Jahrgang 
1-26 (1867)
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318 Novellen⸗

Kommen Sie aus der Grotte? ſchrie ich ihn an. Nein, man kann nicht hinein. 8 Mein Neger zeigte die weißen Zähne und ſagte: Es iſt ſchwer, aber es geht ſchon. Es war auch wirklich ſchwierig, aber ich klammerte mich mit meinem Stock und den Eis⸗ ſporen feſt, kroch bald auf dem Leibe, bald auf dem Rücken, und kam ſo nicht ohne Verletzungen endlich vor einer Waſſer⸗ ſäule an, die mir den Weg verſperrte, aber wir mußten durch. Mein Führer faßte mich bei der Hand und ſo ſtürzten wir durch, indem wir eine tüchtige Douche erhielten. Dann gingen wir vorſichtig auf einem unendlich ſchmalen Pfade vorwärts, während ich ganz von dem Giſcht des ſtürzenden Waſſers bedeckt wurde. Ich lehnte mich an einen ſchwarzen Felſen über meinem Haupte ſah ich eine ungeheure blaugrüne Kuppel, es war der Niagara! 1 Der betäubende Lärm verurſachte mir förmlich unleid⸗ lichen Schmerz ich hätte Alles in der Welt darum gegeben, wenn ich dem Katarakt hätte Schweigen gebieten können. Endlich kamen wir wieder an's Tageslicht und ich athmete hoch auf, als ich den Himmel über mir erblickte. Als ich durch die Eiszapfen hindurch zuletzt glücklich das Ufer erreicht hatte, gelobte ich mir heilig, nie wieder in dieſe ſchauerlichen Tiefen zurückzukehren. In meinem Hötel angelangt, fühlte ich mich wie neugeboren, und ſetzte am folgenden Tage meine Reiſe nach Buffalo fort. r.

Die Chineſen in Amerika.

Der gelbe Mann, im Allgemeinen ein Chineſe, oft ein Malaye, zuweilen ein Dyak, iſt aus Aſien und dem öſtlichen Archipelagus durch die ſtarke Nachfrage nach Arbeit, von de⸗ nen eine jede ihm willkommen iſt, in den Theil der Vereinig⸗ ten Staaten von Nordamerika am ſtillen Meere gezogen wor⸗ den. Von den Arbeiten in den Goldgruben bis zu der Be⸗ reitung einer Omelette und dem Bügeln eines Hemdes läßt

Zeitung.

Euch nicht einerlei iſt. Jetzt ſind dieſe gelben Leute ſechzig⸗ tauſend ſchwach; in wenigen Jahren mögen ſie ſechshundert⸗ tauſend ſtark ſein. Dann werden ſie das Stimmrecht verlan⸗ gen und ſie werden den Parteien den Ausſchlag geben, die Richter wählen, die Geſchwornengerichte bilden, die Geſetze auslegen. Dieſe gelben Männer ſind Buddhiſten, geſtatten die Vielweiberei und halten den Kindermord für erlaubt. Daß das nächſte Jahr zu ſeiner gewöhnlichen Zeit eintreten wird, iſt nicht ſicherer, als die Niederlaſſung einer großen Geſell⸗ ſchaft Aſiaten an den Küſten des ſtillen Meeres. Ein buddhi⸗ ſtiſcher Tempel, wie die in China und Ceylon ſind, wird ſich in Californien, Oregon und Nevada erheben. Was faſt noch bedenklicher iſt, ein Arbeitskrieg wird zwiſchen den Racen, die ſich von Rindfleiſch nähren, und den Racen, die ſich mit Reis

begnügen, ſeinen Anfang nehmen einer jener Kriege, in de⸗ nen der Sieg nicht nothwendig auf der Seite der Stärkern iſt. Das iſt das Urtheil, das in dem New⸗Amerika über das Anhäufen der Chineſen im weſtlichen Amerika gefällt wird, das allerdings geeignet iſt, manche Beſorgniſſe zu er⸗ wecken. C.

Der Hund des Capitäns Pollone.

Daß der Hund ein weeuer Freund des Menſchen iſt, galt zu allen Zeiten als ein unbeſtreitbares Axiom.

Die in Neapel erſcheinendeItalia erzählt eine rührende Anekdote, welche einen neuen Beweis für die Wahrheit deſſelben liefert.

