Jahrgang 
1 (1858)
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Dies und Das.

Wie es zweien deutſchen Kaiſern mit ihren Gläubigern erging. Schuld bringt Un⸗ geduld, ſagt ein altes Sprüchwort, und mit dem Worte: Ungeduld, das bloß wegen des Reimes ſteht, wird eben alles Unheil bezeichnet, das der heilloſen Quelle der Schuld entſpringt. Selbſt Schuld in Beziehung auf Darlehen, Geldſchuld, bringt Ungeduld. Das erfuhren einmal zwei deutſche Kaiſer, denen es in früheren Tagen auch einmal knapp mit dem Gelde ging, wie andern ehrlichen Leuten, beſonders zu dieſer Zeit! Als Kaiſer Friedrich der Dritte anno 1474 vom Reichstage in Augsburg wegzog, und gen Würzburg ziehen wollte, rotteten ſich die Schmiede, Schneider, Sattler und Schuſter zuſammen, denen der Kaiſer namhafte Summen für gelieferte Arbeit ſchuldig geblieben war, und paßten ihm bei Günzburg auf, ſpannten ihm die Pferde vom Wagen und als ſich die adelichen Herren und Ritter des Gefolges für den Kaiſer wehren wollten, empfingen ſie von den handfeſten Handwerkern Püffe, die manch blaues Mahl zurückließen. Hatte Gewalt nichts geholfen, ſo halfen hintennach gute Worte gar Nichts. Wohl oder übel mußte ſich der arme Kaiſer in ſein Schickſal ergeben, bis die Schuld, welche ſich auf 6736 Gulden belief, von den Augsburger Kaufleuten und denen noch andrer Städte vorgeſchoſſen, und die ſteinharten Gläubiger bezahlt worden waren. Nicht viel anders erging es anno 1350 dem Kaiſer Carl dem Vierten. Den hatte die Kaiſerwahl und was drum und dran hing, arm gemacht. Als er nun in dem genannten Jahre nach einem Reichstage die Stadt Worms ver⸗ laſſen wollte, wo er bei den Metzgern, die das Fleiſch an den Kaiſerlichen Hof geliefert, tief in der Kreide ſaß, rotteten ſich dieſe derben Geſellen, von Einem angeführt, der am Meiſten zu fordern hatte, zuſammen und ließen den Kaiſer nicht aus der Stadt. Auch jetzt wollten die Ritter drein ſchlagen, aber es bekam ihnen übel und erſt, als der Biſchof von Worms das Geld ſchoß und des Kaiſers Schulden zahlte, konnte er ungehemmt abziehen.

