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90 Tauſend Fliegen, welche in einem einzigen Sommer von Einem Paare ent⸗ beben⸗ können, da ſie zu ihrer vollſtändigen Entwicklung nur etwa vier Wochen edürfen.
Mit den Samenkörnern einer Sonnenblume oder einer Mohnpflanze würde aber im Verlaufe einiger Jahre auch die ganze Erde beſäet werden können. Und wir haben auf der einen Seite dem Schöpfer zu danken, daß er einen ſolchen Ueberfluß aus einem einzigen Lebenskeime hervorwachſen läßt, auf der andern Seite aber einen gleichen Dank ihm zu bringen, daß er weiſe und gnädig der Fruchtbarkeit gewiſſe Gränzen ſetzte und daß eine Creatur der andern immer entgegenſteht, damit keine ausſchließlich die Oberhand gewinnt. Denn wie ſehr wir' uns einer geſegneten Erndte erfreuen und ſie von Gott erflehen; was ſollte es mit uns und unſern Speiſevorräthen werden, wenn keine Feinde dem Ge⸗ deihen der Schmeißfliege Einhalt thäten.
Ein höchſt bedeutſamer Umſtand fällt noch bei dem Samenkorn auf, und das iſt der Mangel an freier Bewegung oder mit andern Worten, das ewige Geſetz, daß die Pflanze im Allgemeinen an einen beſtimmten Ort gefeſſelt iſt, den ſie aus freiem Willen nicht verlaſſen kann. Nun iſt das in Hinſicht der Pflanze ſehr nothwendig, ſonſt müßten wir unſern Feldern eben ſo gut einen Hirten ſetzen, der ſie huͤtete, wie unſere Heerden. Obgleich man zuweilen ge⸗ nöthigt iſt, auf die Felder, wenn auch nicht einen Hirten, doch einen Wächter zu ſchicken, beſonders des Nachts.
In Beziehung auf den Samen aber iſt eine gewiſſe Fähigkeit, den Ort zu verlaſſen und einen andern aufzuſuchen wegen der Verbreitung der Gewächſe ſehr wichtig, und wir finden, daß die Natur Alles gethan hat, um dieſen Zweck zu erreichen, ohne doch die Pflanze oder vielmehr das Samenkorn zu einem wirklichen Thier mit freier Bewegung zu machen. Der Baum breitet ſeine Aeſte aus, damit ſeine Früchte nicht unmittelbar an dem Stamme niederfallen, ſondern weit von demſelben einen geeigneten Boden finden, ſich zu entwickeln. Wo dies weniger der Fall iſt, wie bei der Tanne, die auf majeſtätiſchem Stamme nur nach oben ſtrebt, da bilden ſich die Samenkapſeln meiſt in der Spitze, hängen frei an dem äußerſten Ende der Zweige, ſo daß ſie dem Winde von allen Seiten preisgegeben ſind, und damit dieſer noch mehr auf ſie einwirken könne, erhielt der Samenkern zwei dünne flügelartige Anhängſel, mit welchen er wirklich eine Zeit lang in der Luft ſchweben und von ihr fortgetragen werden kann, wie ein Vogel oder ein Schmetterling.
Andere Samen beſitzen noch eine weit kunſtreichere Vorrichtung, vermöge deren ſie ſich bei dem leiſeſten Winde erheben und weit hinweg geführt werden. Am oberen Ende des Kerns ſteht nämlich ein dünner leichter Stab, auf deſſen Spitze wächſt eine Menge feiner Röhren, die kronen⸗ oder ſtrahlenförmig ſich aus⸗ breiten und an beiden Seiten mit zahlloſen feinen ſteifen Haaren verſehen ſind. Dieſes bildet zuſammengenommen eine Art Kugel, die der Luft eine Fläche darbietet, aber zugleich ſo fein und leicht iſt, daß ſie von derſelben bewegt werden kann. So ſchwebt denn das Samenkorn gleich einem kleinen Luftballon dahin, während der un⸗ tere eigentliche Kern das Schiffchen oder der Ballaſt iſt, damit es nicht etwa umſtürzt, ſondern beim Herab⸗ ſinken auf die Erde ſtets ſo fällt, daß das Samenkorn Wurzel ſchlagen und ſich entwickeln kann. Am bekann⸗ teſten iſt in dieſer Hinſicht der Löwenzahn(Leontodon taraxacum), allein noch ar viele Samenkörner von andern Pflanzen haben eine ganz ähnliche Bildung. In der Inſektenwelt findet man ſie an den Fühlern einiger Mücken z. B. der Gattung Culex, ꝛc. Doch können ſie dieſen kaum zur Erleichterung des Flie⸗ gens gegeben ſein, da ſie den Weibchen wieder mangeln, und müſſen demnach eine andere Beſtimmung haben.


