Jahrgang 
1 (1858)
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genommen haben. Auch mit dem Fremden ſetzen ſie ſich gern auf Du und Du, und, wenn dieſer Spaß verſteht, ſo kann er ſie auf das Beſte in Zug bringen, wird aber auch bald ihre Grobheit merken, wenn er vornehm thun und von oben herab mit ihden verkehren will. Man neckt ſie oft damit, daß ihr Land von dem größeren Kanton St. Gallen rings umſchloſſen ſei, ohne dieß wären ſie nicht zur Ruhe gekommen.Ja, entgegnen ſie,unſer Kanton liegt wohl darin, aber wie ein Dukaten in einem Kuhfladen.

Manche Antworten ſind wirklich ausgezeichnet und würden ſich in der Tra⸗ dition fortpflanzen, auch wenn ſie nicht gedruckt worden wären. Wir führen hier nur folgende an:

An einer Tagſatzung der 13 alten Kantone fragte der Präſident, nachdem er die Meinung der einzelnen Abgeſandten vernommen, zuletzt auch noch mit einiger Geringſchätzung den Appenzeller Geſandten, der, ein einfacher Bauer, ziemlich unbeachtet dageſeſſen hatte:Nun, und was dünkt euch gut?Honig und Küchlein! antwortete der Geſandte, als hätte es ſich um die Leibſpeiſe der Appenzeller gehandelt. Alles lachte; der Präſident aber fragte nun höflicher, welches ſeine Meinung im vorliegenden Rechtsfalle ſei und erhielt nun auch die rechte Antwort.

Ein anderer Appenzeller Geſandte, ein Glaſer von Profeſſion, wurde von einem Herrn aus den Landvogteien, der ihm den Vorſitz bei Tiſche mißgönnte, ſpöttiſch gefragt, wie viel man jetzt für das Einſetzen einer Scheibe bezahle? Vier Batzen zu Hauſe lautete die Antwort,wenn ich aber ausziehen muß, ſechs Batzen und dann(ſeinem Frager auf die Achſel klopfend) gebe ich einen Hornaff obendrein. Hornaff hieß das dreieckige Stück Glas, das zwiſchen die früͤher üblichen runden Scheiben kam, und der Fragende hatte nun die Wahl, auf wen er denHornaff beziehen wollte.

Ein Landammann traf im Wirthshaus mit dem Hauptmann K. v. U. zu⸗ ſammen. Während jener eine tüchtige Portion Stockfiſch zu verzehren ſich an⸗ ſchickte, fragte er den Hauptmann, ob derſelbe nicht auch Stockfiſch eſſen wolle? Ich mag ſie nicht, antwortete dieſer.Das iſt nicht ſchön, bemerkte der Land⸗ ammann,wenn die Brüder einander nicht mögen!Doch ſchöner, entgegnete der Hauptmann,als wenn ſie einander freſſen.

Eine Appenzeller Gemeinde, die wenig Mannſchaft hatte, ſtellte ihre Män⸗

ner bei der Muſterung alle in eine Fronte. Da man ſe deßhalb aufzog, be⸗ merkte Einer: Wir haben keine wüſte(ſchlechte), die man müßt hintre(hintenan) tellen! 1 Bei einer anderen Inſpection bemerkte der eidgenöſſiſche Oberſt dem appen⸗ zeller Offizier, die Krägen an den Röcken der Leute ſchienen ihm ſehr ungleich zu ſein. Der Offizier antwortete: das komme daher, weil nicht alle Soldaten ordonnanzmäßige Hälſe hätten.

Ein Bettler zog mehrere Mal etwas ungeſtüm an einer Hausſchelle. Un⸗ willig trat der Hausbeſitzer an's Fenſter und rief: Marſchier fort, und komm mir nie wieder vor's Haus!Recht Herr erwiederte der Bettler,eben kam ich, um Abſchied zu nehmen.

Bei der letzten Naturforſcherverſammlung zu Tragan(im Sommer 1857) bewunderte der Rathsherr P. Merian aus Baſel die Behäbigkeit der Appenzel⸗ ler, die wohl nicht von lauter Bergſchotten(Molken) herrühren möchte:Sie machen es meinte erwie die Wegweiſer und die Pfarrer, beide zeigen den rechten Weg, gehen ihn aber ſelber nicht! Ein Appenzeller blieb die Ant⸗ wort nicht ſchuldig, indem er fragte: Wiſſen Sie aber auch, worin ein Weg⸗ weiſer und Basler Rathsherr unähnlich ſind? und die Frage beantwortete:die Wegweiſer ſtrecken ihre Hände aus, die Basler behalten ſie im Sack! Die rei⸗ chen Basler ſind alsGeldſäcke bekannt! obſchon der Witz auf Herrn Merian und die vielen wohlthätigen Reichen in Baſel nicht paßte, ſo gab er doch Zeug⸗ niß von der ſteten Zungenbereitſchaft der witzigen Appenzeller.