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Recht öffentlich aufzutreten.“
proceſſiren?“
thun, wenn—“
bebenden Lippen:„Sie werden es nicht, denn ich ſchieße Sie nieder!“ Duresnelle ſpannte den Hahn, Wallberger ſprach ruhig, ſeinen Gegner feſt anblickend: „Thue es, wie Du einſt den Grafen Bichovski nieder⸗ ſchoſſeſt.“ Der Schloßherr ließ die Hand, welche die Piſtole hielt, ſinken.„Ferdinand!“ ſagte der Doctor weich. Da warf der leidenſchaftliche Mann die Waffe fort und convulſiviſch ſchluchzend ſtürzte er mit dem Aus⸗ rufe:„O Emil, Emil!“ in des Doctors Arme.
„Jetzt fühle ich mich von einer ſchweren Laſt be⸗ freit,“ ſprach Ferdinand, wie wir ihn jetzt nennen wollen.„Du mußt dieſe Nacht bei mir bleiben, mir Alles ſagen, was Du von mir weißt, und meine Ge⸗ ſtändniſſe hören.“
„Ich will bleiben, doch erſt muß einer Deiner Diener für mein Pferd geſorgt haben.“
„Alle ſind im Dorfe bei einem Kindtaufſchmauſe
„Zu was die Verſtellung! Ich ſage Dir ja, und
Du weißt, mir iſt zu glauben, ich komme als alter Freund, ſtelle Dich nicht als Feind mir gegenüber, ſonſt zwingſt Du mich für Edmund von Roſenhaag's
„Ich weiß nicht, was Sie wollen, welchem Ge⸗ rüchte Sie trauen, oder welches Geſchwätz Sie ver⸗ anlaßt haben. Was ſpricht die Welt von mir, das heißt die Leute in der Gegend, und wer will mit mir
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„Niemand, Ferdinand, Niemand; ich bin der Ein— zige, welche Dich kennt, der Einzige, welcher mit Erfolg gegen Dich auftreten kann, ich werde es nicht
Während dieſer Worte hatte der Schloßherr raſch eine Piſtole von der Wand genommen und rief mit
bis auf meinen ſtummen Wendelin, ihn will ich läuten.“
„Thue es, aber ich will es ſelbſt mit abholen und in den Stall führen ſehen.“
Als Wallberger nach einer kleinen Viertelſtunde aurück kam, welche er dem Schloßherrn als Sammel⸗ 1 mei gegönnt hatte, flammte das Feuer hell im Kamin,
der Theeapparat war von Ferdinand herbeigeholt worden, und beide Univerſitätsfreunde ſaßen in be⸗ 1 quemen Lehnſtühlen einander gegenüber.
Nachdem Wallberger dem Schloßherrn die ver⸗ ſprochenen Mittheilungen gemacht hatte, ſagte dieſer: „Du hältſt mich vielleicht für einen Mann, der dieſes Schloß, und was dazu gehört, mit Unrecht beſitzt, den iſt aber nicht ſo. Höre mich an. Meinen Vater habe ich nicht gekannt, meie Mutter war eine ſehr ſchöne, geiſtvolle Frau Duünd zugleich eine bedeutende Schau⸗ ſpielerin. Sie lebte ſehr luxuriös, aber ſo eingezogen, daß ſie in L. dem Publicum nur von der Bühne be⸗
lauben, Du biſt ein Kind der Liebe!⸗
ſtrator war ein moraliſcher Mann. Wir traten in den Schloßhof, wurden gemeldet und vorgelaſſen.
Novellen⸗Zeikung.
kannt war. So lange ich zurückdenken kann, erinnere ich mich, ſie niedergeſchlagen und oft in Thränen geſehen zu haben. Zuweilen drückte ſie mich leiden⸗ ſchaftlich an ſich und rief: ⸗Du armes Kind, was wird einſt aus Dir werden, wenn ich nicht mehr bin!⸗ Sie liebte mich ſehr, erfüllte alle meine Wünſche und beſaß die Mittel dazu. Als ich neun Jahre alt war, ſtärb ſie. Man forſchte nach Verwandten von ihr, ver⸗ gebens. Fremde Leute behaupteten, ich weiß nicht ob mit Recht oder Unrecht, Forderungen an die Ver⸗ ſtorbene zu haben, ihr Nachlaß ward verſteigert und ich, den die Behörde doch nicht todtſchlagen konnte, einem armen Regiſtrator übergeben. Man würde mich ſicher⸗ lich in meinen Geburtsort geſchafft haben, allein es fand ſich kein Taufſchein von mir unter den Papieren meiner Mutter. Einige Briefe hatte der Regiſtrator gefunden und auf die Seite gebracht.
In meinen neuen, höchſt einfachen Verhältniſſen fühlte ich, ein verzogener, an Eleganz und Tafelgenüſſe gewöhnter Knabe, mich höchſt unglücklich; zum Glück hatte ich Fähigkeiten, beſuchte die Schule gern und freute mich, wenn die Lehrer mir prophezeieten, daß, falls ich ſo fortfahre, mit der Zeit ein tüchtiger Mann aus mir werden könne. Als ich ſechzehn Jahre alt war, hatte der Regiſtrator das kleine Capital, welches die Be⸗ hörde ihm für mich gegeben hatte, verbraucht. Er ſagte mir dies freundlich, befahl mir, mich reiſemäßig anzukleiden, meine beſten Kleider einzupacken, und reiſte mit dem gewöhnlichen Poſtwagen mit mir nach Waldau.“
„Hierher nach Waldau?“..
„So iſt es, lieber Emil, ich muß Dich heute mit— Deinem Spitznamen nennen, obgleich Du tapfer wie Dein Schutzpatron und Namensbruder St. Georg biſt. In Waldau ſtiegen wir in der Krone ab, ich mußte Toilette machen, dann, nachdem wir ein be⸗ ſcheidenes Mahl zu uns genommen hatten wir den Weg nach Roſenhaag ein. Al Schloß neugierig betrachtete, ſagte m ⸗Jetzt kommt ein wichtiger Augenblick, Du wirſt dei Baron Roſenhaag, dem Herrn dieſes Schloͤſſes, vor⸗ geſtellt werden, er iſt Dein Vater!⸗
„O, alſo ich werde Sie nun verlaſſen und fort⸗ an in dieſem Schloſſe wohnen?, rief ich aus, mehr erfreut als betrübt, obgleich ich den Regiſtrator lieb hatte. „Zähle daraufnicht, Ferdinand, denn die jetzt lebende ronin von Roſenhaag wird das vielleicht nicht er⸗
Ich wußte nur halb, was das war, der Regi⸗
Der Baron von Roſenhaag kam auf den Regi⸗
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