Jahrgang 
1-26 (1867)
Einzelbild herunterladen

272

wollten ſie mit ihr ſterben; und hierauf ging die ganze Geſell⸗ ſchaft, Hand in Hand, nach einem benachbarten Teiche, in dem ſie ſich aus eignem Entſchluſſe ertränkten. Ebenſo waren drei Männer unter der Anklage, See⸗ räuberei getrieben zu haben, in Honkong im Gefängniſſe und ſie beſchloſſen gleichfalls, dem läſtigen Verhör und der ihnen bevorſtehenden Strafe durch einen Selbſtmord vor⸗ zubeugen. In der Zelle, worin ſie alle Drei waren, befand ſich in einiger Höhe ein kleines Fenſter, das durch zwei eiſerne Stangen verſperrt war, deren ſie ſich allein zur Aus⸗ führung ihres Vorſatzes bedienen konnten. Es blieb ihnen nur das Problem zu löſen, wie drei Perſonen an zwei eiſernen Stangen ſich hängen könnten. Nach der Stellung, in der man ſie am Morgen fand, ſcheint es, daß der Dritte den beiden Erſten Beiſtand leiſtete, damit ſie ſich vermittelſt ihrer Zöpfe an den eiſernen Stangen erhängten, daß er dann Einen von ihnen von der Stange los machte, indem er mit ſeinen Zähnen deſſen Zopf durchnagte, und indem er ſich des todten Körpers als Stuhl bediente, gelang es ihm, ſich ſelbſt zu hängen, worauf er den Leichnam unter ſeinen Füßen fortſtieß. Das Alles wurde mit ſo großer Ruhe und Stille vollzogen, daß die Schildwache, welche außen unter dem Fenſter ſtand, nicht das Geringſte davon bemerkte. C.

Vom deutſchen Büchermarkt.

Die Erbin von Glen gary, von F. M. v. Waldeck. Leipzig, bei Brockhaus.

Es iſt ein Schauſpiel, kann alſo davon nicht die Rede ſein, bei unſerm beſchränkten Raum über den Werth, oder über die Bühnenmängel deſſelben hier eine kritiſche Unterſu⸗ chung anzuſtellen, dergleichen würde nur die Theater intereſſi⸗ ven können, denen ſolche Stücke zur Prüfung und Aufführung eingeſandt werden, oder die wenigen Theaterfreunde, welche als Specialintereſſe zu den Druckſachen der neuen, noch unbe⸗ kannten dramatiſchen Autoren greifen. In das gebildete große Publicum dringen ſolche Editionen erſt ein, wenn ſie einen ruhmvollen Bühnenerfolg gehabt haben oder wenn ihre Ver⸗ faſſer in der Literatur unabweisbare Perſönlichkeiten ſind.

So mag denn bei Gelegenheit dieſes Stückes nur ge⸗ ſagt ſein, daß es zwar ſehr lobenswerth und willkommen ſein würde, wenn die neueſten Dramatiker ſich mehr einer gedie⸗ genen Proſa zuwendeten, ſtatt ſich in der pathetiſchen Hohl⸗

Novellen⸗Zeitung.

es hingegen immer einen etwas willkürlichen zeriſſenen Ein⸗ druck machen wird, wenn man Vers und Proſa zu gleichmäßig miſcht. Die Methode, die gehobenen Stellen im Jambus, die trivialen Scenen in Proſa zu halten, wie dies ſchon Sha⸗ kespeare that, wird immer ſehr praktiſch bleiben. Nimmt die Proſa zu vielen Raum ein, ſo liegt es in der Conſequenz, ſie lieber ganz durchgeführt zu wünſchen. O. B

Sämmtliche Tragödien des Euripid es. Me⸗ triſch übertragen von Franz Fritze, vollendet von Theo⸗ dor Kock. Verlin, bei Schindler.

