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mich ſchon im zweiten Jahre in den Oberſchenkel. Mit dem Reiten, ich diente nämlich in der reitenden Artillerie, war's am Ende. Ich bekam meinen kahlen Abſchied und konnte, wenn es mir beliebte, heimgehen.
So weit habe ich Ihnen mein äußeres Leben erzählt, jetzt muß ich meines Innern gedenken. Wie im Außern, ſo waren auch im Innern mancherlei Ver⸗ änderungen mit und in mir vorgegangen. Im Hauſe meines Handwerksmeiſters herrſchte loſe Sitte, oder, daß ich es beſtimmter bezeichne, viel Gottloſigkeit.
In meinem Alternhauſe wurde nie das Morgenbrot gegeſſen, ohne daß mein lieber Vater aus dem Starkenbuche, wie wir das treffliche Gebetbuch von Stark in unſerer Gegend nennen, den Morgenſegen gebetet hätte. Dabei ſtanden alle Hausgenoſſen im Kreiſe. Ich kann Ihnen nicht ſagen, was dieſer heilige Brauch ein Segen für uns alle war. Man ging ſo freudig an ſein Tagewerk! Man wußte, daß nun Gottes Gnadenauge über Einem wachte und daß ſein Segen auf der Arbeit ruhete. Ebenſo wurde nach dem Abendeſſen und vor dem Schlafengehen der Abendſegen vom Vater im Kreiſe der Familie gebetet und ruhig legte man ſich nieder in der Huth des Herrn.
Daß das Tiſchgebet geſprochen wurde, und zwar von mir, verſtand ſich von ſelbſt, und wie das Gebet zur Stunde des Gebetsläutens gepflegt wurde, habe ich Wnen ſchon erzählt.
So war's an den Werktagen. Am Sonntage gingen wir zweimal zur Kirche und am Nachmittage wurde in der heiligen Schrift geleſen bis um vier Uhr, dann durften wir Kinder hinaus und auch die Altern gingen zu den Ge⸗ freundten und treuen Nachbarn. So war die ehrwürdige Väterſitte im ganzen Dorfe und der treue Pfarrer hegte und belebte ſie. Dieß fromme Gebetsleben im Hauſe hatte einen geſegneten Einfluß auf mich und mein Gemüth. Ich war fromm von ganzer Seele, und Herz und Leben war rein.
Da kam ich zu dem Meiſter. Heiliger Gott, welch ein Unterſchied! Beten? Nein, daran dachte Niemand, als etwa die arme Meiſterin, die ein Höllenleben zu ertragen hatte, da der Meiſter regelmäßig um Mittag trunken und Abends aus Rand und Band war. Als ich leiſe am Tiſche betete, wurde ich ſo lange verhöhnt— bis ich es ließ—. Bibelleſen am Sonntage?— Du lieber Gott, es war keine Bibel im Hauſe! Den Sonntag heiligen und zur Kirche gehen? Daß ſich Gott erbarme!
Bis Mittag wurde im Hinterhauſe gearbeitet, aber nur ſolche Arbeit be⸗ trieben, die keinen Lärm und Aufſehen machte. Ueberdieß war es ein Filialdorf und wir hatten eine ſtarke Viertelſtunde zur Kirche. Man war müde um Mittag und der Schlaf, ſo ſüß der Jugend, verlockte ſich ihm hinzugeben.— So ver⸗ gingen Monate, ehe ich Gottes Wort hörte, aber Fluchen und Drangſaliren, Kollern und Schimpfen, das hörte ich vom Morgen bis zum Abende, am Werk⸗ tage und am Tage des Herrn und zum Weintrinken wurde ich methodiſch abge⸗ richtet, denn es— koſtete den Meiſter Nichts.
Anfäͤnglich war mir dieß Leben ein Greuel, und ich meinte, ich müßte ver⸗ gehen. Ich wollte fortlaufen; aber mein Vater duldete das nicht und ſagte: Es iſt eine Prüfung für deinen Glauben und deine Gebetstreue!
Ich blieb; aber Sie wiſſen, wie gefährlich einem jungen Menſchen böſe Beiſpiele ſind. Wie abſcheulich es mir auch anfänglich erſchien; ich gewöhnte mich nach und nach daran. Ich betete bei Tiſche auch nicht mehr leiſe für mich; ich unterließ das Gebet, wenn die Gebetsglocke rief zum Reden mit dem Herrn. Abends ſchlief ich müde ein und Morgens weckte mich der Meiſter mit Schimpfen und Fluchen.
Zwei Jahre in ſolch' einem Heidenleben— Herr, die können in einem jungen Herzen manche ſtille, heilige Saat des Vaterhauſes vertilgen. Das Soldatenleben iſt nie und nirgends eine Schule der chriſtlichen Frömmigkeit. Gott ſei es geklagt, ſie lernen da nur, was Gott verdrießt und verboten hat!


