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bi verſprochenen Spezies kamen ihm Tag und Nacht nicht mehr aus dem inn.
Dummdreiſt bis zur Ungebühr, langte er gleich nach einem Holzſchemel und nahm damit dicht neben der fleißigen Spinnerin Platz.
„Na, was ſoll's denn damit?“ fragte Annemarie, über das zudring⸗ liche Weſen des Verhaßten tief verletzt.„Kommt mir um's Himmelswillen nicht in mein Gehege, ich mag ſo Einen, wie ihr ſeid, nicht zur Nachbarſchaft.“ Um ihren Worten gehörigen Nachdruck zu geben, ſtand ſie ſchnell auf und ſetzte ſich mit ihrem Spinnrädchen auf die Ofenbank.„Wenn's weiter nichts iſt“, ſprach Schreiberdietrich,„das kann ich auch“;— ſprang auf, und im Handumdrehen ſaß er ſchon wieder neben ihr.
Jetzt galt's, der Spröden ſchön zu thun, was auch der Nichtsnutz zu ver⸗ ſtehen ſchien, denn Schmeichelnamen, wie„Püppchen“,„Herzchen“,„En⸗ Paichene und„Tauſendſchöne“ floſſen nur ſo von ſeinen heuchleriſchen Lippen hin.„Wenn's euch ſonſt Spaß macht“, rief Annemarie dazwiſchen,„immer zu, mich aber trifft's nicht.“
Eine drückende Pauſe entſtand hierauf, die aber plötzlich dadurch unter⸗ brochen wurde, daß Annemariens Spinnfaden riß. Im Nu hatte Schreiber⸗ dietrich den Rocken gefaßt, den er nicht eher wieder laſſen wollte, ies ihn die Eigenthümerin, nach einem alten Spinnſtubengebrauch, mit einem herzhaften Kuß eingelöſt hätte.
Doch da kam er gut an! Mit einem kräftigen Ruck ſetzte ſich das Mädchen wieder in Beſitz desſelben; und als nun der ſo überraſchte Schreiberdietrich alles Ernſtes auf ſie eindrang, um ſich gewaltſam zu nehmen, was ihm das ſittſame Mädchen verweigert hatte, erhielt er nach längerm Ringen einen ſolchen Stoß von ihr, daß er rücklings gegen die Stubenthür flog.— In dieſem Augenblick trat die Hübnerin ein.
Aber nun ging's los, denn daß Schreiberdietrich in ſeiner Werberei nicht glücklich geweſen war, dafür hatte die Alte augenſcheinliche Beweiſe. Zwiſchen zwei Feuern ſtehend, wurden dem armen Mädchen von den beiden Verbündeten alle nur erdenklichen Schimpf⸗ und Spottnamen zu Theil, und es hätte nicht Viel gefehlt, die arme Annemarie wäre von der abſcheulichen Hübnerin mit Händen und Füßen malträtirt worden.
Doch die hatte feſt und ſicher Poſto gefaßt zwiſchen Kammerthür und Kleider⸗ ſpinde und in ihrer großen Herzensangſt drohete ſie„Feuer und Mordio“ zu rufen, wenn man ſie nicht augenblicklich in Ruhe laſſen würde.
Bei einer Frau, wie die Hübnerin, wirkte ſolche Drohung nicht; konträr— ſie reizte ſie nur umſomehr auf. Der ſchlaue Schreiberdietrich aber ſchlug plötz⸗ lich einen ganz andern Ton an. Denn in ſeiner Heirathsgeſchichte wollte er kein Aufſehen machen, zumal er nur zu gut wußte, daß hierbei das ganze Dorf auf Annemariens Seite ſtand.
„Ruhig, Frau Gevatterin, ganz ruhig,“ beſchwichtigte er deshalb die zornige Hübnerin,„denn Einer will ſo, der Andere wieder ſo genommen ſein. Wenn Einer die Welt und die Menſchen kennt, bin ich's. Mit dem Trotzköpfchen da heißt's behutſam umgehen. Und übrigens— es eilt ja nicht; morgen iſt auch noch ein Tag und vielleicht, daß das Jüngferchen da nicht ſo heißblütig iſt. Freilich mag ihr die Affenliebe zu dem Bauerntölpel noch zu tief im Fleiſch ſitzen, und noch iſt ihre Eitelkeit zu rege, ſich mal als die zukuͤnftige Grabenmüllerin zu ſehen.“ Und ſich zu Annemarien wendend, die noch immer nicht gewagt hatte, ihre ſichere Stellung zu verlaſſen, fuhr er fort:„Ja, ja, ich meine dich, du auf⸗ geblaſen Ding. Doch ich weiß, wo die Zäume hängen, und deinen vermeintlichen Schwiegerpapa kenne ich inwendig und auswendig, und noch heute thut's ihm leid, daß er dich dazumals nicht mit Peitſchenhieben aus dem Hauſe gehetzt hai. Drum ſei geſcheidt, mein Würmchen, und überlege dir die Sache genau. Wie ſchon geſagt, preſſiren thut's eben nicht und bis Martini allenfalls kann ich mich


