Jahrgang 
1-26 (1867)
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ſchweißbedecktem Pferde heran, ſchwang ſich aus dem Sattel und überreichte ſeinem Vorgeſetzten eine ver⸗ ſiegelte Depeſche.

Billot erbrach dieſelbe haſtig und überflog deren Inhalt, ließ aber gleich darauf die Hand, welche das Papier hielt, ſinken und ſchüttelte, indem er den Ca pitän bedeutungsvoll anblickte, traurig den Kopf.

Ihr Anerbieten iſt abgeſchlagen, ſagte er,und ich ſelbſt erhalte die ſtrengſte Ordre, ſofort mit dem Gefangenen aufzubrechen. Ich muß Sie alſo erſuchen, Herr von Oppenhof, mir ungeſäumt zu folgen.

Ich bin hierzu bereit, ſagte dieſer, ſich mit Ruhe und männlicher Feſtigkeit erhebend.

Laſſen Sie die Mannſchaften aufſitzen, Briga⸗ dier, rief der Lieutenant zum geöffneten Fenſter hin⸗ aus, während er ſelbſt ſeinen Hut ergriff und ſich den Gurt ſeines Säbels feſter ſchnallte.

In dieſem Augenblick ſchmetterten ein Dutzend Trompeten hell durch die Luft und ein heiterer Marſch wurde immer deutlicher und deutlicher hörbar.

Was bedeutet das? rief Billot, welcher ſah, daß ſeine Leute beſtürzt und verwirrt die Köpfe zu⸗ ſammenſteckten, indem er eine der Flügelthüren des Salons aufriß und, von dem Capitän und Herrn von Oppenhof gefolgt, auf die Terraſſe ſtürzte.

Von dort aus bot ſich in der That auch ein überraſchender Anblick dar. Um den Vorſprung einer kleinen Anhöhe bog eine dichtgedrängte Reiterſchaar, deren ſchwarze Dolmans und deren mit Todtenköpfen und Roßſchweifen gezierte Czakos den von der Sonne gebräunten, mit Schweiß und Staub bedeckten Geſichtern der Krieger ein noch impoſanteres Anſehen verliehen. Was aber die Anweſenden noch mehr in Staunen ſetzte, und bei jedem Einzelnen unwillkürlich einen Ausruf der Ueberraſchung hervorrief, war Juſtine, die Tochter des Capitäns, welche im einfachen Morgengewande, mit halb aufgelöſtem Haar auf einen höheren Officier von edeler, ſtolzer Haltung, der an der Spitze der Schaar ritt, zuſtürzte, vor ihm auf die Kniee ſank und flehend ihre Armee zu ihm emporſtreckte, während thre lebhaften Geberden den Worten, welche ſie an den augenſcheinlich mit hohem Intereſſe ihr zuhörenden Führer richtete, einen noch größeren Ausdruck ver⸗ liehen.

Von den drei Herren auf der Terraſſe, vor deren verwunderten Blicken dieſe ſonderbare Scene vor ſich ging, war der Capitän der Erſte, welcher ſeinem Er⸗ ſtaunen und wohl auch ſeiner Beſorgniß Worte zu geben vermochte.

Meine Tochter! meine Tochter! rief er, wie kommt denn meine Tochter mitten unter dieſen Haufen Soldaten, und zum Kukuk, Lieutenant Billot!

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Novellen⸗

Zeitung.

ſeit wann hüllen ſich denn die weſtphäliſchen Huſaren vom Kopf bis zum Fuß in Swarz wie die Geſpenſter der Nacht?

Lieutenant Billot aber deehte ſchon ſeit geraumer Zeit an ſeinem Schnurrbart und ſonderbare Gedanken ſchienen ſich in ſeinem Kopfe zu entwickeln.

Das ſind keine weſtphäliſchen Truppen, mein werther Capitän, ſagte Herr von Oppenhof,das iſt die berühmte Todtenkopfſchaar des Herzogs von Braunſchweig, und, ſehen Sie, da kommt er ſelbſt, Ihnen ſeinen Beſuch zu machen.

Wirklich ſchritt Friedrich Wilhelm, Herzog von Braunſchweig, der von Napoleon geächtete, aber von Millionen treuer deutſcher Herzen angebetete Held, gefolgt von einer Anzahl ſeiner Officiere und Juſtine mit edlem ritterlichem Anſtand an der Hand führend, auf dem kürzeſten Wege dem Landhauſe zu. Der Herzog war damals achtunddreißig Jahre alt, von mittler Geſtalt, hatte glattgeſchnittenes, dunkelblondes

Haar und ein Paar blaue, ausdrucksvolle Augen, deren

ſanfter Glanz einen milden Schein über ſein männliches Geſicht verbreitete und ſeinen Zügen jenen Zauber verlieh, welcher in der Regel auf die Herzen Anderer eine ſo Feheimnißvolle Anziehungskraft ausübt.

Der Herzog hatte ſich inzwiſchen genähert und blieb jetzt, noch immer Juſtine an der Hand haltend, am oberen Rande der Terraſſe, dicht vor den drei Männern ſtehen, welche, je nach ihren Empfindungen, dieſer Erſcheinung ihr geſpannteſtes Intereſſe zu⸗ wendeten.

Guten Morgen, meine Herren, ſagte Friedrich Wilhelm mit klarer gewinnender Stimme, indem er ſich leicht verbeugte,Sie haben mich gewiß nicht ſo früh hier erwartet. Aber das Glück iſt uns hold und der Sieg feſſelt ſich an unſere Fahnen. Denn ſehen Sie nur, welche herrliche Eroberung wir ohne Schwertſtreich gemacht haben!

Juſtine, auf welche ſich dieſe Worte bezogen, er⸗

röthete über und über und ſchlug beſchämt die Augen

nieder.

Nein, gerathen Sie nicht in Verlegenheit, mein muthiges, hochherziges Kind, fuhr der Herzog fort, indem ſich ſeine Augen mit ſanftem Wohlwollen auf die junge Dame hefteten,in dieſer Zeit der Noth und der Betrübniß iſt es ein erhebendes Gefühl, das heilige Feuer der Vaterlandsliebe auch in den Herzen edler deutſcher Frauen ohne Furcht und Bangen in heller reiner Flamme auflodern zu ſehen.

Dann führte er ſanft die hold Erröthende ihrem Vater entgegen, legte ſie halb in deſſen Arme und fügte mit bewegter Stimme hinzu:

Nehmen Sie aus meinen Händen mit Stolz

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