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ment. So verwelkt waren ſeine Hüte, ſo trübſelig ſeine Gewehre, ſo anſpruchs⸗ los ſeine einzige Fahne und ſo heiſer und übel bedient die zwei Trommeln, die bei Aufzügen vor ihm hergetragen wurden. Und ergänzt wurde es theils mit angeworbenen Rekruten und theils mit den ehelichen Sprößlingen der Unter⸗ officiere. Das fröhliche Aufſchießen ihrer Söhne hatte daher auch den Orten⸗ berger Müttern ſeit dem dreißigjährigen Krieg keine Sorge mehr gemacht, und wenn es auch ſo ſchnell ging, wie bei den Weiden am Bach, und ſo gerade ausfiel, wie an der Königskerze im ſonnigen Schlag.
Da erſchien aber an dem Horizonte der Glücklichen ein preußiſcher Werber und ſtellte der unerfahrenen Jugend Netze, bald da und bald dort an der nahen Gränze. Als ihm vollends das erſte Stadtkind von Ortenberg in die Schlinge gegangen war, geberdeten ſich die Mütter vor den andern erwachſenen Söhnen, wie der Sperling mit ſeinen Jungen im Garten, wenn die Katze unter den Kohlblättern lauert. Sie trippelten hin und her, und warnten, und verwünſchten den Seelenverkäufer, und mehr als eine geballte Fauſt wurde nach der Gegend gerichtet, wo er gerade mit ſeinen blanken Thalern, Spielleuten, tanzluſtigen Dirnen und ſonſtigen Lockvögeln ſein konnte.
Da, wo er ſeine Fähnlein mit dem ſchwarzen Adler nicht aushängen oder aufſtecken durfte, hatte er den einen oder den andern Zuführer. In Ortenberg war es ein Menſch, den ſie nach ſeinen rothen Haaren den Röthel nannten. Sie hätten ihn aber auch den krummen Fritz nach ſeinen Füßen, oder den buck⸗ lichten Friedel nach ſeiner hohen Schulter, oder den einäugigen Frieder nach dem einzigen Fenſter im Kopf heißen können, das ihm die Kinderblattern ge⸗ laſſen hatten. Denn Gott hatte ihn nach allen Seiten gezeichnet und ihm vorn wie hinten Warnungstafeln angehängt, worauf mit großen Buchſtaben geſchrie⸗ ben ſtand:„Hütet euch vor dem.“ Und dennoch hatte er eine große Kundſchaft. Weiber, die abſeits ihrer Männer mit dem Leihhaus Geſchäfte machten, be⸗ trunkene Spieler, denen es an dem dritten oder vierten Mann fehlte, der eine oder der andere verlorene Sohn, der das väterliche Erbe auf der Schnellpoſt expediren wollte, Alle, die nicht wußten, was ſie bei ihren Affären mit einem ehrlichen Mann thun ſollten, und Andere ihres Gelichters gaben ihm ſo viel zu verdienen, daß er die Weberei, die er erlernt und eine Zeit lang getrieben hatte, an den Nagel hängen konnte. Ob er dabei war oder nicht, als der ſchwere Geldſack des Hofmetzgers Füße bekam und die Kammerthüre hinter ſich offen ließ, wußte er ſelbſt am beßten. Seine Mutter ſagte den Tag darauf, als Lärm geſchlagen wurde, ungefragt Allen, die ihr in den Weg kamen, ihr armer Kerl der Fritz hätte die ganze vergangene Nacht Leibreißen gehabt und ſich in ſeinem Bett gekrümmt, wie ein Wurm.
Dieſer Rothſtift von Ortenberg trat eines Abends zu dem Sohn der Brod⸗ hüterin, der ein Büttnergeſelle war und mit aufgeſtülpten Hemdärmeln unter der Hausthüre ſtand. Denn der junge Menſch machte ein Geſicht, wie Haman, als er den Mardachai, den Juden, durch die Straßen der Reſidenz führen mußte. Die jungen Herren aber, die mit ihren Aeltern ſchmollten, hatten dem Röthel ſchon viel zu verdienen gegeben, und deßwegen klopfte er an den Eſſig⸗ topf, um zu hören, was für einen Ton er gebe, und ſagte„Kobel, dir hat gewiß die Henne das Brod genommen?“
Der Sohn der Brodhüterin antwortete, das Leben ſei ihm zuwider. Seine Mutter behandle ihn noch immer, wie einen Buben, und wolle ihn das ſpaniſche Rohr ſeines ſeligen Vaters nicht tragen laſſen, bis er Meiſter geworden wäre. Was die Leute dazu ſagen würden, ſage ſie immer; er aber kümmere ſich um die Leute gar nichts, und ihm ſei es einerlei, was ſie ſchwätzten. Er ſehe nicht ein, warum überhaupt nicht Jeder ein Rohr tragen dürfe, der es bezahlen könnte.
Dabei ſpuckte er voll Aerger ſeitwärts aus, und der Rothſtift fand dadurch Zeit einzufallen und zu ſagen:„Wenn ich ein Enocks⸗Kind wäre, wie du, ein ſolcher Goliath, dann hingen mir alle Spanier in Ortenberg gut. Ich thäte mich in einen Rock des Preußenkönigs ſtecken laſſen. Bei dem gelten die großen