Es liegt uns leider von dieſen Uebertragungen nur das ſiebzehnte Heft vor und wir ſind daher nicht im Stande, wie wir es gern gethan haben würden, auf das Geſammte dieſer Arbeit beleuchtend einzugehen. Dieſe Lieferung enthältDie Bakchen oder Pentheus, und es zeigt ſich in den metriſchen Behandlungen und in den Anmerkungen eine ungemeine Ge⸗ wiſſenhaftigkeit und Gründlichkeit der Arbeit. O. B.

Magiſter Timotheus. Novelle von Wilh. Jen⸗ ſen. Schleswig, Schulbuchhandlung von Heiberg.

Ein ſchon durch Ausſtattung und geſchmackvollen Druck Aufmerkſamkeit erweckendes Büchelchen, das mehr in ſeiner formellen Faſſung und einfachen Kürze, als durch die Indivi⸗ rualität des Verfaſſers an Theodor Storm's kleine Erzählun⸗ gen erinnert.

Vergleicht man dieſe Novelle Jenſens mit den meiſten modernen Arbeiten, ſo darf man ſagen, daß ſie ſich durchleichte, gefällige, aber doch charakteriſtiſche Erfindung und ſaubere Ausführung auszeichnet. Die Schilderungen haben Realität, und das Friſche, Naive, was hier und da keck und ſchelmiſch hervorblickt, entſchädigt für die fehlende Fülle von Gedanken, ſowie für Tiefe der Leidenſchaft in Empfindung und poeti⸗ ſchem Ausdruck. Sie wird die Leſer angenehm unterhalten und ſinnigen Gemüthern keine Leere zurücklaſſen. O. B

Die Müllerin. Novelle von Ewald Auguſt König.

3* Inhalt:(Schluß.) Gedichte von C. Walter. Den Univer⸗ ſitätsfreunden. Lied. Literariſche Briefe von Otto Banck.

Feuilleton. Der Regenſchirm des Herrn Thompſon Nach dem Engliſchen von Friedrich Coßmann.(Schluß.) Aus Tilller's Me⸗ moiren. Die Bettler in Spanien und Italien. Das Schwei⸗

heit ihres Jambus einer Selbſttäuſchung zu überlaſſen, daß

gen in einer arktiſchen Nacht. Chineſiſche Geſchichten. Vom deutſchen Büchermarkt.

Redigirt unter Verantwortlichkeit von Otto Sriedrich Dürr in Leipzig Be⸗

4. Bei George Weſtermann in Braunſchweig iſt erſchienen: Allgemeine Moden-Beitung. ½ ge Weſ 16 3 iſi erſch Verlag der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig. 5 Dr. f. Schellen: ˙8 5 2 e a Tanrgenm 9E Das atlantiſche Kabel, . 4 i = Wöchentlich eine Nummer... 4 25 4 19 2.. 58 Fabriration, ſeine Legung und ſeine Sprechweiſe. 8⁴ 9 iſ hon Mir 2 Intereſſan eſter belletriſtiſcher Text. ſetaillirteſte 25 Mit 69 Illuſtrationen in Holzſchnitt. odenberichte 2 Gr. 8. Fein Belinpap. Geh. Preis 1 Thlr. i. In jeder Nummer ein Portrait hervorragender Zeit⸗. Dies, beſonders dem phyſikaliſchen und telegra⸗ genoſſen, oder Landſchaft ꝛc. in prachtvollem Stahlſtich.* zaiſ 84 8 b 1 räauph d 5 3 fyte ch niſchen 83 um 1 11. intereſſante Werkchen, behandelt den wichtigen Gegen⸗ Zährlich 52 höchſt elegante colorirte Original⸗ 615 ſtand zum erſten Male erſchöpfend und mit tiefer Sachkenntniß. 2 Modenbilder des Moniteur de la mode à Paris E Ale Seſbe van peſtelben Verſaſſere Derter derlg letun .. magnetiſche Telegraph, werden dies Buch gleichſam als jeinen = und Herrenmodenbilder. ergazenden Anhang ſicher willkommen heißen. 8 de uon.

aahon Gebraua, vung in Leipzig. Druck von A. Edelmann in Leipzig⸗