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undſechzigſten Geburtstag, im Juli, Philipp durch die Mutter gratuliren ließ, hatte er ſich ſo ein„Poſſenſpiel“ ein für alle Mal verbeten.
Ja noch mehr. Als ſich der Einquartierungstrubel nur halbweg wieder verzogen hatte, paßte er mal dem Schreiberdietrich auf und drang in ihn, nun endlich die Heirathsgeſchichte einzufädeln und der fatalen Sache mit Einem Schlag ein Ende zu machen.
Und ſo kam's denn auch. Eines Tages, ſo in der zweiten Hälfte des Auguſt, verbreitete ſich wie ein Lauffeuer die Nachricht durch's Dorf: der rothe Schreiberdietrich freie um Schulmeiſters Annemarie'n! die Meiſten lachten darüber und hatten ihren Spott über den feinen Freiersmann.
Die arme Annemarie! Auf dem Kirchgang am letzten Sonntag hatte ihr Schreiberdietrich in ſeiner unverſchämten Art und Weiſe den erſten Antrag ge⸗ macht. Bis auf den Tod erſchreckt, hatte ſie ihn alles Ernſtes und mit der rechten Würde und Hoheit einer ehr⸗ und lobeſamen Jungfrau zurückgewieſen. Doch der Schuft ließ nicht nach, kam immer und immer wieder und verfolgte ſie auf Weg und Steg.
Und wie er ſah, daß bei dem Mädchen durchaus nicht anzukommen war, ſteckte er ſich hinter die alte Hübnerin.
Auch die machte anfänglich Einwendungen und hatte Bedenken nach allen Seiten hin, denn es kam ihr denn doch zu unpaſſend vor: das kräftige, friſche Mädchen und der zuſammengeſchrumpfte, grämliche Junggeſell.
Doch dieſe Anſicht änderte ſich blitzſchnell bei ihr, da ihr Schreiberdietrich eines Tages unumwunden erklärte:„Entweder du, Alte, biſt mir behülflich, daß mich Annemarie je eher, je lieber heirathet,— oder: ich kündige dir das Kapital, und du kannſt dann ſehen, wo der Zimmermann das Loch im Hauſe gelaſſen hat.
Wie geſagt, das wirkte. Und da ſie ihren augenſcheinlichen Vortheil bei dem Handel gewahrte, hielt ſie auf einmal das Pärchen für eines, das wie geſchaffen für einander ſei und bombardirte nun gemeinſchaftlich mit dem ſpitz⸗ bübiſchen Schreiberdietrich auf Annemariens Herz los.
„Lieber den Tod, als ihn!“ gab das arme Kind eines Abends der ab⸗ ſcheulichen Alten zur Antwort, die noch vor dem Zubettgehen das Geſpräch wieder auf die„annehmbare Partie“ gelenkt hatte.—
Als nun aber die Hübnerin unter Thränen ſprach:„Ach, Annemarie, du, weißt gar nicht, was mir für ein Unglück daraus erwächſt, wenn du nein ſagſt. Der Schreiberdietrich, der eine Hypothek auf dem Hauſe ſtehen hat, droht in dem Fall es anſchlagen zu laſſen und mich an den Bettelſtab zu bringen. Alſo nur du kannſt mich vor Armuth und Elend bewahren, und wie ich dich kenne, wirſt du es auch thun. Zu Neujahr ſind es dreizehn Jahre, daß du in meinem Hauſe biſt und— das weiß Gott— ich habe dich gehalten wie mein eigenes Kind und dich auf Händen getragen und gepflegt, als du vor etlichen Jahren ſchwerkrank am hitzigen Fieber daniederlageſt. Habe deshalb Barm— herzigkeit mit einer armen, alten Frau, mit mir, deiner zweiten Mutter, und ſtoße mich nicht erbarmungslos in die Welt hinaus. Oder meinſt du wirklich, der alte, fizige Broſemann gäbe jemals zu, daß dich ſein einziger, reicher Sohn freien dürfte? Eher geht die Welt unter, denk' an mich! Doch nein, nein, ſo thöricht biſt du ja nicht! du biſt ja immer mein beſonnenes und gehorſames Kind geweſen. Drum mache endlich dem Immer und Elend bei Grabenmüllers ein Ende, wo jetzt nur deinetwegen Unruhe herrſcht und Unfrieden und Ver⸗ zweiflung. Schreiberdietrich iſt lange nicht ſo ſchlimm, als man ihn hier im Dorfe auspoſaunt hat und ſein bischen Brod hat er auch. Drum nimm ein gewiſſes und beſcheidenes Auskommen für ein ungewiſſes. Ein Mädchen, blut⸗ arm wie du, darf nicht groß mäkeln, ſage Ja und ich will dir's noch auf meinem Sterbelager danken!“—