Der Capitän Pollone beſaß einen ſehr treuen Hund, der ihm überallhin folgte. Als die Compagnie dieſes Capitäns auszog, um die Brigantenbande unter ihrem Anführer Fuoco auf dem Berge Coppa aufzuſuchen und ſie zu bekämpfen, warf ſich der muthige Hund, welcher die Annäherung der Briganten zuerſt bemerkt und Alarm gegeben hatte, in die Mitte der Streitenden, indem er rechts und links alle Briganten biß,

er ſich zu Allem brauchen, womit er Dollars verdienen kann. Von dieſen gelben Leuten ſind nun ſechzigtauſend in Cali⸗ fornien, in Utah und Montana; ſie kommen und gehen, aber es kommen viel mehr von ihnen, als fortgehen. Bis jetzt ſind dieſe harmloſen Haufen ſchwach und nützlich. Hop Chang hat ein Waſchhaus errichtet; Chi Hi geht als Koch aus; Cum Thing verrichtet alle Geſchäfte einer gewöhnlichen Dienſtmagd. Sie ſtellen ſich Niemandem in den Weg und arbeiten für eine Brodrinde; ſie tragen dem Maurer den Mörtel und den Kalk herbei, wenn Mihn davon gelaufen iſt, um in den Gold⸗ feldern ſchnell ein reicher Mann zu werden, und ſcheuern den Fußboden, wenn Biddy einen armen Schelm zum Glücklich⸗ ſten ſeines Geſchlechts gemacht hat. Geſchmeidig und gedul⸗ dig ſind dieſe gelben Leute, obgleich ſie gar nicht ſtark ſind, doch ſehr gierig nach jeder Art von Arbeit, aber ſie ziehen die Beſchäftigungen des weiblichen Geſchlechts denen des männ⸗ lichen Geſchlechts vor und ſind höchſt glücklich, wenn man ſie dingt, Kleider zu waſchen, kleine Kinder zu pflegen und Gäſten aufzuwarten. Sie geben ſehr gute Kellner und Kammerjung⸗

fern ab. Loo Sing, ein heitres altes Mädchen mit einem Haarzopfe, wäſcht Eure Hemden, ſtärkt und bügelt ſie ſehr zier⸗ lich, ausgenommen, daß Ihr ihn nicht überreden könnt, ſich zu enthalten, auf Eure Krauſen und Hemdkragen zu ſpucken.

Das Spucken auf das Leinenzeug iſt für ihn daſſelbe,

wie das Anfeuchten der Wäſche durch das Beſpritzen mit

Waſſer, und die Gewohnheiten ſeines Lebens verhindern ihn,

ſel bſt wenn Ihr ihn an dem Zopfe faſſen und ſeine dünne Naſe

auf dem glühenden Bügeleiſen reiben ſolltet, einzuſehen, daß es

die er mit ſeinem ſcharfen Zahn faſſen konnte.

Als ſein Herr verwundet niederſtürzte, warf ſich das treue Thier auf ihn und ſtieß lange, rührende Klagetöne aus, dann fing er an das Blut abzulecken, das aus der offenen Wunde quoll.

Die Briganten drangen im Kampfe bis zu dem un⸗ glücklichen Pollone vor, deſſen Leben ſie mit Bajonetſtichen ein Ende machten, Das muthige Thier ſprang aber dem Erſten, welcher Hand an den Capitän legte, in den Nacken und biß ihn ſo heftig, daß derſelbe todt niederſtürzte.

Da er ſeinen Herrn nicht mehr retten konnte, ſo lief er iin die Reihen der Soldaten zurück, indem er aus allen Kräften bellte, als ob er ſie auffoein wollte, ihren ſo barbariſch niedergemetzelten. Capitän zu kächen.

Am folgenden Tage ſtellte ſich das treue⸗Thier an die Spitze einer andern Abtheilung Soldaten, welche abgeſchickt wurde, den Leichnam des unglücklichen Capitäns Pollone aufzuſuchen. Die Soldaten folgten dem Hunde faſt inſtinct⸗ mäßig, der ſie im Lauf an die Stelle führte, wo ſein nieder⸗ gemetzelter Herr lag.

Hier fand eine Scene ſtatt, die zu beſchreiben unmöglich iſt. Bei dem Anblick des Leichnams ſchien das treue Thier ganz wüthend zu werden und man konnte daſſelbe nur in der Art von dieſem Orte fortbringen, daß man ihm eine Stelle auf dem Sarge gab, worin der Leichnam ſeines Herrn fortge⸗ ſchafft wurde. 3 C.

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