nach Luxus, reichen Anzügen, koſtbaren Möbeln,
Literatur, Künſten und Liebe dürſteten; ſie ſind reizende Heidinnen nach dem Muſter der Maria Stuart und fähig wie ſie, ſich als Chriſtinnen ſelbſt unter dem Beil zu finden. Wir ſprechen, wohlverſtanden, von den Beſten, von der Elite derjenigen, welche leſen, denken und träumen. Was die Andern betrifft, die ſich mit ihrem kindiſchen Treiben an die Säume des Pariſer Lebens hängen, jene albernen Geſchöpfe, welche ihre Zeit damit ausfüllen, Beſtellungen zu machen, aufeinander Einfluß auszuüben, ſich zu putzen und zu latſchen, welche Tag und Nacht ſich mit wahren Nichtigkeiten abmühen und mit einer Art von Wahnſinn in den Stre
der Pariſer Sonne tanzen, ohne irgend einen Gedankense ohne Leidenſchaften oder ſelbſt Laſter— ſo iſt es unmöglich, ſich verächtlichere Weſen nur zu denken.“ Ce*
Gemüldeverſteigerung.
Die Verſteigerung der berühmten Galerie Salamanca beginnt am 2. Juni in dem Hötel des Marquis Joſe de Salamanca in Paris und zerfällt in drei Serien. Die öffentliche Ausſtellung derſelben begann am 31. Mai, aber ſchon Tags zuvor fanden ſich der Kaiſer und die Kaiſerin ein, um ſie zu bewundern und ebenſo der König von Belgien. Unter den vielen Meiſterwerken der ſpaniſchen, italieniſchen, flamändiſchen und holländiſchen Schule bezeichnet man das Porträt eines Mannes und einer Frau, bezeichnet Gola, einen glänzenden Van Dyck und ein Frauen⸗Porträt von Velasquez als die Perlen der ganzen Sammlung. Dieſe Verſteigerung iſt ein artiſtiſches Ereigniß. Die Muſeen in Frankreich, England, Spanien, Italien, Rußland u. ſ. w. haben Delegirte abgeſchickt, um Ankäufe zu machen. C.
Misrellen.
Als Friedrich der Große eines Abends beim Souper ſaß, frug er Jeden ſeiner Gäſte:„Was würde Er thun, wenn Er König von Preußen wäre?“*
Die Einen antworteten hierauf, indem ſie von Erobe⸗ rungen ſprachen, Andere ſtammelten hyperboliſche Schmeiche⸗ leien, aber der Marquis d'Argens ſagte:
„Nun, ich wüßte nichts Beſſeres, als daß ich mein Königreich verkaufte, um von dem Einkommen in Paris zu leben.“
Der König lachte ſehr über dieſe Antwort, fand aber doch nicht für gut, darnach zu handeln.— r.
Als Jakob I. von England einſt den Londoner Ge⸗ meinderath empfing, ſagte der Sprecher deſſelben in ſeiner Anrede:„Er wünſche, Se. Majeſtät möge ſo lange regieren, als Sonne, Mond und Sterne vom Himmel auf die Erde herabſchienen.“
„Ei,“ entgegnete Jakob lachend,„dann wird mein Sohn wohl bei Kerzenſchein regieren müſſen!““— r.
Ein junger Mann erfuhr, daß ſich einer ſeiner Bekannten verheirathet habe.
Sinne und der Geſelſſchaften allein Intereſſe finden, und
„Das freut mich!“ rief er, dann ſetzte er mit einem


