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Trotz der unbeſchreiblichen Todesangſt, die uͤber Annemarien kam, hie ſie doch wacker Stand, zumal ſie aus den Fieberphantaſien des alten annes merkte, daß er es nur mit dem Schreiberdietrich zu thun zu haben ſchien. Und als er ſich noch immer mehr im Zorn, Wuth und wilden Flüchen gegen den Kuppler erging und ſich in dem raſenden Zuſtand völlig aufzureiben drohete, nahete ſich Annemarie ſeinem Lager und ſuchte ihn durch ſanften Zuſpruch und Worte der Liebe zu beruhigen.—
Und es gelang ihr auch; die Hand auf ſeine glühheiße Stirn gelegt, bannte ſie bald den wilden Aufruhr der kranken Seele, und nach und nach tauchten liebliche Bilder in ihm auf und, täuſchte ſie ſich nicht, nannte er leiſe, ganz leiſe, mit einem wunderbaren Frieden auf dem Antlitz, Philipps und— ihren Namen.
Bis auf's höchſte abgeſpannt, fiel er darauf wieder in den unerquicklichen Schlummer zurück, die Augen feſt geſchloſſen, wie ein Todter. Doch im tiefſten Innern waltete die unſichtbare Hand des allmächtigen Gottes zum Heil ſeiner unſterblichen Seele und ſchlug Waſſer aus dem todten Geſtein und machte den dürren Stecken grünen.—
Und Tage auf Tage ſchlichen dahin, einförmig, düſter, traurig. Und dazu kam noch, daß das Wetter umſchlug, und anſtatt des erquicklichen Frühlings⸗ ſonnenſcheins öffneten ſich die Schleuſen des Himmels und ein kalter Regen, gepeitſcht von heulenden Nordweſtwinden, fiel in Strömen herab.
Aber eine Lichtſeite hatte das unheimliche Nachtſtück auf der Grabenmühle doch, denn mit der Hausfrau ging es zuſehends beſſer. Und obgleich ſie noch das Bett hüten mußte, hatte ſie ſich doch ſchon etliche Male mit Annemarie über ihr und Philipps Schickſal theilnahmsvoll berathſchlagt.—
Nur des alten Grabenmüllers Zuſtand ſchien derſelbe bleiben zu wollen. Obgleich nach des Arztes Ausſage die eigentliche Krankheit gehoben war, lag er doch noch ſo ſterbensſchwach und anſcheinend beſinnungslos darnieder, daß nach menſchlichem Vermuthen und Ermeſſen keine Beſſerung in Ausſicht ſtand.
Doch— im Schwachen iſt der liebe Gott mächtig,— und erſt ſollte er noch wirken, ehe für ihn die Nacht kam, da Niemand mehr wirken kann.
Und je hinfälliger die ſterbliche Hülle zu werden ſchien, deſto lebendiger ward der unſterbliche Geiſt; und es kam für ihn in den ſtillen, langen Krankheits⸗ nächten, bei geſchloſſenen leiblichen aber ſcharf blickenden geiſtigen Augen, die rechte Selbſterkenntniß in die wunde Seele und Reue und Buße über ſein ver⸗ gangenes Leben.
O ganz gewiß— Philipp und Annemarie lagen dem alten Mann ſchwer auf der Seele. Aber wie ein Scheintodter bei den fürchterlichen Zurüſtungen zu ſeinem Begräbniß nach Hülfe aufkreiſchen möchte und doch in ſeiner ſtarren Ohnmacht nicht kann, ſo auch er. Und immer eiternder wurde das Geſchwür ſeiner Seele und immer zerfleiſchender ſeines Herzens namenloſe Reue.
Doch auch ihm ſollte noch Freude und Friede werden, denn Gott iſt die Liebe! und wer ſeine Miſſethat bekennet und läßt, der wird Barmherzigkeit erlangen.—
Nach einem für den Kranken ganz beſonders unruhigen Tage, deſſen bange Sorge und Todesangſt für unſere Annemarie durch die Nachricht von dem höchſt zweifelhaften Erfolg der Schlacht bei Groß⸗Görſchen, am 2. Mai 1813, noch geſteigert wurde,(denn aller Wahrſcheinlichkeit nach hatte Philipp unter einer Abtheilung des Blücher'ſchen Korps dort mitgefochten) kam wider alles Erwarten und Verſtehen die erſte ruhige Nacht für den alten Broſemann. Er lag da wie ein ſüß Schlafender, bewacht und bewahrt von Annemariens heißeſten Segenswünſchen..
Es mochte gegen drei Uhr frühmorgens ſein, da regte ſich der alte Mann wieder. Obgleich ſelbſ todtmüde, eilte Annemarie dennoch augenblicks an ſein
Bett, um ihm irgendwie dienen zu können. Und nun?! Mit einem Blick, der
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