Jahrgang 
1 (1858)
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den Seinen ruht.Gott ſegne euch, meine Kinder! und dich, Mutter, und dich! bebt es kaum vernehmlich von ſeinen erkaltenden Lippen und bei dieſen Worten der Liebe und des Friedens küßt ihm der ſtille Engel des Todes die müde Seele weg.

Ein lautes und inbrünſtigesVaterunſer der Verlaſſenen geleitete die unſterbliche Seele zur ſeligen Heimfahrt.

Erſt beinahe ein Jahr darauf, am 31. März 1814, juſt am Tage des ſtegreichen Einzugs der Verbündeten in Paris, fand eine ſtille, aber gemuthliche Hochzeit auf der Grabenmühle ſtatt, nachdem Philipp noch die glorreiche Völker⸗ ſchlacht bei Leipzig mitgefochten hatte, von woaus ſich, nach einer abermaligen leichten Verwundung, ſein ehrenvoller Abſchied herdatirte.

Als der junge Grabenmüͤller am Abend des ſchönen Tages ſein bildhübſches und ſeelengutes Frauchen voll ſeliger Freude in den Armen hielt und all' die ihm erwieſene Gnadenfülle Gottes in dankbarer Seele überdachte, da traten auch Freuden⸗ und Dankesthränen in Annemariens Augen.

In ſeiner treuherzigen Weiſe meinte Philipp:Nicht wahr, Annemarie, ohne Kampf kein Sieg, und die in Thränen ſäen, ſollen in Freuden ärndten! Mit gefalteten Händen und in ernſt⸗feierlicher Stimmung war Annemariens Antwort:

Der Herr hat Alles wohl bedacht, Und Alles vecht und gut gemacht: Gebt unſerm Gott die Ehre!

Amen! erſcholl es von den Lippen der eben eintretenden Mutter, und war ſomit der Grundſatz ausgeſprochen, auf dem hinfort des Hauſes Glück und Heil gebauet und gefördert werden ſollte.

Und dabei blieb es auch. Gottvertrauen, Chriſtenſinn und Wohlthätigkeit gegen Arme und Unglückliche waren Broſemanns ſchönſte Tugenden und das Schriftwort:Liebet eure Feinde; ſegnet, die euch fluchen; thut wohl denen, die euch haſſen, fand bei ihnen am Schreiberdietrich und der alten Hübnerin eine wortgetreue Auslegung.

Ach Gott, der bedauernswerthe Schreiberdietrich! Kaum von dem böſen Lazarethfieber geneſen, das ihn arg mitgenommen hatte, fiel er etliche Tage vor der Leipziger Schlacht den Koſacken als vermeintlicher franzöſiſcher Spion in die Hände, die ihn zwar nicht nach Fug und Recht an den erſten beſten Baum auf⸗ knüpften, dafür aber dermaßen durchknuteten, daß der arme Teufel nie wieder in Beſitz geſunder Gliedmaßen kam und im buchſtäblichſten Sinne des Worts eingrundgeſchlagener Mann verblieb.

Bei der alten Hübnerin im Quartier, deren Haus bald auf den noth⸗ wendigen Termin kam, lebten Beide von gewiſſen Wohlthaten, die zwar nur ſtill und heimlich geſchahen, von denen aber das ganze Dorf zu Ehr' und Ruhm der chriſtlich frommen Annemarie ſprach und die ſich ihr droben einſt zum un⸗ vergänglichen Strahlenkranze reihen werden. Denn der Herr iſt gerecht und hat Gerechtigkeit lieb!

Das heimathliche Gebetsläuten.

Von W. O. von Horn.

Die Abendglocke tönte feierlich durch das Thal. Die Sonne war ſchon hinter den Bergen verſchwunden und der Abendhimmel glühte in dunklem Purpur.

Ich nahm mein Käppchen vom Haupte, faltete meine Hände und ſprach ein leiſes Gebet zum Herrn. Auch mein Nachbar Veit, ein wackerer Küfer, that wie ich. Er war, wie er oft pflegte, am Feierabend zu mir gekommen.