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Nach einer ganzen Weile murmelte der Alte von ſeinem Platz her:„Das ertrage ich nicht!“'— Und als hätte er auf einmal alle ſeine Kraft und Ent⸗ ſchloſſenheit wieder erlangt, ſprang er auf und ſchrie:„Macht's anders, Schreiber⸗ dietrich,— macht's anders! und ſo wahr ich der reiche Grabenmüller bin, ſoll's mir auf eine Hand voll Spezies nicht ankommen!“—
Hui, das war Waſſer auf Schreiberdietrichs Mühle! Nun hatte er den geizigen Alten, wo er ihn ſchon lange hatte haben wollen, und es währte gar nicht lange, da pfiff der ſaubere Finke ein ganz anderes Lied.
„Herr Broſemann,“ begann er ſich räuspernd,„ich wüßte allenfalls noch einen Ausweg,— wenn ihr nur ſonſt nicht widerhaarig ſein wollt. Umſonſt hat man nun einmal Nichts in der Welt und wen ein Mittel vom Tode retten kann, der knickert und knauſert nicht erſt noch lange mit Doktor und Apotheker. Seht, ich habe ſo ein Mittelchen und wenn auch Philipp anfangs den Mund verziehen und Bauchgrimmen bekommen ſollte,— ſo hilft's doch, und das iſt und bleibt hier die Hauptſache.“—
Der Grabenmüller ſah ihn fragend an.
Schreiberdietrich fuhr fort:„All euer Drohen, Fluchen und Wettern hat bisher noch nichts geholfen und wird nichts helfen.“
„Hier heißt's handeln!— Annemarie muß aus dem Weg geſchafft werden! Aber nicht durch Gift und Dolch,— o behüte, Herr Broſemann, behüte! ſondern auf eine ganz manierliche Weiſe. Nämlich: ſie ſoll heirathen! Sie muß heirathen! Aber nicht euren Philipp, ſondern einen ganz Andern. Rathet mal?— Mich ſoll ſie heirathen, mich! oder beſſer, ich will ſie heirathen. Doch nur unter der Bedingung, daß ihr mir das Mädchen gerade nicht als eine Bettelpuppe zuführt. Doch erſchreckt nur nicht, ich fordere nicht unverſchämt.“— „Schreiberdietrich, und das wollet ihr?“ fragte der Alte ganz erſtaunt.„Und warum nicht?“ meinte der,„das friſche, dralle Mädchen ſteckt mir ſchon lange in der Naſe.“—„Aber, Schreiberdietrich,— aber— ob ſie euch auch will?“ fragte zweifelnd Broſemann.„Will? hahahaha,“ lachte der laut auf,„ſie muß, Herr Broſemann, ſie muß! denn ſo ein blutarmes Ding darf durchaus keinen eignen Willen haben; und ich meine, zuletzt wird ſie noch Gott danken, daß ſie an einen ehrlichen Mann gekommen iſt. Nicht zu vergeſſen, die alte Huͤbnern wird mir behülflich ſein. Entweder— oder! Nämlich entweder Annemarie, oder das Kapital zurück. Verſteht ihr mich? Und dann noch, wie ich die Annemarie kenne,— ein ſtilles gutherziges Mädchen, läßt ſie es dahin nicht kommen. Trotz aller ſchlechten Behandlung, die ſie im Allgemeinen von Hübners genoſſen, hängt ſie doch an der alten Hexe mit einer gewiſſen Dank⸗ barkeit. Die Pflicht gilt ihr höher als die Liebe und, paßt mal auf, zuletzt beißt ſie doch an! Und Philipp?— Anfangs liebeskrank und ſiech,— kurirt ihn die Zeit wieder aus, und das luſtige Ende vom Liede iſt eine Hochzeit zwiſchen eurem Philipp und Michel Langens Lene in Grieſingen drüben.“—
Der alte Grabenmuller ſtrahlte vor Freude, die nur bei der Frage:„Und was verlangt ihr von mir zur Mitgift?“ etwas gedämpft wurde.„Vier⸗ hundert Species, Herr Broſemann, nicht mehr und nicht minder!“ antwortete Schreiberdietrich kurz und bündig.„Viel Geld das, viel Geld!“ entgegnete der Alte,„doch wie ich euch kenne, wird's die Hälfte auch thun, denn die Zeiten ſind LFleJt und Unſereiner ſteht auch nicht mehr ſo wie früher.“—
chreiberdietrich, der da ſah und hörte, der Alte mache Winkelzüge, ver⸗ ſetzte ruhig und ſeiner Sache gewiß:„Nun, vielleicht findet ſich für den Preis ein Narr, ich aber nicht,“ und dabei war er ſchon bis an die Stubenthür gekommen.
„Nu, nu!“ brummte der Grabenmüller,„Fordern und Bieten macht den Kauf, und wegen Vierhundert Species wird mir's doch vergönnt ſein, das Maul aufzuthun?“