Ein ſeltſamer Wegweiſer. Reiſende in Afrika haben in den endloſen Ebenen der Cap⸗ colonie große Leiden in der heißen Jahreszeit zu erdulden. Die Reiſe auf den ſchweren Wagen, welche Ochſen ziehen, geht nur langſam voran. Das mitgenommene Trinkwaſſer verdirbt leicht und die drückende, furchtbare Hitze bringt brennenden Durſt; auch die Lebensmittel verderben leicht da treten Nothſtände ein, die ſchauderhaft zu nennen ſind, denn die Zugthiere ſterben vor Durſt und derſelbe ſchauderhafte Tod erwartet ſicher den Reiſenden, wenn er nicht eine Quelle erreicht, bei der menſchliche Wohnungen nicht fehlen. Da iſt oft ein Straußenneſt mit 40 bis 50 großen, köſtlichen Eiern eine Gotteshülfe. Aber ſie ſind ſchwer zu finden, da der ſchlaue Rieſenvogel ſie, wo möglich, unkenntlich macht, und es meiſt nur Aushöhlungen im gluthheißen Sande ſind. Sitzt er nicht brütend darauf, ſo ſind ſie noch ſchwerer zu entdecken, und ſelbſt, wenn dieß geſchieht, gelingt es nicht leicht, denn der Vogel legt, wenn er Feinde in der Ferne ſieht, ſeinen Hals flach auf die Erde, ſo, daß er nur ſchwer zu entdecken iſt. Beobachtet aber der Reiſende einen einzelnen, in der Luft ſchwebenden, weißen Geier, ſo iſt der ihm ein ſicherer Wegweiſer zu einem Straußenneſt mit Eiern. Hat nämlich der hoch in der Luft ſchwebende, ungemein ſcharf ausſchauende Geier einen brütenden Strauß entdeckt, ſo wartet er, bis der Vogel die Eier verläßt, um nach Nahrung auszugehen. Sind die Eier bloß, ſo ſtößt er zur Erde, nimmt einen Stein in ſeinen Krallen mit empor, ſchwebt grade über dem Neſte, und läßt alsdann den Stein mitten in das Neſt herabfallen, weil er nur ſo die dicke, harte Schale des Straußeneies zerbrechen kann, an der ſein ſcharfer Schnabel umſonſt ſich abmühen würde. Der herabfallende Stein zerbricht einige Eier, die nun der Vogel ſchnell verzehrt. Folgt der Reiſende dieſem Wegweiſer, ſo werden die Eier ſeine ſichre Beute, und ſeine Noth iſt für's Erſte gehoben, denn des Eies Flüſſigkeit lindert die Qual des Durſtes und gibt eine ſtärkende, wohlſchmeckende Nahrung.

Ein Leibgericht der Mexikaner. Es iſt in der That verwunderlich, wenn man hört, welche Dinge der Menſch oft mit großem Wohlgeſchmacke verzehrt, ja man muß es geſtehen, daß Unſereinem dabei der Appetit gründlich vergeht. Das iſt z. B. der Fall, wenn man ver⸗ nimmt, daß die Chineſen die Ratten mäſten und dann als Leckerbiſſen verſpeiſen; daß man auf der Inſel Manila Nichts köſtlicher findet, als ein Beieſſen von Fledermäuſen und gebra⸗ tenen Eidechſen, und auf der Inſel Ceylon und auch anderwärts das Fleiſch der Rieſenſchlange außerordentlich beliebt iſt. Allein über das Alles reicht doch ein Lieblingsgericht der heutigen Mexikaner ungleich weiter hinaus. Es iſt dieß ein Kuchen oder Fladen, den ſie hotle nennen. Er wird aus Wanzeneiern bereitet! Und dieſe Speiſe iſt in Mexiko ſeit Jahrhunderten beliebt. Herr Guérin⸗Méneville, ein ſehr gelehrter Franzoſe, berichtet über dieſen Hotlekuchen, daß er aus den Eiern von drei Sorten Waſſerwanzen beſtehe, die man in Mexiko häufig finde. In den kleinen Seen und andern Gewäſſern des Landes wächſt nämlich eine Art Binſen, auf welche dieſe Waſſerwanzen ihre Eier gerne legen. Um die Eier, welche dieſe ekelhaften Inſekten legen, in größerer Zahl zu gewinnen, ſchneiden die Mexikaner dieſe Binſen ab und legen ſie in Bündeln und in langen Reihen an den Rand des Waſſers, doch ſo, daß ſie in das Waſſer hineinreichen. Nun kommen die zahlreich dort lebenden Waſſerwanzen, legen ihre Eier auf die Büſchel der Binſen und flugs t der Mexikaner da, ſammelt vorſichtig die Büſchel, ſchüttelt die Eier auf Tücher ab, trocknet ſie und nachdem er ſie durchgeſiebt, um Anderes davon zu ſcheiden, verwendet er ſie zu Kuchen oder verkauft ſie auf den Märkten, wo ſie gut bezahlt werden.

Ländlich, ſittlich, ſag' ich dabei; aber wenn mich ein Mexikaner zu Gaſt lüde? Was meint Ihr, liebe Leſer?