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Beim Steinmetzmeiſter angekommen, legte ihr der die mannigfachſten Zeich⸗ nungen vor. Ein einfaches Kreuz mit dem Stundenglas und einem lächelnden Engelskopf drauf— das Bild des Vergänglichen und Unvergänglichen,— war bald herausgefunden und zur Inſchrift wählte ſie die Worte: Matth. 25, 21.—
Als ſie dem Meiſter die Arbeit gleich im Voraus bezahlen wollte, weigerte ſich der, das Geld anzunehmen. Doch die Grabenmüllerin bat inſtändigſt darum und verſuchte dann ſogar einen ſcherzhaften Ton anzuſchlagen: wie man in dieſer böſen Zeit nicht mal mehr im eigenen Hauſe ſeines Lebens ſicher ſei, heute roth und morgen todt; und es ſterbe ſich leichter, wenn keine Läpperſchulden und keine kleinen Kinder hinter einem herſchrien.—
Erſt als ſie wieder auf dem Wagen ſaß und dann bald die Stadt mit ihren hohen Häuſern und engen, dumpfen Gaſſen hinter ihr lag, athmete ſie unwill— kürlich aus tiefſter Bruſt auf, wie Einer, auf dem zur Nachtzeit der Alp gelaſtet hat und der dann plötzlich erwacht und zu ſeiner Freude den dämmernden Morgen in's Stübchen brechen ſieht. Auch war ſie auf der Heimfahrt aufgeweckter als vorher und machte den Chriſtlieb auf mancherlei aufmerkſam. Und als ſich der ein Herz faßte und ſie fragte, ob ihr denn heute früh nicht recht wohl geweſen? antwortete ſie ihm:„Kannſt ſchon recht haben, Chriſtlieb, denn mir war's, als ſtände in einem weg Jemand hinter mir, der mich zur Eile triebe und wieder deuchte es mir, als ſei ich ein Schwerkranker, der ſein Haus beſtellen müſſe, um dann erſt in dem rechten Sterbefrieden dahin zu fahren. Doch Gott ſei Lob und Dank, jetzt iſt mir's wieder beſſer.“—
So waren ſie wieder in die Nähe des Dorfes gekommen. Die Sonne, die noch kurz vorher brennend heiße Strahlen hernieder geſandt hatte, war auf ein⸗ mal von ſchweren, ſchwarzen Wolken verhuͤllt, wie das Wetter im Aprilmonat veränderlich iſt. Und dazu machte ſich ein ſchaler Wind auf, der gerade aus dem rechten Regenwinkel blies und wohl die Urſache ſein mochte, daß die Grabenmüllerin plötzlich über Froſt zu klagen anfing, zu dem ſich ebenſo plötzlich ein ſtechender Kopfſchmerz geſellte.
„Fahr zu, Chriſtlieb“, ſprach ſte,„ſonſt faßt uns der Regen noch!“ Der aber ließ ſich ſo etwas nicht zweimal ſagen und in wenigen Minuten hielten ſie wieder im Hof der Grabenmühle.
Broſemann empfing die heimkehrende Hausfrau freundlicher, als ſeit vielen Jahren geſchehen, und man merkte es ihr an, wie wohl ſie ſich darüber fühlte. Und dies Wohlgefühl der Seele ſchien ſich auch dem Körper mitzutheilen, denn der Froſt und der ſtechende Kopfſchmerz verließen ſie in den Nachmittagsſtunden etwas, und wie immer arbeitete ſie unermüdlich in Haus und Wirthſchaft.
Ja, Abends aß ſie ſogar noch mit ihrem Mann und dem Geſinde ein paar Löffel Suppe und hatte noch für Jeden am Tiſch ein freundliches Wort bereit, das den Leuten ſo oft das einfachſte Gericht zu einem Feſteſſen gemacht hatte.
Nur das übliche Schälchen Kaffee zum Nachttrunk wollte ihr heute nicht ſchmecken, und unbemerkt von ihrem Mann ſuchte ſie das Geſchirr wieder bei Seite zu bringen.
Aber nicht lange mehr konnte ſie ihr Unwohlſein verheimlichen. Broſemann bemerkte ihr glühendes Angeſicht und da er nach dem Grund deſſelben fragte, meinte ſie anſcheinend ſorglos:„Das macht wohl, weil ich mich den ganzen Tag in der Luft herumgetummelt habe.“ Innerlich aber geſtand ſie ſich's unumwun⸗ den, daß eine ſchwere Krankheit im Anzug ſei.
„Du biſt unwohl, Mutter, verhehle es mir nicht länger“, ſagte voller Sorge der Grabenmüller beim Niederlegen, und kaum im Bett angelangt, kam ein furchtbarer Fieberfroſt über ſie, daß ihr die Zähne im Munde klapperten.
„Da haben wir's, ach du mein Gott und Herr!“ ſchrie der Grabenmuͤller
in höchſter Angſt auf und ſuchte dann ſchnell wieder in die Kleider zu kommen. Doch wie es nun einmal in ſeinem Weſen lag, daß er ſelbſt da noch bitter und
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