Jahrgang 
2 (1858)
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allen Seiten winkten. Ueberall Freude, Jubel, Leben im Palaſt des Reichen, wie in der Hütte des Armen.

Unter dem Häuſermeer ſtand nur eines, beinahe das größte in der Reihe, 1

welches dunkel und finſter war. Sein Beſitzer, ein allbekannter Geizhals und Wucherer, lag krank und ſterbend darnieder.

Niemand war bei ihm, als ſein treues Ebenbild, ein alter, ſchwarzer Diener,

ebenſo menſchenfeindlich, tuͤckiſch und verworfen, wie ſein Herr. Da ſchrie end⸗ lich, unter der Höllengluth eines qualvollen, tödtlichen Fiebers der Todtkranke nach dem Arzte, deſſen Beſuch er ſtets mit Entrüſtung als unnöthig und koſt⸗ ſvung abgelehnt. Jetzt aber war der Schmerz zu groß, die Fieberhitze wahrhaft hölliſch. Zögernd ſchlich der tückiſche Sclave fort, um den Arzt herbeizurufen. Dieſer kam endlich nach einer qualvollen Stunde und ſchauerte ſchreckhaft zuſam⸗ men, als er in die eiskalte Stube trat, noch mehr aber, als er dem Kranken in das bleiche Antlitz ſah, auf dem bereits ein kalter Todtesſchweiß perlte,

„Bitte, geben Sie mir die Hand, lieber Herr,“ bat er,„ich will Ihren Puls unterſuchen.“

„Geben? Geben?“ ſprach dieſer, ſchon irre durch den Todeskampf.„Ich bin ein armer Mann und kann nichts geben,“ und damit zog er die Hand zurück. Dieſe fiel ſchlaff an der Seite nieder. Der Tod ſchien die Qual ſeines Leibes gebrochen zu haben.

„Unbarmherziger Wucherer,“ murmelte der Arzt,„der das Blut von Wittwen und Waiſen getrunken, ihr Hab und Gut verſchlungen, die arme Schweſter um ihr Erbe betrogen, den einzigen Sohn grauſam in's Elend geſtoßen, du haſt empfangen, was du verdient; den Fluch aller Deiner Schlachtopfer, die Ver⸗ achtung des Redlichen bei deinem Leben, und jetzt einen Vorſchmack der Hölle, die dich eben in ihren Pfuhl aufgenommen.“

Mit kalter Verachtung drehte er ſich und ging von der Stätte des Fluches. — Aber der reiche Geizhals war nicht todt, ein Starrkrampf nur hielt ihn ge⸗ feſſelt und krampfte alle ſeine Glieder und Nerven zuſammen, ſo daß er ſich nicht rühren und regen konnte. Mit Entſetzen wurde ihm endlich ſein Zuſtand klar. Da wollte er laut aufſchreien, aber ſeine Stimme verſagte; er machte Verſuche, ſich zu erheben; Alles vergebens.—

In dieſer verzweiflungsvollen Lage bot ſich ihm ein neues entſetzliches Schau⸗ ſpiel dar. Sein ſchwarzer Diener leuchtete und grinzte ihm hohnlächelnd in's kalte Todtengeſicht und flüſterte:„Alter Blutſauger, hat dich Satan endlich in ſeinen Klauen?— Er mag dich nur feſt halten, ſonſt kommſt du wieder, wenn du ſiehſt, wie ich jetzt aufräumen will. Her mit dem Geldſchlüſſel, kann dir nichts mehr nützen! Ei, ſieh doch, hält das alte Knochengerippe doch ſo feſt, als ob es noch lebte und wüßte, was jetzt geſchehen ſoll. Nein, iſt es denn möglich, ich kriege den Schlüſſel nicht aus ſeinen Krallen. Ja, ja, an dem, was dieſer verſchloß, hing ſeine Seele. Den Schlüſſel muß ich haben, und ſollte es noch etwas Anderes koſten.“

Mit dieſen Worten ergriff er ein kleines Holzbeil vom Hinterofen, holte aus über den Scheintodten, um ihm die Hand mit dem Schlüſſel herunter zu ſchlagen.—

Da endlich wandt ſich ein Angſtgeſchrei aus deſſen röchelnder Bruſt; mit ihm floh der entſetzliche— Traum. Ja, ein Traum war das Ganze geweſen; nur ſein Geiz und Wucher war ſchreckliche Wahrheit.

Aber mit der Wucht des Alpdrucks war auch der Geizteufel von ihm ge⸗ wichen, die harte Rinde ſeines habſüchtigen Herzens geborſten. Da kamen die Engel und dienten ihm.

Er ſtand auf;— es war am Neujahrsmorgen— kleidete ſich an mit einem unnennbaren Wonnegefühle und wunderbar, ohne bemerkbare Schwäche und Krank⸗

eit, murmelnd:„Was werden ſie nur ſagen? Ob ſie ſich wohl freuen werden? ch denke doch! Und die gute Schweſter Zilda, ach ich habe unendlich viel gut